Freitag, 23. Oktober 2009

Musiktage in Donaueschingen 2009

Am Montag kehrten wir heim vom schlaflosen einwöchigen Donaueschingen- bzw. Villingen- bzw. Trossingen-Aufenthalt. Neue Musik ist eine gute Sache! Umso lieber hätte ich in diesem Jahr in Donaueschingen mehr davon gehabt. Was andernorts geschrieben wird, trage ich heute zusammen.

„Wie beim alten Wandelkonzert um 1970“

Max Nyffeler nennt auf seiner Website Beckmesser.de Mathias Spahlingers 4-stündige Orchester-Performance „ziemlich retrospektiv“.

„Mit seiner offenen Form serviert es ein kulinarisches Hörangebot à la carte, was die Verbindlichkeit des Komponierten erheblich relativiert. Spahlinger, einer der letzten Kämpen auf dem Feld der adornitischen Moderne, liefert damit ein hübsches Beispiel von postmoderner Beliebigkeit.“

Zweifel auch an Manos Tsangaris’ Musiktheater „Basheba. Eat the history!“, das „in der Umsetzung nicht immer zu fesseln vermochte“.

„Das monströse Thema wurde durch die Zerlegung in festivalkompatible Häppchen und die inszenatorische Statik im Grunde genommen verschenkt. Ob die Kreierung des neuen Trendbegriffs Installation Opera den Mangel an musikdramatischer Überzeugungskraft wettmacht, muss der Komponist mit sich selbst ausmachen. … Liegt das viel zitierte Problem namens Orchester vielleicht doch gar nicht so sehr am Orchester selbst, sondern eher an den häufig untauglichen Versuchen, es auf irgendeine Weise umzufunktionieren? Letzteres, das muss man zugeben, ist gerade im praktischen Scheitern für den schnelllebig gewordenen, auf saisonale Sensationen anspringenden Fachdiskurs allemal attraktiver als die mühselige Auseinandersetzung mit musikalischen Detailfragen in einer Partitur mit Langzeitwirkung.“

„Sich etwas zu trinken holen“

Jörn Florian Fuchs besuchte die Musiktage für Deutschlandradio Kultur und fragt sich, was es mit Tsangaris’ Stoffverquickung von Bibel und Internetchat auf sich habe.

„Leider bleibt Tsangaris die Antwort schuldig, vielmehr geht es ihm um meist intime Raumsituationen, bei denen eine kleine Zuschauergruppe sich um Musiker, Akteure, Sänger herumbewegt und ihnen beim Performen zusieht. … Auf einem Steg drapiert spielen abwechselnd Sänger und Schauspieler unter die Haut gehend. Die restlichen Räume sind ziemlich belanglos, eine Frau räkelt sich auf einem Bett, es wird geflüstert, hübsch herausgeputzte Klänge untermalen das Ganze.“
Dass sich Fuchs testweise aktiv ins Geschehen mischte, ist eine erhellende Anekdote:
„Übrigens wurde auch der Berichterstatter selbst für kurze Zeit zum Mitspieler, da man ihn einfach vergaß und an sehr düsterem Ort zurückließ. Also fasste er sich ein Herz, stellte sich in die Mitte und verwirrte das neu hereinströmende Publikum mittels minimalistischen Gesten und strengen Blicken. Diese Extrafigur fiel offenbar weder den zahlreichen Helfern mit ihren Taschenlampen noch den Musikern auf…“

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