Arditti-Quartett in Leipzig
Im Rahmen des MDR-Musiksommers klangrauscht das legendäre britische Quartett am Samstag in der Schaubühne Lindenfels. „Tierisch!(?)“ lautet das Motto, unter dem der Veranstalter mit kruder Interpunktion zu einem bunten Programm zwischen Widmann und Ferneyhough einlädt.
Enno Poppe: Tier
Brian Ferneyhough: Quartett Nr. 5
Jörg Widmann: 3. Streichquartett (Jagdquartett)
Harrison Birtwistle: The Tree of StringsArditti Quartet
„Widmann jagt Poppe? Das Arditti-Quartett schlägt sich bei der Jagd (von Widmann) auf das Tier (von Poppe) durch den Wald (von Birtwistle). Dabei geht es natürlich nicht um Lautmalerei oder Illustration. Die Komponisten fühlen sich eher inspiriert durch Aspekte des organischen Wachsens oder Wucherns. Und Ferneyhough? Der passt schon deshalb ins Programm, weil er „tierisch“ schwer zu spielen ist…“ (Konzertankündigung MDR)
Trotz der lächerlichen Eskapaden im Widmannschen Jagdquartett wird das Konzert schon deshalb eine Freude werden, weil „tierisch schwer“ den „Ardittis“ keine Kategorie ist. Ferneyhoughs Fünftes von 2006 ist dessen neuestes Streichquartett, „not very long, but very wide“, nur 13 Minuten lang – und dabei für die Virtuosen noch immer keine „echte Herausforderung“ (Irvine Arditti). Nur allzu selten ist der komplizierte Freiburger B.F. in Leipzig zu hören. Viel zu selten. (Es wäre interessant, eine genaue Zählung einmal vorzunehmen.) Jedenfalls hoch anzurechnen ist es dem Veranstalter, dass hier Brian Ferneyhough programmiert wurde, zumal so ein junges Werk. Sei es, dass der MDR bzw. Steffen Schleiermacher, der „spiritus rector der Klangrausch-Reihe“ (MDR), ausdrücklich um einen Ferneyhough-Programmpunkt bat, sei es, dass er die Vorschläge der Interpreten guthieß.

