Dienstag, 24. November 2009

01805er

Man darf wirklich keine Fragen haben, wenn Zug- oder Fluggesellschaften die Details ihrer Angebote online nicht präzise darlegen. Sonst spricht man nämlich per Telefon kurz mit der Lufthansa, regelt Angelegenheiten, die online nicht regelbar sind, mit Airberlin und fragt schließlich noch was nach bei der Bahn. Und zahlt trotz Flatrate am Monatsende 25 Euro extra.

Dienstag, 24. November 2009

Christlich-demokratischer Verein für Privataufführungen

Pro forma sei hingewiesen auf eine neuerliche Aufführung des Solostücks notoriously pyratish (2007) durch den Akkordeonisten der Uraufführung, Luka Juhart. Der kurze Konzertbeitrag findet statt am 25.11. gegen 20 Uhr im Haus der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin, Tiergartenstraße 35, anlässlich der Stipendiatenpräsentation bzw. der Soloschau mit Jörg Bürkle „Farbe und Licht“ des so genannten „EHF“, aus dessen Mitteln ich April bis September wohlwollend gefördert worden war. Dieser Hinweis wie gesagt nur pro forma – denn ohne Einladung kein Einlass. Das Glück von Kunst und Schnittchen, Akkordeon und rotem Wein ist diesmal meinem Bruder. Mal sehen, vielleicht lässt sich ja noch ein dritter Listenplatz ergattern.

Sonntag, 22. November 2009

„Die Spieltechnik des Fagotts“ im November?

Pascal Gallois, der schnellste Mann am Doppelrohrblatt, kündigt an, schon am 30.11. würde sein erwartetes Fachbuch „Die Spieltechnik des Fagotts“ vom Verlag Bärenreiter in Paris der ?ñffentlichkeit vorgestellt. Zuletzt war die Rede gewesen vom Dezember – nachdem man diverse Veröffentlichungstermine großräumig hatte verstreichen lassen. Das ganze wird nun beworben als „Release“, womit zu hoffen wäre, dass das Handbuch auch in Deutschland möglichst bald in den Läden liegt. 180 Seiten, 2 CDs – die Ankündigung liest sich viel versprechend. Und was sagt Pierre?

„Wir glauben, alles über die Instrumente zu wissen, derer wir uns täglich bedienen. Seit einiger Zeit aber verwenden die Experimentierfreudigsten unter den Instrumentalisten große Mühe darauf, die in ihren Händen liegenden Möglichkeiten auszuweiten. Dies trifft insbesondere auf die Familie der Holzblasinstrumente zu, deren Technik durch den Austausch zwischen Komponisten und Instrumentalisten bereichert wurde. Gewiss hat der Komponist in den überwiegenden Fällen eine Vorstellung von den meisten Instrumenten, beherrscht aber nicht ihre Spieltechnik. Der Dialog erweist sich daher als höchst wichtig, wie in diesem Buch an Pascal Gallois und Luciano Berio zu sehen. Ausgehend von ganz allgemeinen Überlegungen, erforscht der Autor dieser Abhandlung die neuesten Techniken, von Mehrklängen bis zur Zirkularatmung, und systematisiert ihren Gebrauch. Dieses Handbuch wird das dem Komponisten zur Verfügung stehende Potenzial bereichern, ihm ermöglichen, sich vielfältiger und kontrastreicher auszudrücken und zugleich mit seinem Werk an der Entwicklung der Sprache und der Erweiterung des Klangs teilzuhaben.“ (Pierre Boulez)
Update: „Das Buch ist im Druck und in Paris werden Vorabexemplare vorgestellt. Bis es im Handel zu erweben ist, wird es allerdings noch ein wenig dauern. Nach dem jetzigen Stand wird dies aber noch im Dezember sein.“ (Bärenreiter)

Samstag, 14. November 2009

Buhs im Gewandhaus

Kam nicht so gut an heute im Sinfoniekonzert, das „Capriccio“-Sextett hinter der Bühne: Sechs Streicher um Konzertmeister Erben ließen den Saal verdunkeln und die Orchesterstühle unbesetzt, die rechte Tür von der Bühne etwas öffnen – und fidelten aus dem Off. Ungewöhnlich. Zwei Dinge entdeckte ich dabei als erstaunenswert: 1. Warum können die Menschen im Publikum eigentlich nicht für 2 Minuten mucksmäuschen still sitzen, ohne Hüsteln, Tuscheln, Rutschen, Rascheln, Knistern? Doch gar nicht schwierig. 2. Die Gewandhaus-Akustik ist und bleibt großartig. Ändert aber nichts an der Unbeliebtheit der Idee, im Sinfoniekonzert Kammermusik zu machen, und die hinter spaltweit geöffneter Bühnentür: Buhs (Plural!) von den Rängen und im Anschluss noch weniger Applaus, als in der ersten Halbzeit Maestro Norrington ohnehin nur bekommen hatte.

Donnerstag, 12. November 2009

Musik-&-Gegenwart-Symposium 2009

Keinesfalls verpassen: Am Wochenende 20./21. November 2009 treffen sich an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig Vertreter aus Kunst und Wissenschaft. Ein interdisziplinäres Symposium zwischen Medientheorie und Max-Planck-Institut, Lyrik und Leipziger Oper. Außerdem eine Ehrendoktorwürde. Peter Konwitschny, Friedrich Kittler, Klaus Huber… Das komplette Programm „Musik & Gegenwart“ auf der Website der HMT Leipzig.

Donnerstag, 12. November 2009

Nutztiere

Peter Konwitschny inszieniert Richard Strauss’ „Salome“ in Amsterdam. Jochanaan habe eine Papiertüte auf dem Kopf, „unter der er zuvor, wie Thomas Pynchon in seinem Zeichentrickauftritt bei den Simpsons, verzweifelt seine Identität zu schützen versuchte“, schreibt in der FAZ Julia Spinola.

„Den letzten Satz der Oper: ‚ÄöMan töte dieses Weib!’, spricht in Amsterdam nicht der entsetzte Herodes, sondern ein Statist. Er ertönt aus der dritten Parkettreihe des Zuschauerraumes auf Holländisch, wie eine wütende Publikumsreaktion.“
Den Pointenauftritt zum Schluss aus den Publikumsreihen gab es doch schon im Hamburger Konwitschny-Freischütz?
„Alle Perversionen gelernt“, Interview mit P. K. auf Youtube
Konwitschnys „Lohengrin“, ab 30.11.2009 in der Leipziger Oper

Donnerstag, 12. November 2009

Bücherverbrennung

Eigener Drucker, Goldes wert? Wenn die Lasermaschine zu Hause ersteinmal steht, lädt sie zu großen Auflagen ein. Immerhin: das Blatt Papier, das bißchen Toner je Seite A4, da bräuchteste mehrere Rabattkarten auf einmal, damit der Kopierladen des Vertrauens da preislich mithalten könnte. Nur unterschätze man die hohe Kunst des Wenn-ich’s-unten-so-rum-reinlege-wie-kommt-es-oben-dann-wieder-raus? nicht. Außerdem druckt Acrobat grundsätzlich in anderer Sortierung als die Mac-eigene PDF-Vorschau. Zuletzt müsste man zählen können, den Schuh habe ich mir selbst anzuziehen. (Es gibt halt PDF-Dateien mit ungerader Seitenzahl. Tja.) Und da mein ansonsten sehr feiner Brother nicht in der Lage ist, beidseitig zu drucken, kurzum man zu einen Stapel ungerade Seiten, später kopfüber die komplementäre Zählung, gezwungen ist, gilt’s ständig mit Papierstapeln zu Zaubern und Reihenfolge zu halten. Dreimal dachte ich, diesmal hätte ich es im Griff. Und schlafloser Minuten die Entscheidung ergreifend, haufenweise Blätter ordentlich auseinander zu dividieren, stelle ich fest: auch der letzte Druckvorgang entspricht im seitenzahligen Resultat nicht der nützlichen Konvention, dass ein Blatt umseitig und iterierend in Sachen Ziffernmarke zugunsten sinnvoller Inhaltsverzeichnisse stets um die Menge 1 wachse. Zu Deutsch: bald 500 Blatt vernichtet, heute. 80 Gramm aufs Quadratmeter. Dett Jute von Karstadt. Peinlich.

Donnerstag, 5. November 2009

Xmas-H1N1

400 Thomaner leiden an der Schweinegrippe, das Internet wurde bereits dicht gemacht. Tja – was willste machen. Wenn man so was liest, weiß man, dass hier im Waldstraßenviertel, der selbstgewählten sozialen Isolation, dem Suburbia Leipzigs, einfach nichts los ist. Hier wird nichts geschlossen und nach der Schweinegrippe kräht kein Hahn. Umso belebender, den Hauptbahnhof besucht zu haben.

Ein Ort, an dem sich noch Szenen abspielen. Zum Beispiel die, als zwei Herren im Aldi Schankfest spielen und eine Kassendame die Polizeier reinwinkt. Ein Ort also, wo die Exekutive lustig ist („Guten Tag – Bundespolizei“), die Kassiererin im Aldi lustig ist („Könnten Sie bitte diesen Stammtisch auflösen?“), die Trinker im Aldi lustig sind („Grün, die Farbe der Hoffnung!“). Auch ein Ort, aus der rosentaler Zeitlosigkeit heraus zu finden und sich kalendarisch neu zu orientieren. Wo kennt man die Lehre von Jahreszeiten und Festtagen besser als in den „Promenaden“ im Leipziger Hauptbahnhof. Von der Westseite das Gebäude betretend bot schon der allererste Blick ein Panorama, das mich zeitlich zu verorten half: Ein leuchtendes Schild, das auf schwarzem Grund Fledermäuse vor Vollmond und eine Hexe zeigt, informiert, in den Promenaden würde „leckeres Gebäck“ verkauft von 26.10. bis 01.11. anlässlich der beiden regional entscheidenden Festtage: Halloween und Reformationstag. Schräg hinter dieser Leuchtanzeige derweil schon regenmantelartig verhüllte mannsgroße Kegel in gefährlicher Häufung lauerten: Weihnachtsbäume. Von Nahem sogar an der Unterkante der Überstülper Weihnachtskugeln zeigend.

Und da komme ich ins Grübeln, ob die kalendarische Totalverfügbarkeit der „Promenaden“ dem Zeitstillstand des Waldstraßenviertels, wo morgens wie abends, mittwochs wie sonntags eine Mischstimmung von Feierabend und Berufstätigkeit über Straßen und Park liegt, vorzuziehen ist.

Donnerstag, 5. November 2009

Eros Center Leipzig vs. Klaus Huber

Oder: Die Seele muss vom Reittier steigen

Ein neuerliches terminliches Problem zweier Neue-Musik-Veranstaltung, wie wir es Mitte Oktober schon einmal hatten: Am 20.11. um 19.30 Uhr startet in der Hochschule für Musik und Theater das Symposiumskonzert Musik & Gegenwart 19 mit Werken von Klaus Huber, Younghi Pagh-Paan, Carlos Hidalgo und – hüstel – meiner Wenigkeit. Rektor Ehrlich wird da sein und K.H. den h.c. verleihen. 3 x Huber, dann wir, darunter zwei Uraufführungen – eigentlich kein schlechter Schnitt für Leipzig! Aber nun wird mir klar, dass das Bordellkonzert vom FZML, das ich unbedingt hatte besuchen wollen, zeitgleich liegt. Ach, wie dumm gelaufen, mal wieder. Die sieben Hanseln, die sich in der Stadt von Bach und BWM für moderne Musik interessieren, wird man sich teilen müssen; weil beim FZML neben Musikern aber auch die „Tänzerinnen von der ‚ÄöLoung am Wasserturm’“ angekündigt sind, befürchte ich, zumindest vier der sieben Zuhörer landen im Puff und nur maximal drei von ihnen bei uns.

Bordellkonzert, 20.11.2009, 19 Uhr und 21.30 Uhr

Wilfried Krätzschmar: Solitude III – »serenade noire« für Große Trommel [1982]
Erik Satie: »Trois po?®mes d‚ÄòAmour« und »Le Flirt« aus »Sport et divertissements« für Stimme und Klavier [1914]
Thomas Chr. Heyde: »Wellen vom Untergrund« für Fagott und Elektronik [2000]
Dirk D‚ÄòAse: »7 Erotic Songs« für Mezzosopran und Klavier [1989]
Askell Masson: »Rhythm strip« für zwei Snare-Drums [1997]
Gottfried von Einem: »Liederliche Lieder zur Gitarre« für Stimme und Gitarre [1982]
Kevin Volans: »She who sleeps with a small blanket« für Schlagzeug [1985]
K. Weill/B. Brecht: »Zuhälterballade« und »Ballade der sexuellen Hörigkeit« aus der »Dreigroschenoper« für Stimme und Klavier [1928]

„Etwas schlüpfrig und unzüchtig, aber auch sinnlich, gefühlvoll und vor allem musikalisch durchtrieben wird es in den Hinterzimmern des Eros Center Leipzig beim Bordellkonzert. Zählt doch der Geschlechtstrieb zu den Naturtrieben des Menschen, ist es nicht verwunderlich, dass bereits in der alten Welt (sowohl in Griechenland, Rom und sogar im Mittelalter) Prostitution staatlich organisiert wurde und auch heute noch eine notwendige soziale Institution für die bürgerliche Gesellschaft darstellt. Unter den aufgeführten Werken befinden sich liederliche und erotiche Lieder, Balladen über Zuhälterei und Kompositionen, die von sexuellen Praktiken wie beispielsweise dem Striptease handeln und somit musikalischen Bezug zum bespielten Ort nehmen.“

Tatsächlich würde mich sehr interessieren, welchen womöglich kritischen Bezug das Konzert zum bespielten Ort nehmen könnte (in der offiziellen Ankündigung geht es um einen „musikalischen Bezug“, die Pressemitteilung allerdings, wie sie bei der nmz zu lesen ist, spricht von einem „inhaltlich kritischen Bezug“). Einen kritischen Bezug nämlich würde ich geradezu erwarten. Der Eventcharakter ist ja legitim. Aber den Ortskontext für Lieder um Sexpraktiken und Zuhälterei (hoffentlich nicht verblendet sozialromantisch) schlichtweg als „etwas schlüpfrig und unzüchtig, aber auch sinnlich, gefühlvoll und vor allem musikalisch durchtrieben“ zu beschreiben, wäre doch allzu blauäugig und bald zynisch, bedenkt man die oft menschenunwürdigen Umstände dieses Geschäfts. Welche Hure würde ihren Job als „sinnlich“ und „gefühlvoll“ charaktisieren, welcher Stricher die Aura seiner Arbeit unbedarft als „etwas schlüpfrig“?

Update: Die nmz berichtet.