Freitag, 29. Januar 2010

Penfield Music Commission Project Contest

So viele Wörter: So müssen echte Projekte heißen! Und Amerikaner brauchen nicht mal Bindestriche. Jedenfalls mit an Bord als Finalist beim, wie gesagt, Penfield Music Commission Project Contest in der Stadt Penfield im Staate New York ist mein alter Blasorchester-Schlager concerto bavarese (2005), der zuletzt im Juni 2009 vom Nordbayerischen Jugendblasorchester fetzig dargebracht ward. Zig Orchesterstimmen samt Partitur nebst zweisprachigem Glossar der wirrsten deutschsprachigen Spielweisungen gingen als Email über die atlantischen Gewässer, hoffend, dass wie betrunken – nur Mut! im Land, da der Biergenuss erst ab dem 21. Lebensjahr gestattet ist, dem Highschool-Orchester (oder seinen Leitern) kein Unbehagen bereitet.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Uraufführung in Leipzig, 21.01.2010

Morgen um 19.30 Uhr beginnt im Großen Saal der Hochschule für Musik und Theater Leipzig das Konzert Musik & Gegenwart 21, darin an vorletzter Stelle die Uraufführung meiner Kammerensemble-Komposition “morbide Luft” aus der Zeit 2006-2007. Es spielt das Ensemble Musik & Gegenwart (Jill Jeschek, Henriette Störel, Christian Scholtz, Cheng-Hsuan Chien, Wolfgang Fischer, Roland Schneider, Elisene Alzola Garamendi, Olof von Gagern, Thomas Lenders) unter der Leitung von Reinhard Schmiedel.

Samstag, 9. Januar 2010

Darmstadt 2010

Die Planung der diesjährigen Ferienkurse konkretisiert sich. Erste ungünstige Nachricht: Stipendien sind nicht vorgesehen. Das wird ein kostspieliger Spaß. Veröffentlicht ist jetzt die Dozentenliste, und siehe da, lieber Paul: doch, doch, Poppe & Thomalla sind von der Partie! Aber auch Chaya Czernowin, Marc Andre und Brian Ferneyhough. Und Lucas Vis & Fels, Liza Lim, Bernhard Lang. Sogar Stefan Fricke, der mir vor allem aus der Dittrich-Forschung bekannt ist, wird für Research-Kurse zugegen sein. IMD Darmstadt, Teilnehmerinfos

Nachtrag: Schöner Text übrigens, Open Space. Man lasse sich das Meeting- und Coaching-Sprech auf der Zunge zergehen und bewundere die eindrucksvolle Dichte klangvoller Schlagworte:

Grundidee ist die Implementierung eines neuen Formats in die Darmstädter Ferienkurse, das neben den gängigen Lehrmodellen (Lehrende-Studierende, Wissende-Lernende) alternative Prozesse des Wissenstransfers eröffnet, gedacht als komplementäres Element innerhalb des altbewährten Lehrbetriebs. Dieses Format basiert auf Prinzipien wie Selbstorganisation, Selbstmotivation, Peer-to-Peer-Netzwerken, Open-Space-Praktiken, also auf Prinzipien, die der Selbstermächtigung des/der Einzelnen dienen. Es soll dem offenen, ungeregelten Austausch von Wissen dienen, formlose Situationen des Erfahrungs-Transfers schaffen und die Möglichkeit für spontane Aktivitäten bieten. Grundelemente dieses Formats sind frei zugängliche und frei nutzbare Räumlichkeiten, basale technische Ressourcen sowie ein leicht zugängliches und flexibles Kommunikationssystem. Diese realen Ressourcen stehen sämtlichen Partizipanten der…
Wow, toll – das Projekt Schreibwerkstatt geht gleich in medias res. Das nenne ich Praxisorientiertheit und Arbeit an konkreten Beispielen!

Freitag, 8. Januar 2010

Weihnachtsoratorium im Gewandhaus

Und zwar volles Brot, alle Kantaten I-VI, keine halben Sachen, heuer, am ersten Freitag nach Epiphanias, gewissermaßen auf den wirklich allerletzten Drücker. Aber warum nicht, kam ja früh mal wieder, das Weihnachtsfest, das ist so schnell verpasst. Zumal McPaper längst beginnt, Faschingsaccessoires auszulegen. Also eine zweite Chance heute, und gleich in der nicht unanstrengenden, sitzintensiven und zum Einnicken einladenden Komplettfassung. Mal eine Pause nach dem dritten Teil (die kündigte Gewandhauschef Schulze persönlich an), und wohl vor allem zugunsten der Kameraleute, damit die sich mal strecken und die Füße vertreten bzw. fünf Minuten hinsetzen konnten.

Chailly leistete ganze Arbeit, der Abend war ein Genuss. Die Lattke-Brüder sangen frisch, der jüngere gab vom Evangelistenthron neben den Bratschen einen prima Und-was-geschah-danach?-Erzähler, der ältere ließ für die Koloraturen enthusiastisch sein Zwerchfell zappeln. Der Dresdner Kammerchor war mit dem besten Orchesterdirigenten der Stadt gut eingespielt, sang herrlich leicht und dynamisch beweglich, am Pult Nummero eins war mein Lieblingskonzertmeister Breuniger besetzt – und seit den Brandenburgischen, die im Übrigen dieser Tage endlich und Gott sei Dank doch noch bei Decca erscheinen, weiß ich längst, dass im Gewandhaus in Sachen J.S. Bach schon die halbe Miete bezahlt ist, sobald Julian Sommerhalder die Trompete bläst!

Lob des Leipziger Publikums: Völlige Applaussicherheit, das lässt einen entspannen beim Zuhören. Allein, das Gehuste dürfte weniger sein. Ich steh an – Hust! – deiner – Hust! – Krippe… – Hust! – … Das geht einfach nicht! Meine Sitznachbarin, die ich bis heute nicht kannte, muss nun noch mit dem Auto nach Halle zurück. Bei dem Schnee – die Arme! Ob Sie und ihr Gatte es schaffen, sehe ich dann beim nächsten Konzert der Aboserie.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Deutschlandradio Kultur/ Lücker

Gefunden in “MusikTexte. Zeitschrift für Neue Musik” Nr. 123, S. 110:

Der Komponist und Kritiker Arno Lücker
von Johannes Kreidler
2. Februar, 0.05-1.00, DLR Kultur

Sonntag, 3. Januar 2010

Ferneyhough nach Guantanamo?

Man wird nicht herum kommen um Alex Ross, und seine Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts, „The Rest is Noise“, lesen müssen. Im nmz-Blog längst lebhaft diskutiert, lauschte ich heute Martin Ebels Rezension im „Büchermarkt“ vom Deutschlandfunk. Das Fazit: Neue Musik sei gar nicht schlimm, man müsse „nur die ideologische Brille absetzen“, und die sei „vor allem eine deutsche“. Alex Ross räume auf mit den Neurosen und Aggressionen sogenannter „Neue Musik Talibans“ und präsentiere den amerikanischen Weg, den „Dritten Weg“ der Moderne „zwischen Ernster und Unterhaltungsmusik“.

Wie immer auch Alex Ross die Thematik behandelt, der Besprechung jedenfalls folgend stehen inhaltliche Fragen und Kontroversen nicht im Mittelpunkt. Vielmehr geht es um Ideologie und „Verbohrtheit“. Die Bösen, die sich dem Publikum verschlössen, und die Guten, die auch rechts und links vom Wegesrand sich umschauten.

„Alex Ross ist davon überzeugt – und der großen Menge an Belegen und Beispielen kann man sich eigentlich nicht entziehen – dass, bis auf wenige verbohrte Ideologen, die Komponisten der Moderne durchaus ein Publikum ansprechen wollten, ein so großes Publikum wie möglich.“
Arnold Schönberg mag ein grimmiger Mensch gewesen sein. Doch es wollte doch wohl niemand Karlheinz Stockhausen unterstellen, er habe sich nicht an ein Publikum gewendet! Und auch ein Vollblutmusiker wie Pierre Boulez stört sich an vollen Konzertsälen sicher nicht. Was für eine wirre Kategorie: „durchaus ein Publikum ansprechen“ wollen!
„Und populäre Musik? Kann man eine Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts schreiben, ohne ihren populären Stilrichtungen Rechnung zu tragen? Man kann, und man darf. Alex Ross konzentriert sich auf die Musik, die mehr sein will als Unterhaltung.“

Dieser Bitte nach einer Unterscheidung von „U“ und „E“ (welche das immer auch sein soll), folgt eine widersprüchliche Konfusion:

„Außerdem ist populäre Musik durchaus präsent – als ständige Versuchung, als nagender Vorwurf, aber auch als Einflussgeber- und -nehmer. Viele Jazz- und Popmusiker haben eine klassische Ausbildung, manche haben sogar die Zwölftontechnik studiert. Ein Morton Feldman ließ sich von John Coltranes Jazz anregen, die Popgruppe Velvet Underground übernahm Verfahren der Minimal Music, und auch Brian Eno und David Bowie gehörten zu den Fans von John Cage, La Monte Young oder Philip Glass.“

Es folgen Beispiele:

„Die Beatles nutzten im Song Tomorrow never knows einen Effekt, den sie sich von Stockhausen abgeschaut hatten, und in ihrer Tonbandcollage Revolution 9 ist ein Akkord aus Sibelius’ Neunter Sinfonie zu hören. Aron Coplands Fanfare for the Common Man schließlich erscheint in der Stadionhymne We will rock you von Queen. So werden die Übergänge von U und E fließend.“

Wohl kaum veritable Belege für ein Wechselspiel auf Augenhöhe.

„Das musikalische 20. Jahrhundert, so das Fazit nach einer faszinierenden Lektüre, war kein steriles Labor von publikumsfeindlichen Tüftlern. Alex Ross zeichnet es vielmehr als eine gigantische Werkstatt mit vielen Räumen, in denen gesungen und gefiedelt, mit Tonbandschlaufen oder Sinustönen gearbeitet wird, in denen man sich aber auch gegenseitig besucht, zitiert, bekämpft und bestiehlt.“

Ob steriles Labor oder mit Kerzen am Klavier, ob publikumsfeindlich oder allumarmend – inhaltlich in Sachen Musik klärt das gar nichts. Es ist ja schön, dass, positiv überraschend, Komponisten auch sangen, fiedelten, sich besuchten, liebten und hassten. Nur einen Anhaltspunkt von Substanz, der im Kern die Musik betrifft und nicht das auratische Drumherum, brächte das nicht. – Alex Ross anlesen, mein Vorsatz für 2010!

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Todestag und Tabakspfeife in Sachen Anna Magdalena

Neue Musik ohé. Einmal muss es vorbei sein? Eine heitere Anekdote, heute: Ich erhielt die Kompositionsausschreibung eines Leipziger Chors, nicht zu Land, nicht zu Wasser, sondern per Email, darunter die Bitte „um geeignete Veröffentlichung“. Gern. Wie folgt:

Ausschreibung eines Kompositionsauftrgs zu Ehren Anna Magdalena Bachs

Ausgangspunkt: Im Jahr 2010 jährt sich der Todestag von Anna Magdalena Bach zum 250. Mal: Bachs zweite Ehefrau starb am 27. Februar 1760. Sie schenkte ihrem Mann 13 Kinder; Zeitzeugen schilderten sie als kluge, musikalische und talentierte Frau, sie trat als „fürstliche Kammersängerin“ in Köthen in Erscheinung und es ist ihr maßgeblich zu verdanken, dass Bachs „Kunst der Fuge“ der Nachwelt überliefert wurde. Nach dem Tod Bachs erhielt sie von den Stadtvätern nur spärliche finanzielle Unterstützung. Ihre letzten Lebensjahre soll sie in großer Verarmung zugebracht haben.

Der Kompositionsauftrag: Das Vocalconsort Leipzig möchte das 250. Todesjahr zum Anlass nehmen, ihr eine längst überfällige Würdigung zuteil werden zu lassen. Hierfür möchte das Ensemble eine Ausschreibung für die Vergabe eines Kompositionsauftrags vergeben, der sich inhaltlich und musikalisch auf verschiedenen Ebenen der Person Anna Magdalena widmet.

Textgrundlage: Anna Magdalena – Bachs Muse, diese Interpretation der Figur ist zweifellos möglich. Auch heute noch ist der Begriff Muse für Frauen im Umfeld großer Künstler, die mit ihrer Ausstrahlung das künstlerische Schaffen inspirieren, üblich. Textliche Grundlage der Neukomposition soll daher Friedrich Hölderlins „Hymne an die Musen“ sein.

Musikalische Mittel: Die musikalischen Gestaltungsmittel soll der Komponist melodiethematisch aus den Arien und Chorälen des Notenbüchleins für Anna Magdalena Bach, einer Sammlung, die Johann Sebastian gemeinsam mit seiner Frau anlegte, und strukturell der „Kunst der Fuge“ ableiten. Letzteres bietet sich hervorragend an, da somit die Möglichkeit besteht, den ersten und letzten (15.) Vers der Hölderlinschen Hymne als Rahmensätze anzulegen und die Verse zwei bis vierzehn den dreizehn Kompositionsprinzipien der dreizehn Contrapunkte der „Kunst der Fuge“ zuzuweisen.

Besetzung: Die Besetzung des Werkes soll sich sowohl am Leben Anna Magdalena Bachs, sowie den „musentypischen“ Instrumenten orientieren. So könnte es auf folgende Besetzung hinauslaufen:
Sologesang (Attribut der Muse Erato; Anna Magdalenas Beruf)
Chor (Attribut der Muse Terpsichore; Anna Magdalena war am weißenfelsschen Hof als Singjungfer tätig)
Flöte (Attribut der Muse Euterpe)
Laute (Attribut der Muse Kalliope)
Cembalo (das Cembalospiel soll Anna Magdalena hervorragend beherrscht haben)
Sprecher (Rhetorik als Attribut der Muse Kleio)

In besagtem Notenbüchlein „für Anna Magdalena Bach, einer Sammlung, die Johann Sebastian“ (man duzt sich?) „gemeinsam mit seiner Frau anlegte“, findet sich als Nr. 20 ein Loblied aufs Tabakrauchen: „Drum schmauch ich voll Zufriedenheit/ zu Land, zu Wasser und zu Haus/ mein Pfeifchen stets in Andacht aus“. Das könnte der Bringer sein als Ausgangsmaterial für prima choralkantatigmotettigen Singsang im 21. Jahrhundert. Diese Ausschreibung alldieweil ist geeignet, von einem gewissen Blog der neuen musikzeitung besprochen zu werden.

Aber ist das noch ein Ausschreibung? Eher der streng auspräzisierte Auftrag an einen Gebrauchsmusikkomponisten – die Vorstellungen vom Endergebnis jedenfalls sind überdeutlich formuliert. Und die Komponisten werden zu Hölderlin und zur Kunst der Fuge genötigt. (Zumal man munkelt, als hinreichend bearbeitet gölte das Thema Hölderlin seit dem Streichquartett eines gewissen Luigi Nono.) Ein bizarres Projekt. Vor allem in jenem Teil, der über die zu gebrauchenden musikalischen Mitteln doziert und klare Anweisungen gibt, wie das Werk „melodiethematisch“ (sic) und „strukturell“ auszusehen habe. Und die Ausführungen zu den „musentypischen Instrumenten“ und deren Verknüpfungen mit den Musen Kathete, Ankathete und Hypotenuse. Ultrakurios. Da hat der Komponist letztlich nicht mehr viel Geist einzubringen.

Meine Lieblingspassage allerdings bleibt: „Auch heute noch ist der Begriff Muse für Frauen im Umfeld großer Künstler, die mit ihrer Ausstrahlung das künstlerische Schaffen inspirieren, üblich.“ Gender ohé. Einmal muss es vorbei sein. Einmal holt uns die See.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Insbesondere von Frauen, Seniorinnen und Senioren

„…, Lesben und Schwulen, Sorbinnen und Sorben, Migrantinnen und Migranten und Menschen mit Beeinträchtigung“. Ich räume auf und bin im Begriff, auch das Parteiprogramm der in unerhört kapital daher kommender Schreibweise DIE LINKE dem Recycling zuzuführen. Vorher noch einige Anstreichungen aus dem roten Parteiheftchen. An. Dieser. Stelle. Die Partei, was nicht so gemeint es, wie es aussehen mag, also ich meine nicht Die Partei, ebendiese also, um die es hier geht, schreibt sich nämlich mit Punkt am Ende, „DIE PARTEI.“, was ein Händchen für effiziente. Sachlichkeit. Andeuten. Mag. Voll postmoderne Interpunktion, ist zwar hintergestrig, aber in solchem Sinne könnte diese Label-Idee vielleicht programmatisch gedacht gewesen sein.

Die Linke, kennt jeder. Klare Ansage auf Seite 4: „Denn aller Reichtum entsteht nicht“ … – übrigens lese ich dieser weihnachtlichen Tage Sätze, die mit „denn“ beginnen, doppelt gerne, das klingt so nach Luther-Übersetzung – „… aller Reichtum entsteht nicht, weil“ … – man könnte ja in ihrer Anrede der Linken ein Schippchen schlagen und den Parteinamen unverblümt messianisch aufmotzen, z.B. zu DIe LInke, LAfontaine usw. – „…nicht, weil die wenigen, die über ihn verfügen, so viel getan hätten. Er ist vielmehr das Ergebnis der Tätigkeit der vielen, die nur wenig davon haben.“ Viele. Das Stichwort, „ Stadion der Hunderttausend“ usw. Hat man schon mal gehört, die „Partei der sozialen Sicherheit und Gerechtigkeit“, klare Sache.

Dann kommen paar prima Ideen, z.B. das „Seniorenmitwirkungsgesetz“ (man könnte ja mal eine Eingabe machen). Zumal Sachsen „endlich eine moderne Familienpolitik“ brauche. „Zu lange hat die CDU konservative Wertvorstellungen zum Leitbild erhoben, welche an der Lebensrealität der Menschen und an ihren Problemen vorbei geht.“ Bzw. umgekehrt. Egal. Unfreiwillig heiter gerät der Absatz zum Gedenkstättengesetz: In Sachsen dominiere „seit vielen Jahren ein staatlich verordnetes Geschichtsbild in der offiziellen Erinnerungskultur und Geschichtspolitik, die bundesweit einmalig ist.“ Ne, klar, staatlich verordnetes Geschichtsbild, voll doof. Zwei Seiten weiter hingegen schießt das Programm diffus nach vorne: „Wir halten am Ziel fest, Geheimdienste im Freistaat Sachsen abzuschaffen“. Eine weitreichende Forderung nach den Erfahrungen der DDR? Welche Geheimdienste überhaupt? Verfassungsschutz? Die „KOMMUNISTISCHE PLATTFORM DER PARTEI DIE LINKE. (KPF)“ alldieweil würd’s sicher danken. Dann noch die obligatorische Passage gegen den politisch komplementären Flügel: „…konsequent gegen rechte Denkmuster…“, „…gesamtgesellschaftliche Ächtung der extremen Rechten“, „…dagegen kämpfen, dass es rechten Gruppen und ihren oft gewalttätigen Anhängern“, „DIE LINKE. Sachsen wird alle antifaschistischen Projekte … unterstützen“. Yay! Sogar „Antifaschismus“ untergebracht. Aber gab es nicht auch extreme Linke? Kam mir an den 1.-Mai-Tagen immer so vor.

Am 25. April 2009 beschlossen und am 8. Dezember auf dem besten Wege, geschreddert und endlich neu bedruckt zu werden.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Lange Kleider, lange Bärte

Deutschlandfunk zur Frage, wie die Kundus-Opfer zu entschädigen (12.12 Uhr), und im Gespräch mit dem Opferanwalt Karim Popal, wie Taliban-Kämpfer von zivilen Opfern zu unterscheiden seien (12.15 Uhr):

„Die Taliban haben ihre Bekleidung sogar anders, … deren Tracht ist länger als die der Afghanen, sie tragen eine andere Sorte von Turban, die sind in der Regel meistens Mullahs mit langen Bärten. Und wenn man jetzt alle Afghanen, die in Afghanistan so aussehen, mit der Taliban vergleicht – das ist nicht viel.“

Montag, 7. Dezember 2009

Unverfälscht, pur und wahrhaftig

Eine wahrhaftig schöne alternative Überschrift, obgleich schon die benützte reichlich prima ist, wäre auch gewesen: „the extremely heterosexual Nono“, Paul Attinello zitierend (Contemporary Music Review, Vol. 26, No. 1, Feb. 2007, pp. 105-114). Ziemlich cool, diese englische Zitierweise. Bzw. ziemlich bam. Attinello jedenfalls versucht, gemeinsam mit David Osmond-Smith, dessen Berio-/Sinfonia-Analyse ergiebig ist, ernstlich zu ergründen, inwieweit Pierre Boulez’ Sexualität in dessen Werken der späten 1940er-Jahre wiederzufinden sei. Außerdem geht es um Sylvano Busotti, langjähriger Lebenspartner des kürzlich verstorbenen Heinz-Klaus Metzger, der auch mir ein einziges Mal über den Weg gelaufen war, im Frühjahr 2009 nämlich auf den schmalen Gängen des Radialsystem in Berlin während des Ultraschall-Festivals. Über B. & B.: „Both came to prominence at a time remarkable for ist extreme homophobia.“ (117) Insiderinformationen alldieweil: „Although Boulez has always maintained a determined defense of his own privacy, he has acknowledged that his first, vivid outburs of works … were produced immediately subsequent to an intense, violently sexual relationship.“ Zwar sei es einerlei, „how Boulez defined his own erotic needs at the time“. Doch dann folgt ein witziger Absatz zum Boulezschen – jetzt wieder Osmond-Smith – „surrogate for intimacy“: das Klavier. „His Second Piano Sonata rapidly achieved cult status … Its dense, chaotically gestural style seemed to invite a range of iconic associations“, die diesem „imaginary body“ zuzuordnen seien: da sei erstens die Fülle von Eindrücken, Klängen und Gerüchen der modernen Großstadt, einem typischen modernistischen Topos seit Baudelaire. Und zweitens „the unpredictable patterns of a violent and polymorphous sexuality unharnessed from interpretation through the teleology of reproductive function. Anarchic play with the sensory possibilities of the city is thus not merely a public prelude to the private anarchy of sexual play with another body.“ Aaaaaha. Der double eros in der 2. Klaviersonate von Pierre Boulez. Ich werde darüber nachdenken. Auf dem Foto: Pierre und wir im Jahre des Herrn 2008. Boulez voll herzlicher Bereitschaft, uns Zonenkindern (wir hatten ja nichts) für ein hübsches Souvenir dienlich zu sein; das Foto der profanen Urlaubsschnappschusssituation angemessener Weise verwackelt, was nicht an meinem prima Apparat lag, sondern an der Ungeschicklichkeit des Knippsenden.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Septett uraufgeführt

“EnsembleMit viel Elan und Präzision arbeiteten sich die Musiker des „Ensemble Musik & Gegenwart“ durch die Partitur von „Die schreien Salz“ anlässlich deren Uraufführung am Freitag, 20.11.2009 im Großen Saal der Leipziger Musikhochschule. Das Ensemble war als Septett besetzt, bestand aus Studierenden der HMT Leipzig und war durch zwei Gäste ergänzt, Hui-Chun Lin aus Leipzig (Violoncello) und Paul Hübner aus Mainz (Trompete). Wunderbar vom Stapel lief sie, die bald 20 Minuten dauernde Komposition! Dank des intelligenten Engagements der Musiker finden sich allerlei klanglich ganz vorzüglich balancierte Passagen in der Aufnahme, die jetzt online nachgehört werden kann (zwei Mp3-Dateien zu je ca. 12-15 MB Größe).

Dienstag, 24. November 2009

01805er

Man darf wirklich keine Fragen haben, wenn Zug- oder Fluggesellschaften die Details ihrer Angebote online nicht präzise darlegen. Sonst spricht man nämlich per Telefon kurz mit der Lufthansa, regelt Angelegenheiten, die online nicht regelbar sind, mit Airberlin und fragt schließlich noch was nach bei der Bahn. Und zahlt trotz Flatrate am Monatsende 25 Euro extra.

Dienstag, 24. November 2009

Christlich-demokratischer Verein für Privataufführungen

Pro forma sei hingewiesen auf eine neuerliche Aufführung des Solostücks notoriously pyratish (2007) durch den Akkordeonisten der Uraufführung, Luka Juhart. Der kurze Konzertbeitrag findet statt am 25.11. gegen 20 Uhr im Haus der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin, Tiergartenstraße 35, anlässlich der Stipendiatenpräsentation bzw. der Soloschau mit Jörg Bürkle „Farbe und Licht“ des so genannten „EHF“, aus dessen Mitteln ich April bis September wohlwollend gefördert worden war. Dieser Hinweis wie gesagt nur pro forma – denn ohne Einladung kein Einlass. Das Glück von Kunst und Schnittchen, Akkordeon und rotem Wein ist diesmal meinem Bruder. Mal sehen, vielleicht lässt sich ja noch ein dritter Listenplatz ergattern.