Ihr bekommt Merkel. Sagt Ritter Sport.
Worin unterscheidet sich eine Tafel Schokolade von Kanzlerin Merkel und umgekehrt? Ist die Politik doch korrupter, als man hoffte? Lässt sich die Industrie angesichts der Bundestagswahl hinreißen zu leidenschaftlicher Parteinahme in banalster Produktwerbung? – Diese Fragen stellten sich heute beim Anblick einer elektrisch bewegten Plakatwand, auf der zwei beleuchtete Werbungen per Motor sich nach jeweils einigen Sekunden abwechselten. Erst die Kanzlerin, in grünem Zwirn, mit blauen Augen, vor schwarzem Grund: „Wir wählen die Kanzlerin“ („Dritte Welle Großflächen“, kennen wir ja schon). Die verschwindet dann aus dem Bild und wird – gleitend, und zwar abwärts! – verdrängt zugunsten einer Schoki-Werbung der Sorte „Olympia“. Ein starkes Stück! Wo bleibt die Würde des Amtes? Bei Peter Sodann galten „Tatort“ plus Kandidatur als das Amt schädigend. Schokolade („Joghurt – Honig – Nuss – Traubenzucker“) plus Kanzler aber geht?
Aber da kommt schon die Werbung von Ritter Sport ins Bild – und macht das Plakatdoppel perfekt: „Ihr wollte sie zurück. Ihr bekommt sie zurück!“ steht da in ebenso großen Buchstaben wie vorher „Kanzlerin“. Zielt die Werbung darauf, mit Merkel oder anderer Wahlwerbung im Alternationsmodus plakatiert zu werden? Die Schokoladentafel ist gesäumt von angeblichen Kundenstimmen: „Dafür würde ich alles tun“, oder: „Ich hab sie geliebt“, oder: „Wann kommt sie endlich wieder?“. In diesem Kontext den Betrachter kurz seine Augenbrauen lüften lassen ließen wiederum Statements wie diese: „Geschmacklich unübertrefflich und unvergessen…“ oder sogar: „Kann es kaum erwarten, wieder diesen Geschmack auf der Zunge zu haben!“ Nun gut.
Erstaunlich allemal: „Ihr wollt sie zurück. Ihr bekommt sie zurück!“ – dann wieder: „Wir wählen die Kanzlerin“. Oder umgekehrt. Auf ihrer Website gibt sich die Schokoladen-Marke nicht weniger ambivalent und nennt betreffende Sorte „Das Comeback des Jahres“. „Seien Sie ruhig wählerisch“ steht daneben. Ebendiese Schokoladenmarke, weiß aber jeder Niedersachse, stand der Politik noch nie ganz fern: Oliver Kalkofe hatte einmal den Zusammenhang hergestellt zwischen „Ritter Sport“ und „Ritter Süssmuth“.


4 Kommentare:
Guten Morgen! Und vielen Dank für das Video, werde es gleich mal bei uns auf dem Blog (http://www.rittersportolympia.de) posten!
Kann dich aber beruhigen, das Comeback der RITTER SPORT Olympia hat absolut GARNICHTS mit den Bundestagswahlen zu tun und es steht auch keine politische Unterstützung im Hintergrund :)
Bei dieser Plakatrotation handelt es sich um einen sehr lustigen aber völlig ungefährlichen Zufall!
Sehr schönes Fundstück trotzdem!
Wünsch dir noch ne coole Woche!
Jan
Die schmeckt halt lecker.
(wer?)
Hallo Stefan,
Spät kommt der Kommentar, aber er kömmt :):
Die “angeblichen” Kundenstimmen auf dem Ritter-Sort-Plakat sind absolut authentisch. Es wurden sogar eher noch die “Zahmeren” ausgewählt.
Wenn Dich interessiert, wie die Fans der Sorte ticken, kannst Du ja mal auf http://rittersportolympia.de vorbeischauen.
Hallo Markus,
Ich gönne dem Riegel ja seine Fans. (Aber waren die Statements nicht an einen Wettbewerb gebunden?)
Ohje. Schokoladen-PR-Leute in meinem Blog. Das mir solches mal passieren würde…!
http://www.youtube.com/watch?v=uF2djJcPO2A
Beste Grüße
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