Samstag, 31. Oktober 2009

Perché?

Wäre der Figaro nicht so eine Bühnensau, hätten Spaß- und Spannungsbogen schon deutlich vor Abschluss des ersten Akts ihr Ende gehabt. Im zweiten war dann nichts mehr zu retten. – Wiederaufnahme in der Oper Leipzig von Rossinis „Barbier“. So heiter das Bienchen- und Blümchen-Setting von Claus Guth zu Anfang auch wirkt, so wenig trägt es von allein, wenn die Leute auf der Bühne nicht anständig geführt und choreographiert werden. So nahm sich von Beginn an das Spektakel ziemlich klamaukig aus, und Klamauk ist mitnichten gleich lustig. Der Schluss der Oper hatte dann sogar gar keinen Witz mehr, mit biederen Gesten bestätigte das Bühnengeschehen den biederen Humor des Stücks. (Was im Übrigen überhaupt nicht geht, sind Choristen in Anzügen und Leute auf der Bühne, die ins Publikum zeigen.)

Und wer zeichnet verantwortlich für die Übertitelmaschine? Da war kein Durchsteigen mehr, nach welchen Kriterien mit oder ohne Apostroph Wörter zusammengezogen oder Buchstaben getilgt wurden, mal hieß es „ich hör’“, mal „ich schwörs“, mal „hinter’s“. Skeptisch fragen durfte man angesichts der gerne verdreifachten bzw. dramatisch kumulierend vermischten Frage- und Ausrufezeichen, wie überzeugt die Macher selbst denn waren mit ihrem Bühnengeschehen. Man möchte meinen, wenn die Szene ein dramatisches „???“ nicht vermitteln kann, dann ist die Übertitelprojektion „!!!“ oder auch „!?!“ keine brauchbare Notlösung mehr. Gar keine Erklärung gibt es wohl für schriftmäßige Verquarkungen wie „HAHAHAHAHA“ oder „seeeeeeeeehr“ (beides sinngemäß zitiert).

Samstag, 31. Oktober 2009

Jazz, Jazz, Jazz

Das Symposiumskonzert Musik & Gegenwart 19 erscheint im aktuellen Jazzkalender Leipzig 11/2009 als Veranstaltungstipp. Adäquater Schmuck ist auf der Vorderseite des Flyers zu sehen, ein Notenausschnitt in Negativbelichtung nämlich aus dem Beyerschen Septett (s.u.).

Freitag_20. November Hochschule für Musik und Theater Großer Saal 19.30 Uhr Symposiumskonzert Musik & Gegenwart 19

Wenige Tage vor dessen 85. Geburtstag verleiht die HMT Felix Mendelssohn Bartholdy Leipzig dem Schweizer Komponisten Klaus Huber die Ehrendoktorwürde. „Einer der faszinierendsten Komponisten der Gegenwart“, feierte ihn kürzlich Die ZEIT (21/2009). Im Februar hatte ihm die Ernst von Siemens Musikstiftung den Siemens Musikpreis zuerkannt, den „Nobelpreis der Musik“ (Tagesspiegel). Aus diesem Anlaß steht Klaus Hubers Kammerkonzert Intarsi (1994) für Klavier und 17 Instrumentalisten im Mittelpunkt des Konzerts. Neben zwei weiteren Werken des Kompositionslehrers, zu dessen Schülern u.a. Wolfgang Rihm zählte, erklingen eine Komposition seiner Lebenspartnerin Younghi Pagh-Paan sowie zwei Uraufführungen der jungen Leipziger Komponisten Carlos Hidalgo (*1973), Evohe für 7 Stimmen, und Stefan Beyer (*1981), Die schreien Salz für Kammerensemble. Unter der Leitung von Reinhard Schmiedel spielen Ayano Shimada (Klavier), Sarah Gruber (Flöte), Matthias Suter (Schlagzeug) und weitere Studierende der Hochschule.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Photograph of Jesus

Das Filmfestival DOK Leipzig ist in vollem Gange. Was Kurzfilmer mit dem Material der Getty-Archive anstellten, sahen wir gestern im Astoria in der Animationswettbewerb-Reihe, und ist auch bei Youtube wiederzufinden:
Und da war auch der niedliche “Western Spaghetti”-Kurz-Kurzfilm, der durch geschickte Stop-Motion-Technik eine Kochszene mit Alltags- aber nicht Kochgegenständen zeigt:

Dienstag, 27. Oktober 2009

Darmstadt reloaded

Schon immer fragte ich mich: wieso so unansehnlich, Darmstadt-Website? Heute die Überraschung: das IMD in neuem Gewand. Mit Flash, mit Rotor, mit News und Retro-Typo. Internationales Musikinstitut Darmstadt

Update: Hoffnungen machen darf man sich auch, was die Inhalt der Kurse angeht:

“Grundelemente dieses Formats sind frei zugängliche und frei nutzbare Räumlichkeiten, basale technische Ressourcen sowie ein leicht zugängliches und flexibles Kommunikationssystem. Diese realen Ressourcen stehen sämtlichen Partizipanten der Darmstädter Ferienkurse (Lehrenden, Ausführenden, Studierenden) für die spontane Realisierung eigener Aktivitäten des Wissenstransfers zur Verfügung. Jede(r) Teilnehmende kann sich diese Räume temporär aneignen, Vorträge, Kurse, Workshops, Präsentationen, Diskussionen, Konzerte, Performances etc. organisieren. Sämtliche Aktivitäten werden mittels eines zentralen Kommunikationstools öffentlich zugänglich gemacht. Die Organisation dieser Aktivitäten (inklusive des Publikums) ist ganz den Initiatoren überlassen.”
Das schien 2008 restriktiver geordnet gewesen zu sein. Neu ist auch die “Schreibwerkstatt”. Obgleich es für das, worum es in “Darmstadt” gehen mag, befremdlich pädagogisierend wirken darf, wenn per Kurs und workshophalber gelernt werden soll, wie das mit den wissenschaftlichen Aufsätzen geht, scheint es alldieweil an neuen organisatorischen Ideen dem Musikinstitut nicht zu fehlen.
“Der Gedanke dieses Formats ist aus der Analyse einer wenig befriedigenden Situation über den aktuellen Stand des Schreibens über Musik im Allgemeinen, über Neue Musik im Besonderen entstanden. Auch wenn die Möglichkeiten für junge AutorInnen durch die Streichung von Ressourcen zunehmend begrenzt werden, entspricht doch die Situation, sich als freie/r Autor/in im Markt zu etablieren, der Lebenswirklichkeit. Auf den Hochschulen und Universitäten werden die Studierenden jedoch kaum auf diese Lebenswirklichkeit vorbereitet. Ziel dieses Projekts ist die Vermittlung basaler Arbeitstechniken (Konzertkritik, Hörfunkfeature, Aufbereitung von O-Tönen, Schneiden einer Sendung, Buchrezension, Beitrag für eine Fachzeitschrift bzw. für eine Wochenzeitung etc.) einerseits sowie die praktische Arbeit – heißt: Anwendung der Techniken – andererseits.”
Update 2: Aus der Website meine ich die Namen zweier Dozenten der kommenden Kurse ablesen zu können: Hans Thomalla und Enno Poppe.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Wunderliche, struppige alte Männer

Unter Donaueschingen-Besuchern bereits ein Klassiker: Sebastian Pantels Musiktage-Bericht für den Südkurier.

„In der Warteschlange begegnen sich wunderliche, struppige alte Männer und Musikstudenten, die irgendwann auch mal so aussehen werden. Sie diskutieren über die Häppchen und über Diskontinuität, das Mistwetter und die Problematik des Gattungsbegriffs Oper. Wie außerirdische Teilnehmer eines Fachkongresses wirken sie, die es durch Zufall kurz auf die Erde verschlagen hat. Liebenswert, aber rätselhaft.“

Freitag, 23. Oktober 2009

Biotische Materialdominanz

Prof.Dr.B.H.J.Eichler, wie er sich sparsamsten Schriftsatzes selbst nennt auf seiner Website, Fachmann der „Vergleichsanalytischen Instrumentenforschung“, treibt die „Problematik des Verhältnisses von Musikinstrument und Geschlechtlichkeit“ um. Ein entsprechendes Thema wäre zum Beispiel die Maultrommel, die „immer wieder mit Geschlechter-Rollenbelegung verbunden“ sei: Das Instrument selbst könne „von seiner Form und seiner Konstruktion her, leicht als Symbol der Vereinigung von weiblichem und männlichem Geschlechtsorgan interpretiert werden.“ Weil der Autor sich so interessiert für „Musikinstrument und Sexualität“, beschäftigt er sich – mit dem Banjo, genauer gesagt dem „Spezialfall Five String Banjo“. Die Ohren gespitzt:

„Da das Banjo aber ein so bemerkenswertes Beispiel für ein kulturell und traditionell zwar bereits fest etabliertes, aber trotzdem noch in besonderer Weise entwicklungsoffenes Musikinstrument ist, welches gerade hinsichtlich bestimmter entwicklungsoffener Aspekte auch mit dem Spannungsfeld von Geschlechtlichkeit in besonderer Berührung steht, kann es somit auch ein hochinteressanter Modellfall für weitere Untersuchungen und künftige wissenschaftliche Aufmerksamkeiten hinsichtlich des Verhältnisses von Musikinstrument und Sexualität sein.“

Freitag, 23. Oktober 2009

Musiktage in Donaueschingen 2009

Am Montag kehrten wir heim vom schlaflosen einwöchigen Donaueschingen- bzw. Villingen- bzw. Trossingen-Aufenthalt. Neue Musik ist eine gute Sache! Umso lieber hätte ich in diesem Jahr in Donaueschingen mehr davon gehabt. Was andernorts geschrieben wird, trage ich heute zusammen.

„Wie beim alten Wandelkonzert um 1970“

Max Nyffeler nennt auf seiner Website Beckmesser.de Mathias Spahlingers 4-stündige Orchester-Performance „ziemlich retrospektiv“.

„Mit seiner offenen Form serviert es ein kulinarisches Hörangebot à la carte, was die Verbindlichkeit des Komponierten erheblich relativiert. Spahlinger, einer der letzten Kämpen auf dem Feld der adornitischen Moderne, liefert damit ein hübsches Beispiel von postmoderner Beliebigkeit.“

Zweifel auch an Manos Tsangaris’ Musiktheater „Basheba. Eat the history!“, das „in der Umsetzung nicht immer zu fesseln vermochte“.

„Das monströse Thema wurde durch die Zerlegung in festivalkompatible Häppchen und die inszenatorische Statik im Grunde genommen verschenkt. Ob die Kreierung des neuen Trendbegriffs Installation Opera den Mangel an musikdramatischer Überzeugungskraft wettmacht, muss der Komponist mit sich selbst ausmachen. … Liegt das viel zitierte Problem namens Orchester vielleicht doch gar nicht so sehr am Orchester selbst, sondern eher an den häufig untauglichen Versuchen, es auf irgendeine Weise umzufunktionieren? Letzteres, das muss man zugeben, ist gerade im praktischen Scheitern für den schnelllebig gewordenen, auf saisonale Sensationen anspringenden Fachdiskurs allemal attraktiver als die mühselige Auseinandersetzung mit musikalischen Detailfragen in einer Partitur mit Langzeitwirkung.“

„Sich etwas zu trinken holen“

Jörn Florian Fuchs besuchte die Musiktage für Deutschlandradio Kultur und fragt sich, was es mit Tsangaris’ Stoffverquickung von Bibel und Internetchat auf sich habe.

„Leider bleibt Tsangaris die Antwort schuldig, vielmehr geht es ihm um meist intime Raumsituationen, bei denen eine kleine Zuschauergruppe sich um Musiker, Akteure, Sänger herumbewegt und ihnen beim Performen zusieht. … Auf einem Steg drapiert spielen abwechselnd Sänger und Schauspieler unter die Haut gehend. Die restlichen Räume sind ziemlich belanglos, eine Frau räkelt sich auf einem Bett, es wird geflüstert, hübsch herausgeputzte Klänge untermalen das Ganze.“
Dass sich Fuchs testweise aktiv ins Geschehen mischte, ist eine erhellende Anekdote:
„Übrigens wurde auch der Berichterstatter selbst für kurze Zeit zum Mitspieler, da man ihn einfach vergaß und an sehr düsterem Ort zurückließ. Also fasste er sich ein Herz, stellte sich in die Mitte und verwirrte das neu hereinströmende Publikum mittels minimalistischen Gesten und strengen Blicken. Diese Extrafigur fiel offenbar weder den zahlreichen Helfern mit ihren Taschenlampen noch den Musikern auf…“

Samstag, 10. Oktober 2009

Kapitalistischer Alltagsbetrieb und inhumane Verwertungslogik

Meine Lieblingswörter für heute Abend. Der 9. Oktober ist vorüber, wir haben alle ausgeschlafen. Wer zum Nachklang noch etwas fesche Agitationsrhetorik möchte, der lese sich wund bei „Anti-DE-2009“. Ein feiner kürzeliger Name für eine Website. DE steht für Deutschland, 2009 fürs Jahr, und das Anti, tja, das Anti ist in manchen Denkschulen eben unvermeidbar. Man demonstrierte heute in Leipzig, wie das ausging, habe ich noch nicht erfahren, man wird die LVZ online befragen müssen. Der Umzug hieß in properem US-Sprech: „Still not lovin’ Germany“ und formulierte zum Einschwingen den passigen Samstagnachmittag-Dreisatz: „Die Revolution – ein Mythos/ Die Freiheit – eine Farce/ Deutschland – eine Zumutung“.

„Ein Dorn im Auge“

„Rassistische Stimmung“ sei heute in Deutschland „gesamtgesellschaftlicher Konsens“, sich ausdrückend in der „rassistisch-populistischen Rhetorik der Politik“. Welche Personen und Parteien damit auch immer gemeint sein mögen. Vielleicht einfach – alle? Denn „menschenverachtende Ideologien wie Rassismus und Antisemitismus“, weiß der Blog zu berichten, würden „von der Mehrheit der Deutschen getragen“. Sie seien „Teil des geläuterten deutschen Nationalgefühls.“

Und obgleich die Autoren kritisieren, dass Nationalsozialismus und DDR als zwei Diktaturen auf eine Stufe gestellt würden, lassen sie es sich nicht nehmen, DDR-Unrecht als Zwar festzustellen, um dann aber eine „umfassende Überwachung … heute im wiedervereinigten Deutschland“ als einschränkendes Jedoch folgen zu lassen. Steiler Vergleich. Für den suchen die Autoren offenbar nach Worten, um dem Überfluss an Staatssicherheit und der Ermangelung von Reise-, Meinungs-, Pressefreiheit und Zitronen den rechten Ausdruck zu verleihen. … – Und das liest und erschöpft sich in einem Sätzchen dann so: „Die staatliche Überwachung, Gängelung und Repression mag vielen DDR-Bürgerlnnen ein Dorn im Auge gewesen sein.“

Mag gewesen sein. Gewiss. Rassismus und Populismus „der Politik“ scheinen eine Tatsache zu sein, Unzufriedenheit der DDR-Bevölkerung mit der Diktatur hingegen gölte es erst noch nachzuweisen. Und wenn der so sein sollte, spräche man vom Dorn im Auge. Aber genug davon. In der Kritik steht ja das Post-Wende-Deutschland und seine farcierten Freiheiten. So ärgert man sich über den Gang der Dinge („Euer Jubel nervt!“) und fürchtet die „Rehabilitierung Deutschlands“. Das sind mal Sorgen. Wenn was nervt, dann solche Antifa-Koketterie.

Freitag, 9. Oktober 2009

Genscher begrüßt Friedensnobelpreis an Obama

Sagte er jedenfalls am Nachmittag in Hörsaal 9: Es sei eine gute Sache, dass der Preis an jemanden ginge, der noch in der Arbeit stecke, und nicht aus seinen Wirkungsmöglichkeiten längst ausgeschieden ist. Im Übrigen möge man sich in Europa seines Skeptizismus entledigen: Anstatt immer kritisch zu schauen, ob Obama alles gelänge, gälte es, selbst aktiv zu werden, bei der Umsetzung dessen guter Vorhaben mitzuhelfen. Applaus.

Freitag, 9. Oktober 2009

LVZ kongenial

Am Augustusplatz startete heute alles, das heißt, nein, alles startete – genau, wie vor 20 Jahren – in der Nikolaikirche. Aber das wäre zu weit ausgeholt. Wir starteten also am Augustusplatz. Ab 17.30 Uhr ließen die Leipziger Verkehrsbetriebe in der City keine Trams und Busse mehr fahren, um 18 Uhr, war plakatiert worden, begönne das sogenannte Leipziger Lichtfest zum Gedenken der Montagsdemo vom 9. Oktober 1989. Letztlich begann der historische Gang der Massen über den Innenstadtring erst um 19 Uhr. Doch bereits eine Stunde vorher stand man auf dem ehemaligen Karl-Marx-Platz eng an eng, und keine Kerze war mehr zu kriegen. Nach mal netten (Genscher), unbeholfenen (OB Jung) oder seichten Worten (Moderator), hieß es dann, durch die Nacht zu ziehen, ein tolles Erlebnis. Lichtinstallationen schmückten Gebäude und Straßen. Und gleich eine der ersten brachte, auf drei beieinander stehende Hochhäuser zwischen Hauptpost und Hauptbahnhof zugleich projiziert, historische rabiate Zeitungskommentare (zweifelsohne als gewöhnlicher Pressebericht gemeint gewesen) der hiesigen Sozialistenjournaille vom historischen Tag des 9.10.1989 – d.h. natürlich zum Zeitpunkt vor den entscheidenden Demonstrationen des einstigen späteren Tagesverlaufs –, die da heißt: LVZ. Göttlich!

Bevor wir Zigtausende uns also aufmachten, um die Häuser zu ziehen, gab’s viel Rumstehen und Erwartungsstimmung – und einen Event-Moderator mit Morgenmagazinsprech. Auf Leinwand. Und eine, wie ich jetzt weiß, sogenannte Twitterwall der – na? – LVZ, der Volkszeitung, der Leipziger: Man twittert, schreibt jeweils dahinter „#lf2009“, was steht für: Lichtfest (so hieß die Veranstaltung). Dann bringt die LVZ den Text auf diversen Riesen-LED-Bildschirmen am Augustusplatz und am Hauptbahnhof zum Leuchten, super platziert, für alle zu lesen. Eher private als staatstragende Nachrichten präsentierten sich da den Massen (willkommen, Demokratie): „ H.d.l. Mausi, dein Bärli #lf2009“ oder „ SABINE ICH LIEBE DICH #lf2009“. Oder sogar krude Sprüche wie: „ Ein Volk, ein Land, ein Lichterfest! #lf2009“, denen nicht klar abzugewinnen war, ob sie dumm waren oder kritisch gemeint; in noch martialischerer Variante war auch zu lesen: „Ein Volk, ein Land, ein Lichtermarsch ! #lf2009“.

Kalter Füße mein erster Gedanke: DAS kann ich mir nicht entgehen lassen! – Und ich schreibe per Nokia: „augustusplatz: was für eine gurke von moderator! #lf2009“

Und während noch einige Zeit sich OB Jung im Pastorenton ohne Erfolg versucht, beobachte ich lange den Bildschirm. Und es wird deutlich: Staatszelebrationen sind ungestört zu vollziehen, dafür sorgt die LVZ. Der „Lichtermarsch“ durchläuft noch weitere Zyklen, dann geht’s in neue Nachrichten-Runden. Mein „Moderator“ bleibt auf der „Twitterwall“ außen vor.

Zwei kongeniale Lichtinstallationen.

Freitag, 9. Oktober 2009

Die Demonstrationen dauern an

„Die Stadt Leipzig ist völlig für Journalisten gesperrt“: Zum Tagesausklang nach dem Leipziger Lichtfest #lf2009 empfehle ich Tagesschau vor 20 Jahren – der 9. Oktober 1989.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Steffen Schleiermacher/ Spinnerei V Leipzig

Drei interessante Veranstaltungen mit neuer Musik in Leipzig: 1) Die musica-nova-Reihe im Gewandhaus widmet sich am 14.10. den (DDR-)Komponisten Friedrich Goldmann, Georg Katzer, Reiner Bredemeyer und Friedrich Schenker. 2) Il comandante Riccardo Chailly dirigiert am 15., 16. und 17.10. im Gewandhaus eine Schleiermacher-Uraufführung für Sinfonieorchester (jenes Werk mit dem poetischen Titel “Das Singen der leuchtenden Kristalle”). 3) Der Musik Projekt Sachsen e.V. bringt bei seinem zweijährlich stattfindenden Spinnerei-Festival (Ausgabe V) am 16.-18.10. (neue) Musik von Luciano Berio, Stefan Lienenkämper, Steffen Reinhold et al.

Ungünstig an diesen drei Veranstaltungen ist, dass vom 16.-18.10. in Donaueschingen die gleichnamigen Musiktage stattfinden, samt Studentenprogramm gar vom 14.-20. dauernd. Eine beachtliche Schar Leipziger Studenten, Komponisten und Musikwissenschaftler, pflegt jährlich dorthin zu dackeln. Und bleiben dem besagten hiesigen Angebot dadurch zwangsläufig fern. (Die Leipziger Studenten gelten im SWR-eigenen Förderprogramm “Next Generation” traditionell gar regional anteilig als die personell stärkste Besuchergruppe.) Schlecht terminiert!

Samstag, 3. Oktober 2009

Lesen!

Das letzte Wochenende vor dem neuen Wintersemester: Vor ziemlich genau einem Jahr startete ich in mein letztes Semester der Fächer Schulmusik und Geschichte, die Ersten Staatsprüfungen absolvierend. Nunmehr studiere ich Musik im Aufbaustudiengang. Aber beim Aufräumen fand ich drei Notizzettelchen, auf denen ich 2008 bei der Lektüre einschlägiger Lehrbücher zur Pädagogischen Psychologie eine Sammlung der heitersten Fachbegriffe anstellte. Staatsexamen – nur eine Worthülse. Hier folgt, was sich hinter ihr verbirgt:

Devianzneigung, Individuation/individuiert, arretieren, Alkoholabusus, psychopathologische Belastungen, Delegation, Parentifizierung, Triangulation, Sanatoriumsfamilie, delay of gratification, Ort der Verursachung, multiplex unitas, probabilistisch, „dem Denken eine Chance“ (Arnheim 1974), „illusion of knowing“, parasoziale Interaktion, Sozialisationsagent, Sozialkapital, Generativität, soziale Konformität, Erziehungsstil-Forschung, permessives Verhalten, internalisieren, degradation ceremony, Kernfamilie, vice versa, Dirigismus, überzufällig, Resilienz, Objektpermanenz, konfliktär, persuaive Kompetenzen, Individualisierung, Enttraditionalisierung, Verunsicherung durch raschen sozialen Wandel, mangelnde Responsivität, Stressor/Stressoren, Kausalrichtung, Bedürfnis nach Autonomieerleben, Schein-, Rand-, Zentral-, Extremkonflikt, Devianzeffekt, Labelingtheorie