66,1% Wahlbeteiligung
“…Jeder, der uns zuschaut…” – Guido Westerwelle schaut schelmisch in der Elefantenrunde, lächelt und lehnt sich im Sessel zurück. Er schaut in die Kamera allzudämlich wie Dieter Hallervorden. Wer wählte nur diesen?
Die Leipziger sind nicht gerade die Oberdemokraten. 66 Prozent, kaum zwei Drittel, ging zur Wahl. Peinlicher Haufen. Mitten in der Stadt. Und wenn sie wählen, dann CDU oder die Linke.
In Berlin sitzt bei der ARD Westerwelle in Schuljungenpose in der Runde und fällt auf wie zuvor durch Formeln, durch Situationsrhetorik, durch gespielte Vernünftigkeit. Nichts zur Sache, nichts vom Koppe her. Er bleibt von den Liberalen. Den Schwund kann man ihm schon kaum mehr verdenken – wahrscheinlich deformiert die lange Zeit in der Opposition. Westerwelle gibt sich staatsmännisch belehrend: “die Deutschen haben sich ja für eine schwarz-gelbe Mehrheit eingesetzt.” Er sagt:
“Deswegen bedanke ich mich bei unseren Bürgerinnen und Bürgern, unserem Volk” oder verdeutlicht: “Bei allem Respekt vor Frau Merkel, sie verschenkt keine Stimmen, sie verschenkt keine Wähler. Sondern die Bürgerinnen und Bürger schenken sie uns” oder ergeht sich in sachfernen Höflichkeitsattitüden: “Wenn Sie mir erlauben, einen kleinen Augenblick dazu zu sagen [sic]: Bei allem Respekt, und ich habe ja auch viel Verständnis dafür, dass die Lage nicht einfach ist…” oder erläutert: “…sondern nur die Bürgerrinnen und Bürger, so einfach ist das in der Demokratie” oder zickt: “… aber bitte respektieren Sie die Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger” oder pathetisiert: “…aber die Wähler haben’s gewollt, das muss man so zur Kenntnis nehmen” oder märchenonkelt: “Wir beide kennen uns ja noch aus Zeiten, wo wir noch gemeinsam in der Opposition gesessen sind” (Relativischer Anschluss? Gesessen sind oder gesessen haben?) oder gibt sich obervernünftig: “Ich habe Ihre Frage beantwortet und wenn Sie, äääh, bitte so freundlich wären, meine Reden auch vorzutragen” oder dummüberhöht sich: “…ich verstehe das journalistische interesse…” Und wenn man Außenguido unterbrochen wird sagt er “… wenn Sie mir nur die Gelegenheit geben würden…” oder quäkt: “Die Deutschen haben diese Koalition beendet, Herr Steinmeier, die Deutschen haben…” oder vernünftelt: “Darf ich nur um eines bitten: Schauen Sie, nun ist der Wahlkampf doch wirklich vorbei” oder richtet sich an Lafontaine: “Sie haben jetzt die ganze Zeit in dem Wahlkampf immer die Reden gehalten, hier säße der personifizierte Teufel – jetzt haben’s die Bürger ganz anders entschieden! Jetzt werden Sie doch langsam mal wieder normal!” oder fügt hintan: “… wie uns die Wählerinnen und Wähler beauftragt haben.”
Unangenehm sollte es jedem, der FDP wählte, ab 0:26:47 werden. Schade um Steini. Doof: Guido, Karrierekanaille.


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