Musikalische Allgemeinbildung?
Zweimal Musikpädagogik: 1. Julia Spinola in der heutigen FAZ über „Lebenselixier“ Musik und „Entmusikalisierung der Republik“. All die „tatkräftigen und phantasievollen Intitiativen der Kulturstiftungen, Landesverbände, Orchester, Opernhäuser“ blieben fruchtlos, weil in Sachen Bildungspolitik der Musikunterricht massiv leide. Deswegen beschweren sich Rattle & Co. beim Berliner Bildungssenator aus Angst um die „musikalische Allgemeinbildung“. Die vollbringe nämlich Nachweisbares, so Spinola: „Die Beschäftigung mit Musik, das kann inzwischen auch jeder Bildungspolitiker nachlesen, trainiert unser Gehirn, hilft Krankheiten zu überwinden, verbessert das Sprach- und Ausdrucksvermögen und fördert auf enorme Weise die soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen“. 2. Der Schulchor PS22 einer öffentlichen New Yorker Schule. Alles ohne Noten und irgendwie ganz schön Abseits von Rattle & Co. und Klugmachsynergien. Der Chor singt Popsongs, ausschließlich sogar. Bei Youtube kursieren unzählige Videos, allzumal versammelt im PS22-Blog. Populär im besten Sinne und so beeindruckend wie authentisch und empfunden dargeboten. Auch schön: völlige Absenz von Chorleitersprech und Orffinstrumenten. Dort im Schulchor jedenfalls dürfte man unter „musikalischer Allgemeinbildung“ etwas anderes verstehen als bei den „phantasievollen“ Landesverbänden und Orchestern. Aber verstanden haben sie etwas.





