Die schreien Salz

2008-2009 ❚ Ensemble ❚ 20′

Das Septett Die schreien Salz entstand über den langen Zeitraum November 2008 bis Anfang Juli 2009. Sieben Instrumente, Fagott, Trompete, Posaune, Schlagzeug, Harfe, Violine und Violoncello, realisieren die zweisätzige und fast 20-minütige Musik. Als Solisten oder zu Duos zusammengeschlossen, exponieren sie harmonische Tonräume und expressive Tendenzen, die durch das intermittierende Ensemble anschließend durchgeführt werden. Die Reihenfolge lautet:

I. Satz:

Violine und Violoncello
Fagott
Schlagzeug

II. Satz

Trompete und Posaune
Harfe

Sehr weit gefasst ist das klangliche Repertoire der Instrumente. So hantieren beispielsweise die Blechbläser mit jeweils fünf Dämpfertypen und bewegt sich die Trompete nicht nur im Tonumfang zwischen dem Des der großen Oktave bis weit hoch in den Bereich der dritten, sondern macht sich auch die klangfarbliche Brillanz wechselnder Mundstückpositionen oder halb gedrückter Pumpventile zunutze. Zum Schluss entledigt sich gar die Harfe der angeblichen diatonischen Begrenzung ihrer sieben Saiten je Oktave (die bisher lauteten: D, C, H, E, F, G, A). Ihr folgen endlich die anderen Instrumente. Der sogartige Charakter dieser Coda wird durch leiseste dynamische Stufen konterkariert.

Ungefähr von gleicher Länge sind Satz I und II. Der erste endet heftig und bewegt, der zweite beginnt in langsamstem Tempo (M.M. 31). Die Musik, die genau ausgestaltet und fixiert ist, entwickelt ihren Ausdruckscharakter entlang rhythmischer und vor allem metrischer Spannung. Ihr Titel rekurriert auf ein Gedicht der Berliner Lyrikerin Mara Genschel (geb. 1982), darin es heißt:

„Die schreien Salz, die
schwitzen heisere Schrift:“

(aus: Das Meer in den Lungen, in: Genschel, Mara, Tonbrand Schlaf. Gedichte, Leipzig 2008)

Besetzung: Fg, Trp, Pos, Perc, Hf, Vn, Vc
Uraufführung: 20.11.2009, Hochschule für Musik und Theater Leipzig
(Verleihung der Ehrendoktorwürde an Klaus Huber)
Ensemble Musik & Gegenwart (Fagott: Josephine Chen, Trompete: Paul Hübner, Posaune: Cheng-Hsuan Chien, Harfe: Viktor Hartobanu, Schlagzeug: Wolfgang Fischer, Violine: Samuel Santana, Violoncello: Lin Hui-Chun. Leitung: Reinhard Schmiedel)