Donnerstag, 2. Juli 2009

Arditti-Quartett in Leipzig

Im Rahmen des MDR-Musiksommers klangrauscht das legendäre britische Quartett am Samstag in der Schaubühne Lindenfels. „Tierisch!(?)“ lautet das Motto, unter dem der Veranstalter mit kruder Interpunktion zu einem bunten Programm zwischen Widmann und Ferneyhough einlädt.

Enno Poppe: Tier
Brian Ferneyhough: Quartett Nr. 5
Jörg Widmann: 3. Streichquartett (Jagdquartett)
Harrison Birtwistle: The Tree of Strings

Arditti Quartet

„Widmann jagt Poppe? Das Arditti-Quartett schlägt sich bei der Jagd (von Widmann) auf das Tier (von Poppe) durch den Wald (von Birtwistle). Dabei geht es natürlich nicht um Lautmalerei oder Illustration. Die Komponisten fühlen sich eher inspiriert durch Aspekte des organischen Wachsens oder Wucherns. Und Ferneyhough? Der passt schon deshalb ins Programm, weil er „tierisch“ schwer zu spielen ist…“ (Konzertankündigung MDR)

Trotz der lächerlichen Eskapaden im Widmannschen Jagdquartett wird das Konzert schon deshalb eine Freude werden, weil „tierisch schwer“ den „Ardittis“ keine Kategorie ist. Ferneyhoughs Fünftes von 2006 ist dessen neuestes Streichquartett, „not very long, but very wide“, nur 13 Minuten lang – und dabei für die Virtuosen noch immer keine „echte Herausforderung“ (Irvine Arditti). Nur allzu selten ist der komplizierte Freiburger B.F. in Leipzig zu hören. Viel zu selten. (Es wäre interessant, eine genaue Zählung einmal vorzunehmen.) Jedenfalls hoch anzurechnen ist es dem Veranstalter, dass hier Brian Ferneyhough programmiert wurde, zumal so ein junges Werk. Sei es, dass der MDR bzw. Steffen Schleiermacher, der „spiritus rector der Klangrausch-Reihe“ (MDR), ausdrücklich um einen Ferneyhough-Programmpunkt bat, sei es, dass er die Vorschläge der Interpreten guthieß.

Tierisch!(?) - das MDR-Klangrausch-Festival Freitag, Samstag und Sonntag (3. bis 5. Juli) in der Schaubühne Lindenfels, 20 Uhr.

Samstag, 27. Juni 2009

Mensa am Park öffnet am Montag

Heute, am Tag der Architektur, durften bereits die Räumlichkeiten betreten werden, Küche eingeschlossen: Geschwader von Friteusen; eine Bratanlage, die Fleisch mittels Fließband durch zwei Quadratmeter heißes Öl ziehen kann; ein vollautomatischer Geschirrspüler, nein, vielmehr ein Geschirrspülraum, gewissermaßen eine Waschanlage für die Tabletts, von denen das Besteck durch Magneten entfernt wird… Und bei Stoßzeiten kann simultan an sechs Kassen bezahlt werden. – Fürs Leipziger Mensawesen ein Quantensprung. 890 Plätze, täglich Pommes, Pizza, Pasta – ich bin schon heute Fan!

Freitag, 26. Juni 2009

Damen dementsprechend

Wunderschönes GeraWenn ein philharmonisches Orchester auftritt, hängt sein Orchesterbüro zuvor Notizzettel ans Schwarze Brett, auf dem für die philharmonischen Herren die Bekleidungsfrage von Frack bis Sockenfarbe (!) penibel geklärt wird. Dahinter steht immer: „Damen dementsprechend“.

So etwas weiß ich nun, denn ich habe einige Tage an den Städtischen Bühnen Gera verbracht. Wunderschöne Ecken hat diese Stadt. Aus der gemütlichen Kantine („Frau Fritze bidde auf die Bühne“) mit den verglasten Wänden hat man einen tollen Blick auf den Park der Orangerie, die Küchengartenallee entlang, wo sich weiter hinten an der Weißen Elster der herrliche Stadtteil Untermhaus anschließt.

Juri Lebedev dirigierte gestern die Werkstatt-UA von „über Leichen gehen“ (2005) für Sinfonieorchester. Und man mag über laute Orchester nölen, was man will, aber es ändert nichts: Das Beste sind, waren und bleiben drei Posaunen plus Kontra-Oktave plus dreifaches Forte („fff“).

Mittwoch, 24. Juni 2009

„über Leichen gehen“ für Orchester in Gera

Am Donnerstag um 21 Uhr erklingt im Konzertsaal Gera die Uraufführung von „über Leichen gehen (quelle horrible mort!…)“, das ich 2005 und 2006 in Göteborg komponierte. Weiß Gott nicht der erste Ansatz, die Partitur aufzuführen, freue ich mich über das morgige Konzert in Thüringen umso mehr. Herzliche Einladung.

„Eine 10-minütige sinfonische Begehung recht unterschiedlicher Klangwelten und Erscheinungsformen des Orchesters. Im großen Panorama, das so schwer zu fassen ist zwischen aufgerauten Texturen und fast klassizistischen Orchesterfiguren, werden immer wieder neue Fenster geöffnet. Die dramaturgischen Funktionen der Streicher, Bläser, Schlagzeuger und einzelner Solisten wechseln beständig. Und immer scheint den Entwicklungen bald die Luft „abgewürgt“: Die Orchesterkomposition über Leichen gehen (2005/2006) setzt ein Fragezeichen hinter jede Äußerung, die erklingt. Nach einer Kulmination jedoch ist aus der Ferne ein Streichersatz von Edvard Grieg zu hören. Ist der Ruhe zu trauen? Die Komposition entstand in den Jahren 2005 und 2006 in Schweden. Ihr Untertitel („wie furchtbar, so zu sterben!“) zitiert aus der französischen Übersetzung eines Romans von Oscar Wilde.“
(Beyer über Beyer für den Programmzettel, wollte ich nicht vorenthalten.)
Ankündigung Ostthüringer Zeitung (23.6.2009)

Dienstag, 23. Juni 2009

Jüdische Lobby?

Liebesgrüße von Udo Voigt: Die NPD zu den Ereignissen in Teheran. Und vorgestern bye, bye Junimond: Ein Junger Nationaler in niedersächsischer Pampa scharwenzelt um einen Holzstoß.

Freitag, 19. Juni 2009

Ob’s denn recht wäre

Durch Deutschland tourte der Es-gibt-keinen-Gott-Bus, ein britischer roter Doppeldecker mit großer entsprechender Aufschrift. In seinem Gefolge: das christliche Gegenpostulat in Form eines beschrifteten Reisebusses. „Schon sehr dreist“ sei das gewesen, echauffiert sich bei Spiegel Online einer der Doppeldeckeratheisten mit dem wirren Missionsauftrag, ungefragt von den Christenmenschen auf Rädern verfolgt zu werden. Ein bizarres Paar auf Deutschlands Straßen und Plätzen. Apropos Mission: Kreuz versus Strichcode. (Danke, Fabian!)

Mittwoch, 17. Juni 2009

Treemonisha in Berlin

In Eile noch hingewiesen sei auf „Brass meets Musical“, das heute stattfindende Konzert im Joseph-Joachim-Saal der Universität der Künste in Berlin. Studierende der Studiengänge Musical und Blasinstrumente gestalten gemeinsam einen Musiktheaterabend, Beginn 19.30 Uhr. Darunter mein Arrangement dreier Stücke aus Scott Joplins Oper „Treemonisha“ von 1910. Die Oper wurde erst sehr spät, 1972, uraufgeführt, zu hören ist sie bis heute äußerst selten. Mein Arrangement enthält die Nummern 4, 27 und 18 und stellt den Solisten und dem Chor eine Bearbeitung für Blechbläserensemble zur Seite von 10-köpfiger Besetzung (4 Trompeten, 4 Posaunen, Horn, Tuba).

Brass meets Musical
Gordon Langford: London Miniatures
Jason Robert Brown: Songs for a New World
Chris Hazell: The Three Brass Cats
Songs aus Andrew Lloyd Webber: Cats und
Scott Joplin: Treemonisha
Blechbläserensemble der UdK Berlin
III. Jahrgang Musical/Show
Leitung: Konradin Groth und Michael Dixon
19.30 Uhr, UdK Berlin , Joseph-Joachim-Konzertsaal, Bundesallee 1-12, Berlin-Wilmersdorf
Eintritt: 6 Euro, erm. 4 Euro

UNI.T - das Theater der Universität der Künste Berlin

Montag, 15. Juni 2009

Tripelpedalton

In Spielbergs Verfilmung von „Krieg der Welten“ hupt es immer tief und bedrohlich, wenn die Aliens ins Bild treten. War das ein Synthesizer? Mitnichten. Beim Hübnerschen Workshop „Experimentelle Spieltechniken auf der Trompete“ ging mir das Licht auf, dass in dem Hollywood-Schinken es um ein Alphorn sich gehandelt haben muss, das fürs Sounddesign mit einen Fagott-Mundstück musiziert wird. – Das meine ich ernst.

Ein großes Konzerterlebnis tags zuvor im nordbayerischen (das gehört zu Franken) Ansbach. Unter der Leitung Ernst Oestreichers musizierte ein gigantisch besetztes Nordbayerisches Jugendblasorchester (6 Schlagzeuger! 10 Klarinetten in B!!) u.a. mein bescheidenes „Concerto Bavarese“ (2005), und zwar mit starkem Gestaltungswillen, beeindruckender Ernsthaftigkeit und Präzision und solcher Verve, dass es mir eine große Freude war! Eine Wunschinterpretations. Fein!

Es-Sopran-Klarinette, Es-Alt-Klarinette, 2 Bassklarinetten – das Orchester hatte alles. Wobei ich ehrlich sagen muss: Wenn so ein Klarinettengeschwader unisono in höchste Register schießt, klingt’s wie Einlauf in der Stationären. Wunderbar skurril!