papier zirkelst blei

2012 ❚ Ensemble ❚ 10′

Komponiert im maximal nasskalten Berliner Frühjahr. Ein Stück für Pierrotbesetzung, mit Bassflöte, Trompete und personell verstärktem Klavier.

Das Material: Rhythmus, Melodik und inhärente Geräuschharmonik einerseits, Perfora-tionsgrade, Timbre andererseits. Die Aufführung: erweitertes Instrumentarium (Reibe-trommeln, Papierbögen, Lotosflöte). Der Flügel wird von zwei Pianisten bedient, das ermöglicht mehrfach geschichtete klangliche Filterungen und Kombinationstechniken (Tasten, Saiten, derer Manipulation, Pedale), durchaus in historischer Tradition des vierhändigen Klavierspiels (mehr Noten, weitere Akkordlagen, komplexere Polyphonie, Musizier-/Performancecharakter). Der Satz: sieben Stimmen, oft als strenge vertikale Satzkonfiguration erscheinend und ebenso häufig zu einem gemeinsamen Ensemblege-stus verschaltet. Zum dramaturgischen Charakter: Diversität; formal essayistisch. Da sind die geschichteten Krachgeräusche, die plötzlich in vagem Flächigem verschwimmen und über die Dauer mehrfach semantisch umgedeutet und syntaktisch angeschoben werden. Mehrere Male bestimmen die Waldteufel den akustischen Eindruck. Derer Ak-kumulation beim Goldenen Schnitt. Dann dasselbe poetisch gewendet, als liedhaft über-steigertes Trompetensolo über avulsividiophonem Akkompagnement. Der Titel „papier zirkelst blei“ nach dem Gedicht „Ich in“ von Mara Genschel (aus: Tonbrand Schlaf. Ge-dichte, Connewitzer Verlagsbuchhandlung: Leipzig 2008, S. 11).

Besetzung: Bfl, Kl(Kbkl), Trp, Pno (2 Spieler), Vn, Vc
Uraufführung: 25.07.2012, Darmstadt, Orangerie
Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, Call for Scores „boost!“
Ensemble MAM. Manufaktur für Aktuelle Musik, Leitung: Sususanne Blumenthal