Montag, 31. August 2009

Landtagswahl in Sachsen

Und es geschah, dass nur 52,2 Prozent der Sachsen sich auf den Weg zu machen bemüßigt fühlten, um die von innerer Zersetzung erfreulich geplagte Nationaldemokratische Partei Deutschlands um Ihre neuerliche Beteiligung am freistaatischen Parlament zu Dresden zu prellen. Pah. Zurück fiel sie, die NPD, wiewohl ihr einen „Sensationserfolg“ zu verkünden 47,8 Prozent der Sachsen erlaubten („allen voran in der Sächsischen Schweiz, in Riesa-Großenhain, in Nord- und Ostsachsen sowie im Erzgebirge“, npd.de). 2,9 % im Wahlkreis 28 für die Braunen. Herrje. Nur knapp „Die Tierschutzpartei“ (2,1 %) überragend. WER wählt die Tierschutzpartei!? Da lobe ich mir meinen Wahlkreis in Leipzig, der womöglich der 28. ist, was herauszufinden als leidige Popelei auf den Sachsen.de-Pages sich herausstellt, weswegen ich dieses Eintrags ich mich zufriedenstelle mit der schieren Annahme, als Leipziger von Ort und Wohnsitz hätte ich in ebenjenem mich der Wahl zu stellen eine entsprechende Einladungskarte in meinem Postkarten gefunden. (In Sachen Landtagswahl heißt meine Hauptaufgabe noch heute: Weg mit Wulff.) Im 28. Wahlkreis aus der Wahl also eher schwachbrüstig hervor ging die sogenannte „FP Deutschland“ mit – hüstel – 0,0 Prozent oder 14 Stimmen, mein Beileid. Ähnlich durchgefallen zeigt sich die „HUMANWIRTSCHAFT“, ja, mit Großbuchstaben, die 50 Kreuze zählen darf, noch weniger geschenkt bekam die rechte „REP“, 0,1 Prozent, 31 Kreuze. So muss es sein. (Wieso treten die Republikaner separat an? Was ist mit dem angeblichen Kanaillen-Schulterschluss der frisurtechnisch und geistig Armen?) Aber, hossa, aufwarten kann der Kiez mit 15,9 % für die Grünen, mehr als für die SPD (15,1 % – Kunststück, hahaha). Davor nur noch Linke (20,6) und CDU (29,5). Nun denn. Machen wir uns nichts vor, die CDU ist die Messias-Partei 2009. Aber Die Linke? Come on. Die hätten wir packen können! Warum wählt ein Fünftel die Roten?

Sonntag, 30. August 2009

„Und Deutschlands Hymne erklingt“

In der aktuellen Wechselausstellung „Flagge zeigen?“ des Zeitgeschichtlichen Forums wird Tradition von und Umgang mit deutscher Nationalsymbolik nachgegangen. Dort stieß ich auf die Siegerehrung der legendären deutschen Fußball-Nationalelf 1954: Unverhohlen bzw. überfordert mit der Frage, ob das trotz allen feierlichen Überschwangs zu einer WELT-Meisterschaft nicht unpassend sein könnte, singt die deutsche Fangemeinde das Deutschlandlied, wie man’s gewöhnt war – mit der 1. Strophe nämlich.

„Schwarz-rot-goldene Fahnen an Fenstern, Gebäuden, Autos: Spätestens seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland tragen vor allem Jugendliche wieder ‚National’, zeigen Flagge, feiern fröhliche Feste mit ‚Fahnenträgern’ anderer Nationen. Was steckt hinter dieser Demonstration nationaler Symbole in Deutschland, die lange Jahre nur mit Misstrauen betrachtet wurde?“ (Haus der Geschichte)
In der Tat, „National“ könnte wieder hip werden. Bei Youtube sind die jungen Nationalisten lebhaft bei der Sache. Man suche nach „Ostpreußen“ oder Hitler-Reden und lese die Kommentare. Wer sich das antut, wird von Zeit zu Zeit aber auch belohnt. Zum Beispiel mit Werbespots der hessischen NPD. (Und wie ich mich durch Youtube klicke, stelle ich fest: Die Polizei Sachsen hat eine Medienabteilung, die beispielsweise zum Obama-Besuch in Dresden im Juni 2009 ein protziges, aber sehr professionelles Video in Actionfilm-Ästhetik online stellt. Allein, angesehen wurde das Filmchen nur 349 mal.)
„Die DDR-Fahne mit herausgeschnittenem Emblem wird während der friedlichen Revolution zum Symbol für die Forderung nach nationaler Einheit. © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Michael Jensch, Axel Thünker“
Die Fahne übrigens, die man in besagter Wechselausstellung findet, weht heuer in größerer Stückzahl auf dem Dach des Centraltheaters – allerdings in einer Graustufen-Variante. Statt schwarz-rot-gold flaggte man schwarz-dunkelgrau-hellgrau.

Samstag, 29. August 2009

Nicht ohne meine Tochter

Der „Bad Blog of Music“ bei nmz.de (neue musikzeitung) bringt Fetziges: Komponist Arno Lücker gibt einen ersten Einblick in seinen Jörg-Widmann-Aufsatz, den er für die Zeitschrift Musik&Ästhetik vorbereitet. Natürlich nicht ohne Bezug auf die Darmstädter Ferienkurse 2008:

„Vielen jungen Komponisten ist die Musik im Grunde, das muss so unterstellt werden, schon egal. Es geht um Stipendien, Preise, Aufführungen. Man sieht sie lächelnd noch aus dem schlechtesten Neue-Musik-Konzert hinausgehen. Sie spüren die Bizarrerie des Betriebs, beispielsweise der Dinge, die alle zwei Jahre in Darmstadt passieren. [...] 2008 erreichte diese Bizarrerie bei den Darmstädter Ferienkursen einen Höhepunkt. Die vielen jungen unzufriedenen Komponisten: sie gingen dann doch noch zur Abschlussparty. Armselig lächelnd.“
Komponist Moritz Eggert ließ nicht lange warten, und kommentierte:
„Es passiert eigentlich in allen Ländern (vor allem in England, siehe Ades oder Turnage) – alle paar Jahre braucht es einen “Unantastbaren”, eine Art Referenzkomponisten auf den sich alle einigen können, damit man sich auf die Schultern klopfen und sagen kann ‚Was wollt ihr denn – es gibt doch tolle Neue Musik. WO ist hier die Krise?’. Bei Jörgs Bewunderern nimmt das manchmal schon skurrile Formen an, wenn man sich so manche Kritikerergüsse über ihn anschaut.“

Über Jörg Widmann. Oder auch nicht (Arno, 27.08.2009)
“Die Aura des Kritiklosen” – Antwort auf Arnos Artikel über (oder auch nicht über) Jörg Widmann (eggy, 28.08.2009)

Donnerstag, 27. August 2009

An Felix Mendelssohn Bartholdy

Felix („macht glücklich!“ – Werbemotto der Leipziger Mendelssohn-Festtage 2009) feiert seinen Zweihundertsten und wird dieser Tage in Leipzig entsprechend mit Konzerten bedacht, mit auf Mendelssohn Bezug nehmenden Uraufführungen im Gewandhaus, sogar einer musikwissenschaftlichen Konferenz und einem brandneuen Werkeverzeichnis („Isch glaube, is’ eine neue Dimension“). Da ich just mit reproduzierten Autografen der unveröffentlichten Schauspielmusik „Der standhafte Prinz“ hantierte, mühte ich mich außerdem, die Noten in einen Entstehungskontext einzuordnen, weswegen ich in der Unibibliothek die Briefe Karl Leberecht Immermanns (Textkritische und kommentierte Ausgabe in drei Bänden, hg. von Peter Hasubek, Zweiter Band: 1832-1840, 1979 München und Wien), der in Düsseldorf fürs Theater die Komposition von Mendelssohn geordert hatte, schmökerte. Ich muss sagen: ein guter Briefeschreiber! Das Zerwürfnis mit Mendelssohn (S. 357 ff.) hat rhetorische Schmackes, ein früheres Schreiben (S. 303 f.) beweist Witz:

„Da ich eben höre, daß Klinker, dem ich gestern meinen Brief an Dich mitgab, total besoffen gewesen ist, und mein Brief daher vielleicht in irgend einer Kneipe oder Gosse liegt, so wiederhole ich eiligst die materialia desselben, damit Du die nöthigsten Nachrichten erhältst. …
Hiermit sind die Contenta meines Gestrigen wiederholt, welches also liegen mag, wo es liegt. Ich wünsche Dir recht wohl und vergnügt zu leben
8. September. <1834> (In Eil.) Immermann“
Allein, über den „Prinzen“ (nach Calderon/W. Schlegel) bzw. die Mendelssohnsche Schauspielmusik – die er im Übrigen fern von Düsseldorf und Einstudierung in Unkenntnis der bei der Aufführung verwendeten Übersetzung und Bearbeitung zu schreiben gedungen gewesen zu sein scheint – kaum ein Wort.

Bevor man sich aufgrund Mendelssohns neuer Wege überwarf, klärte man offenbar alles mündlich – … außer, schriftliche Mitteilungen verloren sich beim Schnaps.

Mittwoch, 26. August 2009

IM c. t.

Gregor Gysi sprach am Montag auf dem Leipziger Marktplatz. Stimmung war da und allerlei Leipziger waren es auch, vielleicht einige hundert (eigene Schätzung), vielleicht 650 (Schätzung Tilman L.), vielleicht 3000 (Schätzung Rico Gebhard, Die Linke). Gysi startete cum tempore, blieb dann aber umso länger. Ulkiges Publikum. Wie aus dem Geschichtsbuch: Gesäumt von einer Menschenmenge hebt der Arbeiterführer auf dem Pritschenwagen wortgewandt seine Stimme – dass ich das noch erleben darf! Vor allem ältere Semester auf Bierbänken, vorne ein Mensch mit Hammer-und-Sichel-Plakat; allgemeines Buh-Rufen, als ein Störenfried mit Megafon aus der Ecke des Marktplatzes meckert: „Beenden Sie Ihre Lügen! Wir wollen keinen Sozialismus!“; großes Hallo, als Gysi das ideelle Territorium seiner Partei in der politisch-gesellschaftlichen Landschaft Nachwendedeutschlands absteckt: „Die mögen uns nicht, … das finde ich richtig!“ Gysi macht sich stark für seine Linie („Die Linke muss weltweit streiten“), stark gegen den Krieg in Afghanistan („Raus aus der Gewaltspirale!“), stark für Schulen und Universitäten („Wir brauchen eine Top-Bildung!“). Seltsam wirken seine Ausführungen zur zentralen Linke-Forderung von Mindestlöhnen, als er sich argumentativ bei den entsprechenden nationalen Regelungen einiger EU-Nachbarn bedient: 9 oder 10 Euro bemesse jener minimale Stundensatz in Luxembourg. Dass ebendort in der Kneipe vier Euro für ein kleines Bier zu zahlen sind, fünf Euro für einen Döner, 10 für eine Pizza Margharita – davon spricht er nicht. (Der Döner jedenfalls ist in Leipzig legendärer Weise ab sage und schreibe ein Euro zu kriegen.) Natürlich spricht er von der Wirtschaftskrise („Sie sind Chef einer Bank und Sie wollen krumme Geschäfte machen – sonst wären Sie nicht Chef einer Bank! – …“) – aber richtet sich auch ans Publikum: Den Ostdeutschen sage man eine Nörglermentalität nach, holt Gysi aus, und ergänzt: „stimmt ja auch ein bisschen“.

Update: Über Gysis Rede berichten Mike Nagler, Linke-Direktkandidat zur Bundestagswahl in Leipzig, und die Leipziger Volkszeitung.

Sonntag, 23. August 2009

Wieder mal Lichterketten

Ein spannendes „Konzert zum Wende-Jubiläum“ gestaltet das Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig in Zusammenarbeit mit und in der Oper Leipzig am 19. September. Kühn und provokant klingt die Absicht, sich mit „mit Politik und deutscher Identität“ auseinanderzusetzen.

Wenn allerorts anlässlich des Wende-Jubiläums Reden gehalten, wieder mal Lichterketten gebildet und manch Bürgerrechtler aus der Versenkung hervorgeholt werden, dann erklingen in der Oper gänzlich andere Töne.
Den Jubelfeiern zum Wende-Herbst wollen wir kritische Klänge, Worte und Bilder entgegensetzen.

Gesangssolisten (u.a. der Oper Leipzig) und die Sinfonietta Leipzig unter der Leitung Johannes Harneits werden das umfangreiche Programm bestreiten, darunter beispielsweise Klassiker aus Ost (Reiner Bredemeyer) und West (Helmut Lachenmann), Mauricio Kagels doppelbödigen und dem Konzert seinen Namen gebenden („Den Sieg verfehlt“) „10 Märsche um den Sieg zu verfehlen“ (1978/79), Uraufführungen des jungen Komponisten Péter Köszeghy, des Posaunisten-Komponisten Friedrich Schenker und des Dirigenten Johannes Harneit, darüber hinaus mehrere Werke Luigi Nonos – auch Ausschnitte aus dem Musiktheater „Al gran sole carico d’amore“, dessen Premiere an der Leipziger Oper – unter der Leitung Harneits – im Oktober stattfindet.

Sonntag, 23. August 2009

Schnedderedeng

Zur Eröffnung der Gewandhaus-Saison am 21.08. Felix Mendelssohn Bartholdys sogenannte Fünfte, die „Reformationssinfonie“ mit Luther-Choral im vierten Satz, der schließlich prolongiert und prolongiert und Fanfare und Wirbel und Tatatataaa. Dann geben die Labèque-Sisters noch Felixens wild tirilierendes Konzert für zwei Klaviere in E-Dur. Aber zu aller Anfang die erste von drei Uraufführungen, die sich als Auftragswerke im Rahmen der Mendelssohn-Festtage 2009 in Leipzig das Gewandhaus leistet, „Drei Gesänge ohne Worte für Orchester“ von Detlev Glanert. Glanert ist auf der Konzertbühne ein Mann von sehr sympathischer Erscheinung, der aus der Ferne der Saalempore an Heinz Erhardt erinnert, vielleicht, obgleich eine kontrastierende Assoziation, an das Äußere von Max Reger.

„Für Neutöner“? Glanerts dreisätziges Werk, obgleich 2008/2009 komponiert, geht über die klanglichen Konventionen der ersten beiden Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts nicht hinaus; die kleinen klanglichen Überraschungen bleiben wohl der virtuosen Exzellenz des Orchesters geschuldet. Wer was hören will und etwas erfahren ist, hat nunmehr 20 Minuten auszusitzen. Formal schlüssig und stimmungsmäßig ansprechend, überwiegt die Langeweile mit einer Musik des 21. Jahrhunderts, die so völlig harmlos und musikantisch-traditionalistisch mit den bildungsbürgerlich-musikalischen Konventionen aus Kaisers Zeiten tändelt. Zwar reizen vereinzelt beispielsweise der Schluss des zweiten Satzes – die verebbende Harfen-Textur – oder die solistischen hohen Sätze in den reduzierten Streichergruppen. Doch Glanerts Liebelei mit dem romantischen Ton (und auch dessen Brechung z.B. im zweiten Satz als geradezu dämliche bernsteinesk-fetzige Rhythmusvariationen – nicht ohne die unumgänglichen Claves, aua!) geben einen Anhaltspunkt, warum ich mich auch im ausverkauften Gewandhaus zu den vielleicht nur 50 Zuhörern unter dreißig Jahren zählen kann, derweil zum Beispiel die zeitgenössischen bildenden Künste in Leipzig durchaus große Anerkennung und Ruf bei den zigtausend Studenten der Stadt genießen. Im Gewandhaus überwiegen alldieweil noch Perlenketten, Pausensekt und feiner Zwirn. Und das einzige, was man hier ändert, wenn es in die Jahre gekommen ist, bleiben die Dachpappen.

Freitag, 21. August 2009

„Dämmaterial für das Dach angeliefert“

Das Gewandhaus Leipzig twittert! Und zeigt sich auch im Programm erfreulich neu: Heute startet die Gewandhaus-Uraufführungs-Triade der Leipziger Mendelssohn-Festtage 2009. Heute, am Freitag, d. 21.08., dirigiert Markus Stenz eine neue Komposition von Detlev Glanert (geb. 1960), mit dem romantisierenden Titel „Drei Gesänge für Orchester ohne Worte“ (2008/2009). Morgen schon, am Samstag, d. 22.08., leitet Sir Peter Maxwell Davies (geb. 1934) die Premiere seines zweiten Violinkonzerts (Violine: Daniel Hope). Am kommenden Freitag, d. 28.08., dirigiert GMD Riccardo Chailly ein neues Werk des Österreichers Georg Friedrich Haas (geb. 1953), „Traum in des Sommers Nacht“. Alle drei Uraufführungen sind Auftragswerke des Gewandhaus Leipzig. Zum letztgenannten Werke werde ich in Kürze noch einige Worte verlieren; die Partitur habe ich bereits überflogen.

Freitag, 21. August 2009

Dank der HMT-Bibliothek

VioloncelloVioloncelloSo lässt es sich gut komponieren: Mittels projektweiser Ausleihe verbrachte ich die letzten Monate mit Violoncello, einem Fabrikat der DDR, und einer versilberten Piccoloflöte. Für solche Vorhaben gerne zur Verfügung steht die Bibliothek der Musikhochschule – danke, die Damen! Außerordentlich nützlich ist es nämlich der Schreibarbeit, mit den Instrumenten, obgleich als völliger Amateur, zu experimentieren. Der Erfolg der Basteleien mit der Piccoloflöte erwies sich unlängst in Luxembourg („Ich kann nicht fürs Glasdach garantieren“), das Ergebnis der Wisch-und-Kratz-Eskapaden fürs Cello ist am 20. November im Großen Saal der HMT Leipzig mitzuerleben.

Sonntag, 16. August 2009

„Wollen Sie mich umbringen?“

So lautete vor 10 Minuten im Ersten bei „Anne Will“ (gelungen: kein FDP-Verteter in der Gesprächsrunde) Finanzminister Peer Steinbrücks Antwort auf die Frage, ob er nicht besser zum Kanzlerkandidaten tauge als „fw“ Steinmeier. Anschließend bot Steinbrück noch ein knackiges Schlusswort an die Jungwähler: Wenn diese nicht wählen gingen würden sie eines Tages regiert von Leuten, „die dümmer sind als ihr“. Klar wird in der Runde Trittin – Steinbrück – Wulff: Keinesfalls geht die SPD nur mit den aktuell per Umfrage erhobenen 22 Prozent aus der Bundestagswahl!

Sonntag, 16. August 2009

Undeutsche Intifada

Wenn das nicht für den „Hohlspiegel“ taugt. In der Frankfurter Sonntagszeitung wirbt der Verlag C. Bertelsmann für das Buch „Seichtgebiete“ (mit diesem Titel gab es bereits einen Artikel in der ZEIT von Thea Dorn; schöner Name) von Michael Jürgs, dessen Untertitel wie folgt lautet: „Warum wir hemmungslos verblöden“. Gewählt, klug, subtil. Genau wie der Anzeigentext selbst: „Achtung! Ansteckungsgefahr! Dumpfsinn-Virus!“, hahaha, dreimal gelacht und weiter: „In den Seichtgebieten der Nation gehen bürgerliche Werte und demokratische Tugenden baden.“ Hört, hört. Aber hervorragend unblöd das emphatische Schlusssprüchlein: „In diesem aktuellen SPIEGEL-Bestseller wird undeutsch heiter statt bierernst und oberlehrerhaft eine verbale Intifada gegen die Blödmacher angezettelt.“ Nee, klar, undeutsch heiter gegen die Blödmacher.

Dienstag, 11. August 2009

„Architektur: Das Neue Gewandhaus zu Leipzig wurde eröffnet“

Im ZEIT-Archiv, das sämtliche Ausgaben in digitaler Form frei enthält, zu stöbern, ist interessant. Manfred Sack beispielsweise berichtet am 16.10.1981 (Nr. 43) über die Eröffnung des Leipziger Gewandhauses:

„Gleichwohl ist in Leipzig zwar ein ungemein schöner, klingender Konzertsaal entstanden, aber kein Gebäude, das im internationalen Vergleich beachtet werden wird“ … „Wie sollte das auch anders sein bei diesem (und so gut wie allen anderen) Architekten der DDR, deren Hauptbeschäftigung es ist, Wohn- und Gesellschaftsbauten aus industriell gefertigten Riesenelementen zusammenzufügen)“ … „Nein, ein schönes Haus ist das Neue Gewandhaus nicht; aber es hat einen Saal, in dem es eine Lust ist, Musik zu hören.“

„Eröffnet wurde das Neue Gewandhaus mit einer armseligen Rede des Kulturministers, der sich versagte, auch nur einen Gedanken zu äußern“ … „Angesichts von so viel anwesendem Staat hatte Kapellmeister Masur dafür nun alles aufgeboten, was in Leipzig Stimme hat, einen fast dreihundert Sänger starken Chor – und so geschah es, daß die Thomaner mit ihren artigen Anzügen zwar antreten mußten, aber nur so taten, als sängen sie: stumme Staffage. In der Neunten gibt es keine Knabenstimmen.“

Freitag, 7. August 2009

Schöne Seitenbemerkungen

„Naja, so ganz generell.“ – Herrlich, Kader Loth, Frauenbeauftragte der siechen Freien Union, im Interview mit Spiegel Online.

Und noch einmal Luxembourg, wo sich eine Ausstellung im Musée d’Histoire de la Ville de Luxembourg auseinandersetzt mit Tod- und Mordthemen zwischen „9/11“ und Euthanasie, Serienkillern und Suizid. Selbstbeschreibung durchs Museum: „Wie es der Untertitel unterstreicht, ist Mord und Totschlag eine lebensbejahende Ausstellung“ (die Ausstellung verpasste ich leider zugunsten Siegfrieds und frühester Stadtgeschichte im selben Haus).