Wednesday, 29. July 2009

Egal, ob du schwitzt oder frierst

Warm ist es in Luxembourg. Die Innenstadt ist klein, st?§ndig l?§uft die internationale Komponistenschaft ‚Äì man stammt aus Turkmenistan bis Kanada! ‚Äì sich ?ºber den Weg. Gezielt, aber gem?ºtlich probt das Ensemble f?ºr die morgige Urauff?ºhrungsschwemme, in 20 Minuten starten wir in die abendliche zweite Runde, bereits k?ºhl gelagert ist flaschenweise die regionale Biersorte Bofferding, ebenfalls zum Zwecke einer abendlichen zweiten Runde. Beim t?§glichen Netz-Rundblick stelle ich fest, dass es andernorts sommerlicherweise nicht weniger gem?ºtlich zugeht: Spiegel Online gehen die Nachrichten aus (‚ÄûAu?üerdem: Schmidts Dienstwagen bremst die Genossen aus – und Marienk?§fer-Invasion in Norddeutschland‚Äú), bei Katz und Goldt herrscht Comicpause, derweil sich im NMZ-‚ÄûBad Blog of Music‚Äú bei den Kommentatoren, aus lauter sommerlochiger Unbesch?§ftigtheit, wie ich annehme, ein uns?§glicher Umgangston offenbar endg?ºltig etabliert.

Tuesday, 28. July 2009

Psycho-Arnold

Arnes Sp?ºlmittel riecht den Haribos, von denen ich dieser Tag jeden solchen zu viele esse, ziemlich ?§hnlich. Spricht das gegen die Gummib?§rchen oder f?ºr das Sp?ºlmittel? In der Abbaye de Neum?ºnster in Luxembourg derweil laufen der die Proben f?ºr unser Konzert am 30. Juli auf Hochtouren. Die Arbeitsphasen sind ereignisreich, denn einerseits unterscheiden sich die Musizierpraxen europ?§ischen Neue-Musik-Spezialistentums und chinesischer tradierter Volksmusik deutlich, andererseits ist ohnehin das Konzertprogramm (13 Urauff?ºhrungen, wenngleich die St?ºck f?ºr sich genommen zumeist eher kurz und miniaturhaft ausfallen) f?ºr die Musiker eine besondere Herausforderungen. Die Komponisten begleiten die Proben mit Spannung. Und ein drittes Thema: Die FAZ hat einen neuen Comiczeichner ‚Äì Flix. Feine Sache!‚ÄûFaust von Flix‚Äú)

Saturday, 25. July 2009

Mein Joch ist suess und mein Birrde ist leicht

Vorgestern kam ich an in Luxembourg. Die Stadt ist au?üerordentlich schmuck. ‚ÄûToo clean, too perfect‚Äú, erkl?§rte der Guide bei der Stadtf?ºhrung heute die hohe Suizidrate der Hauptstadt: wer nicht perfekt ist oder ‚Äûclean‚Äú, der sprang bis zur Einf?ºhrung der gl?§sernen Schutzw?§lle auf den Br?ºcken gerne mal von einer solchen. Denn Br?ºcken hat es hier wohl genug, die Stadt Luxembourg ist ein einziges sandsteinklippiges Auf und Ab. Wo in anderen St?§dten Stra?üenbahnen fahren, sind hier Aufz?ºge vorgesehen.

Die Anfahrt nach Luxembourg am Donnerstag war eine herrliche Strecke, entlang Mosel und Rhein. Am Montag beginnen die Proben mit der Luxembourg Sinfonietta, die chinesischen Musiker ?ºben schon flei?üig. Die Kurzkomposition ist fertig, hodie habemus ferrias. Der Arbeitstitel lautete: ‚Äû8 days, 8 players, 8 square meters‚Äú (wobei das Appartment etwas gr???üer ist, als das Spr?ºchlein annehmen l?§sst, aber sonst w?§re die Itiration hin gewesen). Eine Alternative aus der Reihe solcher Werknamen, die sich mit Musik, ?Ñsthetik und Inhalt m??glichst gar nicht auseinander setzen, w?§re gewesen ‚ÄûLuxembourg Calling‚Äú. Der aktuelle Titel ist sachlicher und klingt (unbeabsichtigt) nach V??lkerverst?§ndigung, als deren Botschafter ich als (Wahl-) Ostdeutscher nat?ºrlich gerne auftrete: ‚ÄûLuxembourg host, Chinese players, German composer, English title‚Äú. Ein Titel, in dem das Wort Titel vorkommt. Sehr keck.

Sunday, 19. July 2009

SA! SA!

SA! … ‚Äìrtet aus.‚Äú Witzig eigentlich, der Spruch. H??rte ich just jemanden in der Stadt skandieren. Erst denkt man B??ses, dann die pfiffige Pointe. H??. Apropos SA, auf dem Weg zum Kino passierte ich noch diverse Pulks von Lokomotive-Fans. Also ich muss schon sagen!… ‚Äì so kahlk??pfig, so gr??lend, solch eine Schwerbetrunkenenquote. Und wenn einige der jungen M?§nner noch ihre teppichgro?üen Fahnen an gro?üem Stab stolz vor sich her tragen ‚Äì da kommen schon Assoziationen. Die mildesten lauten auf Sch?ºtzenfest. Im Kino derweil fragte ich mich, worin eigentlich Dumbledore und Gandalf sich unterscheiden. Rein optisch. Und tricktechnisch, wenn ihre Szenen knallig werden. Im ?ºbrigen fetzte der neue Harry Potter wenig. Sechste Posaune? Aber drau?üen im quartier regnet es sommerlich, und das ist sch??n so.

Saturday, 18. July 2009

Coffee was my first love


Ein prima neues Werk f?ºr Piccolofl??te: Kr?§ftig voran geht es mit dem neuen St?ºck f?ºr Ensemble, das am 29./30. Juli von der Luxembourg Sinfonietta uraufgef?ºhrt wird. Eine Miniatur, 4-5 Minuten nur lang, f?ºr acht Spieler. Spa?üige Arbeit! Allerdings sollen die Noten so gut sein wie sch??n, also gilt‚Äôs in den Computersatz viel Zeit zu investieren. Kurzum: Kaffee ist mein bester Freund, ‚Äûmy first love‚Äú (‚Äû… and it will be your last!‚Äú unkt mein engstes Umfeld). Just vorhin war ich zum Zwecke im Supermarkt an der Ecke, um den Milchvorrat aufzuf?ºllen. Auf dem Weg p??belte ich die FC-Lokomotive-Fans (‚Äûkr?§chz, L-O-K!, L-! kr?§chz -O-K!‚Äú) nicht an. Ist das Nachsicht gegen?ºber Uneinsichtigen, ist das sozial Gutes? Kann ich das als ‚Äûgesellschaftspolitisches Engagement‚Äú werten lassen?

Thursday, 16. July 2009

Verg?§nglichkeitsraunen

Intendant Gerard Mortier verl?§sst die Pariser Op?©ra Bastille und geht, in Bayreuth nicht ben??tigt, nach Madrid. Zum Abschied gibt‚Äôs eine ‚ÄûInstallation zur Feier des zwanzigj?§hrigen Bestehens der Op?©ra Bastille‚Äú vom Maler Anselm Kiefer und ‚Äì J??rg Widmann, dem 36-j?§hrigen Klarinettisten-Komponisten mit dem schnellen H?§ndchen (‚ÄûLichtstudie I‚Äú, ‚ÄûImplosion‚Äú, ‚ÄûFreie St?ºcke‚Äú, ‚ÄûLied‚Äú, ‚ÄûChor‚Äú, ‚ÄûMesse‚Äú, ‚ÄûLabyrinth‚Äú, ‚ÄûZweites Labyrinth‚Äú, ‚ÄûArmonica‚Äú, ‚ÄûPolyphone Schatten (Lichtstudie II)‚Äú, ‚ÄûDunkle Saiten‚Äú, ‚ÄûLichtstudie I-VI‚Äú, ‚ÄûElegie‚Äú, ‚ÄûEcho-Fragmente‚Äú ‚Äì und das sind blo?ü die Kompositionen f?ºr Orchester). Das Musiktheater namens ‚ÄûDer Anfang (Au Commencement)‚Äú (im ?ºbrigen Widmanns sechstes) setzt neben einem Solistentrio das Orchester ein, das Widmann selbst dirigiert, darin aber von Titus Engel assistiert wird. Titus Engel? Lernte (?) ich bei ihm nicht vor Jahren das Orchesterdirigieren? Fiel in jene Ausbildung nicht meine legend?§re dirigentische Interpretation der Beethovenschen Ersten bzw. der Ersten langsamer Satz (und nur dessen, ahem)?

Das Anselm-Widmann-Musiktheater ‚Äûfordert zum Nachdenken heraus‚Äú (Wortlaut Op?©ra National de Paris). Und was denkt Claus Spahn von der ZEIT?

Aber mitten hinein in das Verg?§nglichkeitsraunen erklingen irritierende Vitalit?§tssch?ºbe, Solopassagen der Klarinette und einer Geige, j?§he Orchesteraufschw?ºnge, hell schimmernde Farben. Als wolle sich das Orchester (unter der Leitung des Komponisten) von der Kieferschen Asche nicht vollst?§ndig bedecken lassen. Es sind die st?§rksten Momente des Abends. Weil man sp?ºrt, dass Musik gar nicht anders kann, als der ¬ªNegation des Seins¬´ entgegenzuwirken. Die W?ºste lebt.

Tags: Vitalitit?§ssch?ºbe, j?§he Orchesteraufschw?ºnge, schimmernde Farben, Die W?ºste lebt

Monday, 6. July 2009

Der lange Arm der Geschichte

Mal wieder Amt, mal wieder Formular. Seite 6 von 8, Frage 42: ‚ÄûFolgende Haushaltsmitglieder sind: … c) Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und ihnen Gleichgestellte im Sinne des Entsch?§digungsgesetzes‚Äú. Dass ich das noch erleben darf. Anzukreuzen habe ich bei der Frage nat?ºrlich gar nichts, nicht mal ein fitzeliges Prozentchen darf ich mir erlauben bei ‚Äûschwerbehindert mit einem Grad der Behinderung von:‚Äú.

Sunday, 5. July 2009

Meine Damen und Herren: Musik!

Wenn Morten Schuldt-Jensen in Leipzig seinen Gewandhauschor dirigierte, wei?ü Gott, was quatschte er immer vorher und nachher und dazwischen! ‚ÄûDas ist eben skandinavische Tradition‚Äú wussten dann jene, die schon einmal im Norden Konzerte besucht hatten; selbst Mario Venzago am Pult der G??teborger Symphoniker, der ja selbst nun kein Schwede ist, griff zwischen allen St?ºcken im Sinfoniekonzert beherzt zum Mikrofon. Aber nun ‚Äì immerhin traten die beiden als Interpreten in Erscheinung. Doch muss denn ein Veranstalter, der als Musiker gar nicht involviert ist, durch die Konzerte f?ºhren, sie moderieren, wie der Dorfpfarrer in der L?ºneburger Heide das vielleicht tut?

Gestern trat in der Schaub?ºhne Lindenfels das Arditti Quartett auf, und Steffen Schleiermacher lie?ü es sich nicht nehmen, zwischen den St?ºcken sich ans Publikum zu wenden in der Art von ‚ÄûAls n?§chstes h??ren Sie…‚Äú, ‚ÄûViel Spa?ü!‚Äú und im schlimmeren Fall kecken Zwischenbemerkungen. Sch??ner w?§re es, der MDR druckte f?ºr Kammerkonzerte immerhin so viele Handzettel, wie es Sitzpl?§tze gibt (in der Schaub?ºhne nicht viele ‚Äû98 Pl?§tze Podestbestuhlung‚Äú), und ab 20 Uhr lie?üe man die Dinge einfach geschehen. Man freut sich auf die Ardittis, nicht auf die Anfl?ºge von Moderation. Provinziell wirkt es und st??rend, beim Auftritt eines Weltklasseensembles sich mit kleinen Wortbeitr?§gen zwischen die St?ºcke zu schlawinern.

Thursday, 2. July 2009

Arditti-Quartett in Leipzig

Im Rahmen des MDR-Musiksommers klangrauscht das legend?§re britische Quartett am Samstag in der Schaub?ºhne Lindenfels. ‚ÄûTierisch!(?)‚Äú lautet das Motto, unter dem der Veranstalter mit kruder Interpunktion zu einem bunten Programm zwischen Widmann und Ferneyhough einl?§dt.

Enno Poppe: Tier
Brian Ferneyhough: Quartett Nr. 5
J??rg Widmann: 3. Streichquartett (Jagdquartett)
Harrison Birtwistle: The Tree of Strings

Arditti Quartet

‚ÄûWidmann jagt Poppe? Das Arditti-Quartett schl?§gt sich bei der Jagd (von Widmann) auf das Tier (von Poppe) durch den Wald (von Birtwistle). Dabei geht es nat?ºrlich nicht um Lautmalerei oder Illustration. Die Komponisten f?ºhlen sich eher inspiriert durch Aspekte des organischen Wachsens oder Wucherns. Und Ferneyhough? Der passt schon deshalb ins Programm, weil er ‚Äûtierisch‚Äú schwer zu spielen ist…‚Äú (Konzertank?ºndigung MDR)

Trotz der l?§cherlichen Eskapaden im Widmannschen Jagdquartett wird das Konzert schon deshalb eine Freude werden, weil ‚Äûtierisch schwer‚Äú den ‚ÄûArdittis‚Äú keine Kategorie ist. Ferneyhoughs F?ºnftes von 2006 ist dessen neuestes Streichquartett, ‚Äûnot very long, but very wide‚Äú, nur 13 Minuten lang ‚Äì und dabei f?ºr die Virtuosen noch immer keine ‚Äûechte Herausforderung‚Äú (Irvine Arditti). Nur allzu selten ist der komplizierte Freiburger B.F. in Leipzig zu h??ren. Viel zu selten. (Es w?§re interessant, eine genaue Z?§hlung einmal vorzunehmen.) Jedenfalls hoch anzurechnen ist es dem Veranstalter, dass hier Brian Ferneyhough programmiert wurde, zumal so ein junges Werk. Sei es, dass der MDR bzw. Steffen Schleiermacher, der ‚Äûspiritus rector der Klangrausch-Reihe‚Äú (MDR), ausdr?ºcklich um einen Ferneyhough-Programmpunkt bat, sei es, dass er die Vorschl?§ge der Interpreten guthie?ü.

Tierisch!(?) – das MDR-Klangrausch-Festival Freitag, Samstag und Sonntag (3. bis 5. Juli) in der Schaub?ºhne Lindenfels, 20 Uhr.