„All inclusive!“
In Baden-Württemberg, bekannt durch Schwarzwaldbahn und Tannenzäpfle, diskutierte man erregt über 70-Euro-Bordelle: Einmal zahlen, ewig bleiben, alles nutzen. Flatrate also. Es folgten Razzien und diverse Schließung. Nun schlendere ich mitternachts durch Leipzigs Gassen im Waldstraßenviertel und an jedem BMW und jedem Porsche, also an jedem Wagen, klemmt ein A5-Flyer: Die Damen und Herren vom „Maison d’Avalon“ (kennt man) „lassen es krachen“: „Flatrate-Party mit mehr als 10 Girls“, Spieleinsatz nur „150,00 Euro“, darin enthalten sind „Buffet, Getränke (außer Champagner/Sekt), Striptease & SEX, so oft Du es brauchst!“
04179, dieser Puff liegt am letzten Zipfel Lindenauer Kanalstrecke, präziser – wie mich Google Maps aufklärt – zwischen Evangelischem Diakonissenkrankenhaus Leipzig gGmbH und Grünau Ost. Feines Fleckchen. Von meiner alten Bleibe in der Mannheimer Straße für Menschen von Kondition nur einen kleinen Fußweg entfernt.
Auf der Website wuchern die diskreten, seriösen und auf „magische Momente“ spezialisierten Anbieter mit eventtechnischer Vielseitigkeit und bezeichnen nicht zuletzt Junggesellenabschiede als passende Veranlassung zur fröhlichen Festelei. Den letzten sich verabschiedenden Junggesellen traf ich 1. Klasse reisend im ICE entlang der Mosel: Ein Mann strammer Waden und schlaffen Köpfchens im rosa (!) Karnickelkostüm (!!) bot mir Jägermeister zum Freundschaftspreis, wobei das Erhandeln des Kurzen sowohl meine Reisezeit einschloss, nach der man nicht fragte, als auch ein Foto meines Jägermeiesterherunterstürzens einschlösse. Ich lehnte ab, den Fotografen gefror das Lächeln, ich wünschte nichtsdestominder fröhliches Geheirate. Herrje. Soll er das Heiraten lassen, wenn ihm danach nicht ist. Wer im Kaninchenkostüm nach Köln pilgern muss, damit die kommenden Jahre der Ehe (wozu eigentlich?) im Kontrast zur Zeit davor halbwegs vernunftbetont wirken, hat sich womöglich fürs Falsche entschieden.
Nun denn. Für hunderfünfzigkommanullnull Euro „all inclusive!“ – klare Worte. Auf Champagnerschrägstrichsekt kann man im Land des Biers sicher verzichten. Klar ist aber auch: Wo man ab 21 Uhr so ausgelassen zum Pauschalpreis feiert, wird der Veranstalter an diverser Position der Leistungen einzusparen versuchen müssen. Am Bier bestimmt nicht.

