Freitag, 8. Januar 2010

Weihnachtsoratorium im Gewandhaus

Und zwar volles Brot, alle Kantaten I-VI, keine halben Sachen, heuer, am ersten Freitag nach Epiphanias, gewissermaßen auf den wirklich allerletzten Drücker. Aber warum nicht, kam ja früh mal wieder, das Weihnachtsfest, das ist so schnell verpasst. Zumal McPaper längst beginnt, Faschingsaccessoires auszulegen. Also eine zweite Chance heute, und gleich in der nicht unanstrengenden, sitzintensiven und zum Einnicken einladenden Komplettfassung. Mal eine Pause nach dem dritten Teil (die kündigte Gewandhauschef Schulze persönlich an), und wohl vor allem zugunsten der Kameraleute, damit die sich mal strecken und die Füße vertreten bzw. fünf Minuten hinsetzen konnten.

Chailly leistete ganze Arbeit, der Abend war ein Genuss. Die Lattke-Brüder sangen frisch, der jüngere gab vom Evangelistenthron neben den Bratschen einen prima Und-was-geschah-danach?-Erzähler, der ältere ließ für die Koloraturen enthusiastisch sein Zwerchfell zappeln. Der Dresdner Kammerchor war mit dem besten Orchesterdirigenten der Stadt gut eingespielt, sang herrlich leicht und dynamisch beweglich, am Pult Nummero eins war mein Lieblingskonzertmeister Breuniger besetzt – und seit den Brandenburgischen, die im Übrigen dieser Tage endlich und Gott sei Dank doch noch bei Decca erscheinen, weiß ich längst, dass im Gewandhaus in Sachen J.S. Bach schon die halbe Miete bezahlt ist, sobald Julian Sommerhalder die Trompete bläst!

Lob des Leipziger Publikums: Völlige Applaussicherheit, das lässt einen entspannen beim Zuhören. Allein, das Gehuste dürfte weniger sein. Ich steh an – Hust! – deiner – Hust! – Krippe… – Hust! – … Das geht einfach nicht! Meine Sitznachbarin, die ich bis heute nicht kannte, muss nun noch mit dem Auto nach Halle zurück. Bei dem Schnee – die Arme! Ob Sie und ihr Gatte es schaffen, sehe ich dann beim nächsten Konzert der Aboserie.

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