Saturday, 31. October 2009

Perch?©?

W?§re der Figaro nicht so eine B?ºhnensau, h?§tten Spa?ü- und Spannungsbogen schon deutlich vor Abschluss des ersten Akts ihr Ende gehabt. Im zweiten war dann nichts mehr zu retten. ‚Äì Wiederaufnahme in der Oper Leipzig von Rossinis ‚ÄûBarbier‚Äú. So heiter das Bienchen- und Bl?ºmchen-Setting von Claus Guth zu Anfang auch wirkt, so wenig tr?§gt es von allein, wenn die Leute auf der B?ºhne nicht anst?§ndig gef?ºhrt und choreographiert werden. So nahm sich von Beginn an das Spektakel ziemlich klamaukig aus, und Klamauk ist mitnichten gleich lustig. Der Schluss der Oper hatte dann sogar gar keinen Witz mehr, mit biederen Gesten best?§tigte das B?ºhnengeschehen den biederen Humor des St?ºcks. (Was im ?úbrigen ?ºberhaupt nicht geht, sind Choristen in Anz?ºgen und Leute auf der B?ºhne, die ins Publikum zeigen.)

Und wer zeichnet verantwortlich f?ºr die ?úbertitelmaschine? Da war kein Durchsteigen mehr, nach welchen Kriterien mit oder ohne Apostroph W??rter zusammengezogen oder Buchstaben getilgt wurden, mal hie?ü es ‚Äûich h??r‚Äô‚Äú, mal ‚Äûich schw??rs‚Äú, mal ‚Äûhinter‚Äôs‚Äú. Skeptisch fragen durfte man angesichts der gerne verdreifachten bzw. dramatisch kumulierend vermischten Frage- und Ausrufezeichen, wie ?ºberzeugt die Macher selbst denn waren mit ihrem B?ºhnengeschehen. Man m??chte meinen, wenn die Szene ein dramatisches ‚Äû???‚Äú nicht vermitteln kann, dann ist die ?úbertitelprojektion ‚Äû!!!‚Äú oder auch ‚Äû!?!‚Äú keine brauchbare Notl??sung mehr. Gar keine Erkl?§rung gibt es wohl f?ºr schriftm?§?üige Verquarkungen wie ‚ÄûHAHAHAHAHA‚Äú oder ‚Äûseeeeeeeeehr‚Äú (beides sinngem?§?ü zitiert).

Saturday, 31. October 2009

Jazz, Jazz, Jazz

Das Symposiumskonzert Musik & Gegenwart 19 erscheint im aktuellen Jazzkalender Leipzig 11/2009 als Veranstaltungstipp. Ad?§quater Schmuck ist auf der Vorderseite des Flyers zu sehen, ein Notenausschnitt in Negativbelichtung n?§mlich aus dem Beyerschen Septett (s.u.).

Freitag_20. November Hochschule fuÃàr Musik und Theater Gro?üer Saal 19.30 Uhr Symposiumskonzert Musik & Gegenwart 19

Wenige Tage vor dessen 85. Geburtstag verleiht die HMT Felix Mendelssohn Bartholdy Leipzig dem Schweizer Komponisten Klaus Huber die EhrendoktorwuÃàrde. ‚ÄûEiner der faszinierendsten Komponisten der Gegenwart‚Äú, feierte ihn kuÃàrzlich Die ZEIT (21/2009). Im Februar hatte ihm die Ernst von Siemens Musikstiftung den Siemens Musikpreis zuerkannt, den ‚ÄûNobelpreis der Musik‚Äú (Tagesspiegel). Aus diesem Anla?ü steht Klaus Hubers Kammerkonzert Intarsi (1994) fuÃàr Klavier und 17 Instrumentalisten im Mittelpunkt des Konzerts. Neben zwei weiteren Werken des Kompositionslehrers, zu dessen SchuÃàlern u.a. Wolfgang Rihm zaÃàhlte, erklingen eine Komposition seiner Lebenspartnerin Younghi Pagh-Paan sowie zwei UrauffuÃàhrungen der jungen Leipziger Komponisten Carlos Hidalgo (*1973), Evohe fuÃàr 7 Stimmen, und Stefan Beyer (*1981), Die schreien Salz fuÃàr Kammerensemble. Unter der Leitung von Reinhard Schmiedel spielen Ayano Shimada (Klavier), Sarah Gruber (FloÃàte), Matthias Suter (Schlagzeug) und weitere Studierende der Hochschule.

Thursday, 29. October 2009

Photograph of Jesus

Das Filmfestival DOK Leipzig ist in vollem Gange. Was Kurzfilmer mit dem Material der Getty-Archive anstellten, sahen wir gestern im Astoria in der Animationswettbewerb-Reihe, und ist auch bei Youtube wiederzufinden:
Und da war auch der niedliche “Western Spaghetti”-Kurz-Kurzfilm, der durch geschickte Stop-Motion-Technik eine Kochszene mit Alltags- aber nicht Kochgegenst?§nden zeigt:

Tuesday, 27. October 2009

Darmstadt reloaded

Schon immer fragte ich mich: wieso so unansehnlich, Darmstadt-Website? Heute die ?úberraschung: das IMD in neuem Gewand. Mit Flash, mit Rotor, mit News und Retro-Typo. Internationales Musikinstitut Darmstadt

Update: Hoffnungen machen darf man sich auch, was die Inhalt der Kurse angeht:

“Grundelemente dieses Formats sind frei zug?§ngliche und frei nutzbare R?§umlichkeiten, basale technische Ressourcen sowie ein leicht zug?§ngliches und flexibles Kommunikationssystem. Diese realen Ressourcen stehen s?§mtlichen Partizipanten der Darmst?§dter Ferienkurse (Lehrenden, Ausf?ºhrenden, Studierenden) f?ºr die spontane Realisierung eigener Aktivit?§ten des Wissenstransfers zur Verf?ºgung. Jede(r) Teilnehmende kann sich diese R?§ume tempor?§r aneignen, Vortr?§ge, Kurse, Workshops, Pr?§sentationen, Diskussionen, Konzerte, Performances etc. organisieren. S?§mtliche Aktivit?§ten werden mittels eines zentralen Kommunikationstools ??ffentlich zug?§nglich gemacht. Die Organisation dieser Aktivit?§ten (inklusive des Publikums) ist ganz den Initiatoren ?ºberlassen.”
Das schien 2008 restriktiver geordnet gewesen zu sein. Neu ist auch die “Schreibwerkstatt”. Obgleich es f?ºr das, worum es in “Darmstadt” gehen mag, befremdlich p?§dagogisierend wirken darf, wenn per Kurs und workshophalber gelernt werden soll, wie das mit den wissenschaftlichen Aufs?§tzen geht, scheint es alldieweil an neuen organisatorischen Ideen dem Musikinstitut nicht zu fehlen.
“Der Gedanke dieses Formats ist aus der Analyse einer wenig befriedigenden Situation ?ºber den aktuellen Stand des Schreibens ?ºber Musik im Allgemeinen, ?ºber Neue Musik im Besonderen entstanden. Auch wenn die M??glichkeiten f?ºr junge AutorInnen durch die Streichung von Ressourcen zunehmend begrenzt werden, entspricht doch die Situation, sich als freie/r Autor/in im Markt zu etablieren, der Lebenswirklichkeit. Auf den Hochschulen und Universit?§ten werden die Studierenden jedoch kaum auf diese Lebenswirklichkeit vorbereitet. Ziel dieses Projekts ist die Vermittlung basaler Arbeitstechniken (Konzertkritik, H??rfunkfeature, Aufbereitung von O-T??nen, Schneiden einer Sendung, Buchrezension, Beitrag f?ºr eine Fachzeitschrift bzw. f?ºr eine Wochenzeitung etc.) einerseits sowie die praktische Arbeit ‚Äì hei?üt: Anwendung der Techniken ‚Äì andererseits.”
Update 2: Aus der Website meine ich die Namen zweier Dozenten der kommenden Kurse ablesen zu k??nnen: Hans Thomalla und Enno Poppe.

Sunday, 25. October 2009

Wunderliche, struppige alte M?§nner

Unter Donaueschingen-Besuchern bereits ein Klassiker: Sebastian Pantels Musiktage-Bericht f?ºr den S?ºdkurier.

‚ÄûIn der Warteschlange begegnen sich wunderliche, struppige alte M?§nner und Musikstudenten, die irgendwann auch mal so aussehen werden. Sie diskutieren ?ºber die H?§ppchen und ?ºber Diskontinuit?§t, das Mistwetter und die Problematik des Gattungsbegriffs Oper. Wie au?üerirdische Teilnehmer eines Fachkongresses wirken sie, die es durch Zufall kurz auf die Erde verschlagen hat. Liebenswert, aber r?§tselhaft.‚Äú

Friday, 23. October 2009

Biotische Materialdominanz

Prof.Dr.B.H.J.Eichler, wie er sich sparsamsten Schriftsatzes selbst nennt auf seiner Website, Fachmann der ‚ÄûVergleichsanalytischen Instrumentenforschung‚Äú, treibt die ‚ÄûProblematik des Verh?§ltnisses von Musikinstrument und Geschlechtlichkeit‚Äú um. Ein entsprechendes Thema w?§re zum Beispiel die Maultrommel, die ‚Äûimmer wieder mit Geschlechter-Rollenbelegung verbunden‚Äú sei: Das Instrument selbst k??nne ‚Äûvon seiner Form und seiner Konstruktion her, leicht als Symbol der Vereinigung von weiblichem und m?§nnlichem Geschlechtsorgan interpretiert werden.‚Äú Weil der Autor sich so interessiert f?ºr ‚ÄûMusikinstrument und Sexualit?§t‚Äú, besch?§ftigt er sich ‚Äì mit dem Banjo, genauer gesagt dem ‚ÄûSpezialfall Five String Banjo‚Äú. Die Ohren gespitzt:

‚ÄûDa das Banjo aber ein so bemerkenswertes Beispiel f?ºr ein kulturell und traditionell zwar bereits fest etabliertes, aber trotzdem noch in besonderer Weise entwicklungsoffenes Musikinstrument ist, welches gerade hinsichtlich bestimmter entwicklungsoffener Aspekte auch mit dem Spannungsfeld von Geschlechtlichkeit in besonderer Ber?ºhrung steht, kann es somit auch ein hochinteressanter Modellfall f?ºr weitere Untersuchungen und k?ºnftige wissenschaftliche Aufmerksamkeiten hinsichtlich des Verh?§ltnisses von Musikinstrument und Sexualit?§t sein.‚Äú

Friday, 23. October 2009

Musiktage in Donaueschingen 2009

Am Montag kehrten wir heim vom schlaflosen einw??chigen Donaueschingen- bzw. Villingen- bzw. Trossingen-Aufenthalt. Neue Musik ist eine gute Sache! Umso lieber h?§tte ich in diesem Jahr in Donaueschingen mehr davon gehabt. Was andernorts geschrieben wird, trage ich heute zusammen.

„Wie beim alten Wandelkonzert um 1970“

Max Nyffeler nennt auf seiner Website Beckmesser.de Mathias Spahlingers 4-st?ºndige Orchester-Performance ‚Äûziemlich retrospektiv‚Äú.

‚ÄûMit seiner offenen Form serviert es ein kulinarisches H??rangebot ?† la carte, was die Verbindlichkeit des Komponierten erheblich relativiert. Spahlinger, einer der letzten K?§mpen auf dem Feld der adornitischen Moderne, liefert damit ein h?ºbsches Beispiel von postmoderner Beliebigkeit.‚Äú

Zweifel auch an Manos Tsangaris’ Musiktheater „Basheba. Eat the history!“, das „in der Umsetzung nicht immer zu fesseln vermochte“.

‚ÄûDas monstr??se Thema wurde durch die Zerlegung in festivalkompatible H?§ppchen und die inszenatorische Statik im Grunde genommen verschenkt. Ob die Kreierung des neuen Trendbegriffs Installation Opera den Mangel an musikdramatischer ?úberzeugungskraft wettmacht, muss der Komponist mit sich selbst ausmachen. … Liegt das viel zitierte Problem namens Orchester vielleicht doch gar nicht so sehr am Orchester selbst, sondern eher an den h?§ufig untauglichen Versuchen, es auf irgendeine Weise umzufunktionieren? Letzteres, das muss man zugeben, ist gerade im praktischen Scheitern f?ºr den schnelllebig gewordenen, auf saisonale Sensationen anspringenden Fachdiskurs allemal attraktiver als die m?ºhselige Auseinandersetzung mit musikalischen Detailfragen in einer Partitur mit Langzeitwirkung.‚Äú

„Sich etwas zu trinken holen“

J??rn Florian Fuchs besuchte die Musiktage f?ºr Deutschlandradio Kultur und fragt sich, was es mit Tsangaris‚Äô Stoffverquickung von Bibel und Internetchat auf sich habe.

‚ÄûLeider bleibt Tsangaris die Antwort schuldig, vielmehr geht es ihm um meist intime Raumsituationen, bei denen eine kleine Zuschauergruppe sich um Musiker, Akteure, S?§nger herumbewegt und ihnen beim Performen zusieht. … Auf einem Steg drapiert spielen abwechselnd S?§nger und Schauspieler unter die Haut gehend. Die restlichen R?§ume sind ziemlich belanglos, eine Frau r?§kelt sich auf einem Bett, es wird gefl?ºstert, h?ºbsch herausgeputzte Kl?§nge untermalen das Ganze.‚Äú
Dass sich Fuchs testweise aktiv ins Geschehen mischte, ist eine erhellende Anekdote:
‚Äû?úbrigens wurde auch der Berichterstatter selbst f?ºr kurze Zeit zum Mitspieler, da man ihn einfach verga?ü und an sehr d?ºsterem Ort zur?ºcklie?ü. Also fasste er sich ein Herz, stellte sich in die Mitte und verwirrte das neu hereinstr??mende Publikum mittels minimalistischen Gesten und strengen Blicken. Diese Extrafigur fiel offenbar weder den zahlreichen Helfern mit ihren Taschenlampen noch den Musikern auf‚Ķ‚Äú

Saturday, 10. October 2009

Kapitalistischer Alltagsbetrieb und inhumane Verwertungslogik

Meine Lieblingsw??rter f?ºr heute Abend. Der 9. Oktober ist vor?ºber, wir haben alle ausgeschlafen. Wer zum Nachklang noch etwas fesche Agitationsrhetorik m??chte, der lese sich wund bei ‚ÄûAnti-DE-2009‚Äú. Ein feiner k?ºrzeliger Name f?ºr eine Website. DE steht f?ºr Deutschland, 2009 f?ºrs Jahr, und das Anti, tja, das Anti ist in manchen Denkschulen eben unvermeidbar. Man demonstrierte heute in Leipzig, wie das ausging, habe ich noch nicht erfahren, man wird die LVZ online befragen m?ºssen. Der Umzug hie?ü in properem US-Sprech: ‚ÄûStill not lovin‚Äô Germany‚Äú und formulierte zum Einschwingen den passigen Samstagnachmittag-Dreisatz: ‚ÄûDie Revolution ‚Äì ein Mythos/ Die Freiheit ‚Äì eine Farce/ Deutschland ‚Äì eine Zumutung‚Äú.

„Ein Dorn im Auge“

‚ÄûRassistische Stimmung‚Äú sei heute in Deutschland ‚Äûgesamtgesellschaftlicher Konsens‚Äú, sich ausdr?ºckend in der ‚Äûrassistisch-populistischen Rhetorik der Politik‚Äú. Welche Personen und Parteien damit auch immer gemeint sein m??gen. Vielleicht einfach – alle? Denn ‚Äûmenschenverachtende Ideologien wie Rassismus und Antisemitismus‚Äú, wei?ü der Blog zu berichten, w?ºrden ‚Äûvon der Mehrheit der Deutschen getragen‚Äú. Sie seien ‚ÄûTeil des gel?§uterten deutschen Nationalgef?ºhls.‚Äú

Und obgleich die Autoren kritisieren, dass Nationalsozialismus und DDR als zwei Diktaturen auf eine Stufe gestellt w?ºrden, lassen sie es sich nicht nehmen, DDR-Unrecht als Zwar festzustellen, um dann aber eine ‚Äûumfassende ?úberwachung … heute im wiedervereinigten Deutschland‚Äú als einschr?§nkendes Jedoch folgen zu lassen. Steiler Vergleich. F?ºr den suchen die Autoren offenbar nach Worten, um dem ?úberfluss an Staatssicherheit und der Ermangelung von Reise-, Meinungs-, Pressefreiheit und Zitronen den rechten Ausdruck zu verleihen. … ‚Äì Und das liest und ersch??pft sich in einem S?§tzchen dann so: ‚ÄûDie staatliche ?úberwachung, G?§ngelung und Repression mag vielen DDR-B?ºrgerlnnen ein Dorn im Auge gewesen sein.‚Äú

Mag gewesen sein. Gewiss. Rassismus und Populismus ‚Äûder Politik‚Äú scheinen eine Tatsache zu sein, Unzufriedenheit der DDR-Bev??lkerung mit der Diktatur hingegen g??lte es erst noch nachzuweisen. Und wenn der so sein sollte, spr?§che man vom Dorn im Auge. Aber genug davon. In der Kritik steht ja das Post-Wende-Deutschland und seine farcierten Freiheiten. So ?§rgert man sich ?ºber den Gang der Dinge (‚ÄûEuer Jubel nervt!‚Äú) und f?ºrchtet die ‚ÄûRehabilitierung Deutschlands‚Äú. Das sind mal Sorgen. Wenn was nervt, dann solche Antifa-Koketterie.

Friday, 9. October 2009

Genscher begr?º?üt Friedensnobelpreis an Obama

Sagte er jedenfalls am Nachmittag in H??rsaal 9: Es sei eine gute Sache, dass der Preis an jemanden ginge, der noch in der Arbeit stecke, und nicht aus seinen Wirkungsm??glichkeiten l?§ngst ausgeschieden ist. Im ?úbrigen m??ge man sich in Europa seines Skeptizismus entledigen: Anstatt immer kritisch zu schauen, ob Obama alles gel?§nge, g?§lte es, selbst aktiv zu werden, bei der Umsetzung dessen guter Vorhaben mitzuhelfen. Applaus.

Friday, 9. October 2009

LVZ kongenial

Am Augustusplatz startete heute alles, das hei?üt, nein, alles startete ‚Äì genau, wie vor 20 Jahren ‚Äì in der Nikolaikirche. Aber das w?§re zu weit ausgeholt. Wir starteten also am Augustusplatz. Ab 17.30 Uhr lie?üen die Leipziger Verkehrsbetriebe in der City keine Trams und Busse mehr fahren, um 18 Uhr, war plakatiert worden, beg??nne das sogenannte Leipziger Lichtfest zum Gedenken der Montagsdemo vom 9. Oktober 1989. Letztlich begann der historische Gang der Massen ?ºber den Innenstadtring erst um 19 Uhr. Doch bereits eine Stunde vorher stand man auf dem ehemaligen Karl-Marx-Platz eng an eng, und keine Kerze war mehr zu kriegen. Nach mal netten (Genscher), unbeholfenen (OB Jung) oder seichten Worten (Moderator), hie?ü es dann, durch die Nacht zu ziehen, ein tolles Erlebnis. Lichtinstallationen schm?ºckten Geb?§ude und Stra?üen. Und gleich eine der ersten brachte, auf drei beieinander stehende Hochh?§user zwischen Hauptpost und Hauptbahnhof zugleich projiziert, historische rabiate Zeitungskommentare (zweifelsohne als gew??hnlicher Pressebericht gemeint gewesen) der hiesigen Sozialistenjournaille vom historischen Tag des 9.10.1989 ‚Äì d.h. nat?ºrlich zum Zeitpunkt vor den entscheidenden Demonstrationen des einstigen sp?§teren Tagesverlaufs ‚Äì, die da hei?üt: LVZ. G??ttlich!

Bevor wir Zigtausende uns also aufmachten, um die H?§user zu ziehen, gab‚Äôs viel Rumstehen und Erwartungsstimmung ‚Äì und einen Event-Moderator mit Morgenmagazinsprech. Auf Leinwand. Und eine, wie ich jetzt wei?ü, sogenannte Twitterwall der ‚Äì na? ‚Äì LVZ, der Volkszeitung, der Leipziger: Man twittert, schreibt jeweils dahinter ‚Äû#lf2009‚Äú, was steht f?ºr: Lichtfest (so hie?ü die Veranstaltung). Dann bringt die LVZ den Text auf diversen Riesen-LED-Bildschirmen am Augustusplatz und am Hauptbahnhof zum Leuchten, super platziert, f?ºr alle zu lesen. Eher private als staatstragende Nachrichten pr?§sentierten sich da den Massen (willkommen, Demokratie): ‚Äû H.d.l. Mausi, dein B?§rli #lf2009‚Äú oder ‚Äû SABINE ICH LIEBE DICH #lf2009‚Äú. Oder sogar krude Spr?ºche wie: ‚Äû Ein Volk, ein Land, ein Lichterfest! #lf2009‚Äú, denen nicht klar abzugewinnen war, ob sie dumm waren oder kritisch gemeint; in noch martialischerer Variante war auch zu lesen: ‚ÄûEin Volk, ein Land, ein Lichtermarsch ! #lf2009‚Äú.

Kalter F?º?üe mein erster Gedanke: DAS kann ich mir nicht entgehen lassen! ‚Äì Und ich schreibe per Nokia: ‚Äûaugustusplatz: was f?ºr eine gurke von moderator! #lf2009‚Äú

Und w?§hrend noch einige Zeit sich OB Jung im Pastorenton ohne Erfolg versucht, beobachte ich lange den Bildschirm. Und es wird deutlich: Staatszelebrationen sind ungest??rt zu vollziehen, daf?ºr sorgt die LVZ. Der ‚ÄûLichtermarsch‚Äú durchl?§uft noch weitere Zyklen, dann geht‚Äôs in neue Nachrichten-Runden. Mein ‚ÄûModerator‚Äú bleibt auf der ‚ÄûTwitterwall‚Äú au?üen vor.

Zwei kongeniale Lichtinstallationen.

Friday, 9. October 2009

Die Demonstrationen dauern an

‚ÄûDie Stadt Leipzig ist v??llig f?ºr Journalisten gesperrt‚Äú: Zum Tagesausklang nach dem Leipziger Lichtfest #lf2009 empfehle ich Tagesschau vor 20 Jahren – der 9. Oktober 1989.

Tuesday, 6. October 2009

Steffen Schleiermacher/ Spinnerei V Leipzig

Drei interessante Veranstaltungen mit neuer Musik in Leipzig: 1) Die musica-nova-Reihe im Gewandhaus widmet sich am 14.10. den (DDR-)Komponisten Friedrich Goldmann, Georg Katzer, Reiner Bredemeyer und Friedrich Schenker. 2) Il comandante Riccardo Chailly dirigiert am 15., 16. und 17.10. im Gewandhaus eine Schleiermacher-Urauff?ºhrung f?ºr Sinfonieorchester (jenes Werk mit dem poetischen Titel “Das Singen der leuchtenden Kristalle”). 3) Der Musik Projekt Sachsen e.V. bringt bei seinem zweij?§hrlich stattfindenden Spinnerei-Festival (Ausgabe V) am 16.-18.10. (neue) Musik von Luciano Berio, Stefan Lienenk?§mper, Steffen Reinhold et al.

Ung?ºnstig an diesen drei Veranstaltungen ist, dass vom 16.-18.10. in Donaueschingen die gleichnamigen Musiktage stattfinden, samt Studentenprogramm gar vom 14.-20. dauernd. Eine beachtliche Schar Leipziger Studenten, Komponisten und Musikwissenschaftler, pflegt j?§hrlich dorthin zu dackeln. Und bleiben dem besagten hiesigen Angebot dadurch zwangsl?§ufig fern. (Die Leipziger Studenten gelten im SWR-eigenen F??rderprogramm “Next Generation” traditionell gar regional anteilig als die personell st?§rkste Besuchergruppe.) Schlecht terminiert!

Saturday, 3. October 2009

Lesen!

Das letzte Wochenende vor dem neuen Wintersemester: Vor ziemlich genau einem Jahr startete ich in mein letztes Semester der F?§cher Schulmusik und Geschichte, die Ersten Staatspr?ºfungen absolvierend. Nunmehr studiere ich Musik im Aufbaustudiengang. Aber beim Aufr?§umen fand ich drei Notizzettelchen, auf denen ich 2008 bei der Lekt?ºre einschl?§giger Lehrb?ºcher zur P?§dagogischen Psychologie eine Sammlung der heitersten Fachbegriffe anstellte. Staatsexamen ‚Äì nur eine Worth?ºlse. Hier folgt, was sich hinter ihr verbirgt:

Devianzneigung, Individuation/individuiert, arretieren, Alkoholabusus, psychopathologische Belastungen, Delegation, Parentifizierung, Triangulation, Sanatoriumsfamilie, delay of gratification, Ort der Verursachung, multiplex unitas, probabilistisch, ‚Äûdem Denken eine Chance‚Äú (Arnheim 1974), ‚Äûillusion of knowing‚Äú, parasoziale Interaktion, Sozialisationsagent, Sozialkapital, Generativit?§t, soziale Konformit?§t, Erziehungsstil-Forschung, permessives Verhalten, internalisieren, degradation ceremony, Kernfamilie, vice versa, Dirigismus, ?ºberzuf?§llig, Resilienz, Objektpermanenz, konflikt?§r, persuaive Kompetenzen, Individualisierung, Enttraditionalisierung, Verunsicherung durch raschen sozialen Wandel, mangelnde Responsivit?§t, Stressor/Stressoren, Kausalrichtung, Bed?ºrfnis nach Autonomieerleben, Schein-, Rand-, Zentral-, Extremkonflikt, Devianzeffekt, Labelingtheorie