Samstag, 10. Oktober 2009

Kapitalistischer Alltagsbetrieb und inhumane Verwertungslogik

Meine Lieblingswörter für heute Abend. Der 9. Oktober ist vorüber, wir haben alle ausgeschlafen. Wer zum Nachklang noch etwas fesche Agitationsrhetorik möchte, der lese sich wund bei „Anti-DE-2009“. Ein feiner kürzeliger Name für eine Website. DE steht für Deutschland, 2009 fürs Jahr, und das Anti, tja, das Anti ist in manchen Denkschulen eben unvermeidbar. Man demonstrierte heute in Leipzig, wie das ausging, habe ich noch nicht erfahren, man wird die LVZ online befragen müssen. Der Umzug hieß in properem US-Sprech: „Still not lovin’ Germany“ und formulierte zum Einschwingen den passigen Samstagnachmittag-Dreisatz: „Die Revolution – ein Mythos/ Die Freiheit – eine Farce/ Deutschland – eine Zumutung“.

„Ein Dorn im Auge“

„Rassistische Stimmung“ sei heute in Deutschland „gesamtgesellschaftlicher Konsens“, sich ausdrückend in der „rassistisch-populistischen Rhetorik der Politik“. Welche Personen und Parteien damit auch immer gemeint sein mögen. Vielleicht einfach – alle? Denn „menschenverachtende Ideologien wie Rassismus und Antisemitismus“, weiß der Blog zu berichten, würden „von der Mehrheit der Deutschen getragen“. Sie seien „Teil des geläuterten deutschen Nationalgefühls.“

Und obgleich die Autoren kritisieren, dass Nationalsozialismus und DDR als zwei Diktaturen auf eine Stufe gestellt würden, lassen sie es sich nicht nehmen, DDR-Unrecht als Zwar festzustellen, um dann aber eine „umfassende Überwachung … heute im wiedervereinigten Deutschland“ als einschränkendes Jedoch folgen zu lassen. Steiler Vergleich. Für den suchen die Autoren offenbar nach Worten, um dem Überfluss an Staatssicherheit und der Ermangelung von Reise-, Meinungs-, Pressefreiheit und Zitronen den rechten Ausdruck zu verleihen. … – Und das liest und erschöpft sich in einem Sätzchen dann so: „Die staatliche Überwachung, Gängelung und Repression mag vielen DDR-Bürgerlnnen ein Dorn im Auge gewesen sein.“

Mag gewesen sein. Gewiss. Rassismus und Populismus „der Politik“ scheinen eine Tatsache zu sein, Unzufriedenheit der DDR-Bevölkerung mit der Diktatur hingegen gölte es erst noch nachzuweisen. Und wenn der so sein sollte, spräche man vom Dorn im Auge. Aber genug davon. In der Kritik steht ja das Post-Wende-Deutschland und seine farcierten Freiheiten. So ärgert man sich über den Gang der Dinge („Euer Jubel nervt!“) und fürchtet die „Rehabilitierung Deutschlands“. Das sind mal Sorgen. Wenn was nervt, dann solche Antifa-Koketterie.

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