Thursday, 5. November 2009

Eros Center Leipzig vs. Klaus Huber

Oder: Die Seele muss vom Reittier steigen

Ein neuerliches terminliches Problem zweier Neue-Musik-Veranstaltung, wie wir es Mitte Oktober schon einmal hatten: Am 20.11. um 19.30 Uhr startet in der Hochschule f?ºr Musik und Theater das Symposiumskonzert Musik & Gegenwart 19 mit Werken von Klaus Huber, Younghi Pagh-Paan, Carlos Hidalgo und – h?ºstel – meiner Wenigkeit. Rektor Ehrlich wird da sein und K.H. den h.c. verleihen. 3 x Huber, dann wir, darunter zwei Urauff?ºhrungen – eigentlich kein schlechter Schnitt f?ºr Leipzig! Aber nun wird mir klar, dass das Bordellkonzert vom FZML, das ich unbedingt hatte besuchen wollen, zeitgleich liegt. Ach, wie dumm gelaufen, mal wieder. Die sieben Hanseln, die sich in der Stadt von Bach und BWM f?ºr moderne Musik interessieren, wird man sich teilen m?ºssen; weil beim FZML neben Musikern aber auch die ‚ÄûT?§nzerinnen von der ‚ÄöLoung am Wasserturm‚Äô‚Äú angek?ºndigt sind, bef?ºrchte ich, zumindest vier der sieben Zuh??rer landen im Puff und nur maximal drei von ihnen bei uns.

Bordellkonzert, 20.11.2009, 19 Uhr und 21.30 Uhr

Wilfried Kr?§tzschmar: Solitude III ‚Äì ¬ªserenade noire¬´ f?ºr Gro?üe Trommel [1982]
Erik Satie: ¬ªTrois po?®mes d‚ÄòAmour¬´ und ¬ªLe Flirt¬´ aus ¬ªSport et divertissements¬´ f?ºr Stimme und Klavier [1914]
Thomas Chr. Heyde: ¬ªWellen vom Untergrund¬´ f?ºr Fagott und Elektronik [2000]
Dirk D‚ÄòAse: ¬ª7 Erotic Songs¬´ f?ºr Mezzosopran und Klavier [1989]
Askell Masson: ¬ªRhythm strip¬´ f?ºr zwei Snare-Drums [1997]
Gottfried von Einem: ¬ªLiederliche Lieder zur Gitarre¬´ f?ºr Stimme und Gitarre [1982]
Kevin Volans: ¬ªShe who sleeps with a small blanket¬´ f?ºr Schlagzeug [1985]
K. Weill/B. Brecht: ¬ªZuh?§lterballade¬´ und ¬ªBallade der sexuellen H??rigkeit¬´ aus der ¬ªDreigroschenoper¬´ f?ºr Stimme und Klavier [1928]

‚ÄûEtwas schl?ºpfrig und unz?ºchtig, aber auch sinnlich, gef?ºhlvoll und vor allem musikalisch durchtrieben wird es in den Hinterzimmern des Eros Center Leipzig beim Bordellkonzert. Z?§hlt doch der Geschlechtstrieb zu den Naturtrieben des Menschen, ist es nicht verwunderlich, dass bereits in der alten Welt (sowohl in Griechenland, Rom und sogar im Mittelalter) Prostitution staatlich organisiert wurde und auch heute noch eine notwendige soziale Institution f?ºr die b?ºrgerliche Gesellschaft darstellt. Unter den aufgef?ºhrten Werken befinden sich liederliche und erotiche Lieder, Balladen ?ºber Zuh?§lterei und Kompositionen, die von sexuellen Praktiken wie beispielsweise dem Striptease handeln und somit musikalischen Bezug zum bespielten Ort nehmen.‚Äú

Tats?§chlich w?ºrde mich sehr interessieren, welchen wom??glich kritischen Bezug das Konzert zum bespielten Ort nehmen k??nnte (in der offiziellen Ank?ºndigung geht es um einen ‚Äûmusikalischen Bezug‚Äú, die Pressemitteilung allerdings, wie sie bei der nmz zu lesen ist, spricht von einem ‚Äûinhaltlich kritischen Bezug‚Äú). Einen kritischen Bezug n?§mlich w?ºrde ich geradezu erwarten. Der Eventcharakter ist ja legitim. Aber den Ortskontext f?ºr Lieder um Sexpraktiken und Zuh?§lterei (hoffentlich nicht verblendet sozialromantisch) schlichtweg als ‚Äûetwas schl?ºpfrig und unz?ºchtig, aber auch sinnlich, gef?ºhlvoll und vor allem musikalisch durchtrieben‚Äú zu beschreiben, w?§re doch allzu blau?§ugig und bald zynisch, bedenkt man die oft menschenunw?ºrdigen Umst?§nde dieses Gesch?§fts. Welche Hure w?ºrde ihren Job als ‚Äûsinnlich‚Äú und ‚Äûgef?ºhlvoll‚Äú charaktisieren, welcher Stricher die Aura seiner Arbeit unbedarft als ‚Äûetwas schl?ºpfrig‚Äú?

Update: Die nmz berichtet.

3 Kommentare:

(Nr. 656) Huflaikhan am 6.11.2009 um 23.25 Uhr:

Da ist was dran. a) geteiltes Publikum ist wirklich bitter. Als ob immer so viel los w?§re. b) fand ich eher komisch den Zusammenhang zwischen Prostitution und staatlicher F??rderung. Und manch vielleicht nahe- oder fernliegender ?úbertragung.

Ansonsten: Herzlichen Gl?ºckwunsch zum Geburtstag. Alles Gute.


(Nr. 657) Stefan Beyer am 7.11.2009 um 03.13 Uhr:

Herzlichen Dank! :-) War ein sch??ner Tag. H??re Korngold mit Bach-Avancen. Achso, Prostitution. Ja, nicht unheikel, das Konzert – man wird’s schaukeln. Bestensfalls ziehen sich f?ºr etwas Geld Menschen aus auf der B?ºhne. Dann w?§re klar bekannt, wie der Laden l?§uft.


(Nr. 658) mehrlicht am 7.11.2009 um 08.58 Uhr:

ich gr?º?üe ebenfalls und gratuliere nachtr?§glich!
Nur eine kleine Bemerkung zu den Konzerten: ich h?§tte etwas Angst (die begr?ºndet sich vor allem aus der Werkliste) – dass man bei diesem Konzert viel zu viele Beziehungen kn?ºpft und einen zu heftigen ?úberbau schafft…


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