Donnerstag, 27. August 2009

An Felix Mendelssohn Bartholdy

Felix („macht glücklich!“ – Werbemotto der Leipziger Mendelssohn-Festtage 2009) feiert seinen Zweihundertsten und wird dieser Tage in Leipzig entsprechend mit Konzerten bedacht, mit auf Mendelssohn Bezug nehmenden Uraufführungen im Gewandhaus, sogar einer musikwissenschaftlichen Konferenz und einem brandneuen Werkeverzeichnis („Isch glaube, is’ eine neue Dimension“). Da ich just mit reproduzierten Autografen der unveröffentlichten Schauspielmusik „Der standhafte Prinz“ hantierte, mühte ich mich außerdem, die Noten in einen Entstehungskontext einzuordnen, weswegen ich in der Unibibliothek die Briefe Karl Leberecht Immermanns (Textkritische und kommentierte Ausgabe in drei Bänden, hg. von Peter Hasubek, Zweiter Band: 1832-1840, 1979 München und Wien), der in Düsseldorf fürs Theater die Komposition von Mendelssohn geordert hatte, schmökerte. Ich muss sagen: ein guter Briefeschreiber! Das Zerwürfnis mit Mendelssohn (S. 357 ff.) hat rhetorische Schmackes, ein früheres Schreiben (S. 303 f.) beweist Witz:

„Da ich eben höre, daß Klinker, dem ich gestern meinen Brief an Dich mitgab, total besoffen gewesen ist, und mein Brief daher vielleicht in irgend einer Kneipe oder Gosse liegt, so wiederhole ich eiligst die materialia desselben, damit Du die nöthigsten Nachrichten erhältst. …
Hiermit sind die Contenta meines Gestrigen wiederholt, welches also liegen mag, wo es liegt. Ich wünsche Dir recht wohl und vergnügt zu leben
8. September. <1834> (In Eil.) Immermann“
Allein, über den „Prinzen“ (nach Calderon/W. Schlegel) bzw. die Mendelssohnsche Schauspielmusik – die er im Übrigen fern von Düsseldorf und Einstudierung in Unkenntnis der bei der Aufführung verwendeten Übersetzung und Bearbeitung zu schreiben gedungen gewesen zu sein scheint – kaum ein Wort.

Bevor man sich aufgrund Mendelssohns neuer Wege überwarf, klärte man offenbar alles mündlich – … außer, schriftliche Mitteilungen verloren sich beim Schnaps.

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