Preserving Small Animal Skins

2013 ❚ Sopransaxophon, Posaune, Akkordeon ❚ 11′

Preserving Small Animal Skins (2013) ist ein Werk für Sopransaxophon, Posaune und Akkordeon, geschrieben für und uraufgeführt von Ruth Velten, Florian Juncker und Silke Lange (Ensemble LUX:nm, Berlin). Der Titel entstammt Ernest Thompson Setons „The Book of Woodcraft“ von 1921. Ein Kapitel darin, das den selben Titel trägt, leitet an, wie von Kleintierleichen die Haut abzuziehen sei, um diese anschließend haltbar zu machen:

„Lay the animal on its back, and make an incision along the middle of the belly from just behind the forelegs nearly to the vent. Be careful not to stretch the skin while removing it, and exercise great caution in skinning around the eyes and lids, which are easily cut. Skin as far down on the feet as possible, but leave in the bones of the legs. Remove the bone from the tail by pulling it between the fingers (in the larger species a split stick answers well). Take out the skull, being careful not to cut or injure it in any way, and wash out the brains by means of a syringe or jet of water. Remove the tongue, and cut off the thick flesh from the sides and base of the skull.“

Die Anleitung, die sich an junge Pfadfinder richtet, benennt einzelne Körperteile der Leiche (Augen, Lider, Füße, Beinknochen, Schwanzknochen, Schädel, Gehirn, Zunge) und wie diese zu bearbeiten seien. Der Blick auf die scheinbar makabre Tätigkeit ist sachlich. Das kühle Öffnen und Zerlegen der Leiche steht der Feinheit und Sorgfalt der Eingriffe und dem Bedacht auf den schadlosen Erhalt der Haut gegenüber. Auf das Häuten und Sezieren ist die Musik bezogen. Mit feinen Schnitten und Rissen wird die Klangoberfläche gegriffen, gelöst, gespannt, geteilt. Durch das Ablösen der aufliegenden Textur wird eine subkutan verlaufende klangliche Anatomie freigelegt, ein Skelett klanglicher Sehnenstränge, Beziehungen, Verwachsungen, Gelenkstellen.

Uraufführung: 04.12.2013, Berlin