Montag, 15. Juni 2009

Tripelpedalton

In Spielbergs Verfilmung von „Krieg der Welten“ hupt es immer tief und bedrohlich, wenn die Aliens ins Bild treten. War das ein Synthesizer? Mitnichten. Beim Hübnerschen Workshop „Experimentelle Spieltechniken auf der Trompete“ ging mir das Licht auf, dass in dem Hollywood-Schinken es um ein Alphorn sich gehandelt haben muss, das fürs Sounddesign mit einen Fagott-Mundstück musiziert wird. – Das meine ich ernst.

Ein großes Konzerterlebnis tags zuvor im nordbayerischen (das gehört zu Franken) Ansbach. Unter der Leitung Ernst Oestreichers musizierte ein gigantisch besetztes Nordbayerisches Jugendblasorchester (6 Schlagzeuger! 10 Klarinetten in B!!) u.a. mein bescheidenes „Concerto Bavarese“ (2005), und zwar mit starkem Gestaltungswillen, beeindruckender Ernsthaftigkeit und Präzision und solcher Verve, dass es mir eine große Freude war! Eine Wunschinterpretations. Fein!

Es-Sopran-Klarinette, Es-Alt-Klarinette, 2 Bassklarinetten – das Orchester hatte alles. Wobei ich ehrlich sagen muss: Wenn so ein Klarinettengeschwader unisono in höchste Register schießt, klingt’s wie Einlauf in der Stationären. Wunderbar skurril!

2 Kommentare:

(Nr. 281) Gabriel Seifert am 17.6.2009 um 19.31 Uhr:

Hallo!

Ich hatte das Vergnügen der Aufführung in Ansbach auf der Bühne als Piccoloklarinettist und Kazzooist beizuwohnen.
Es hat mir ebenfalls sehr großen Spaß gemacht. Ein tolles Werk.
Nur das mit dem Einlauf würde ich gerne anhand einer Stelle gerne noch einmal präzisiert wissen. ;D
Viele liebe Grüße!


(Nr. 282) Stefan Beyer am 19.6.2009 um 15.18 Uhr:

Lieber Gabriel,

danke schön! Ich hatte viel Freude bei der Aufführung. Und überhaupt, das Kazoo – das wichtigste Solo im Stück :-)! (Neben den fünf Glockenschlägen pianissimo im Schluss-B-Dur natürlich – die waren dem Kazoo ebenbürtig gelungen.) Fein gemacht.

Und die Äußerung mit dem Einlauf – tja, ich konnte ja nicht ahnen, dass das Orchester meine Internetseite googelt! ;-)

Im Ernst, so ein greller und durchdringender Charakter ist den Klarinetten im höchsten Register nun einmal eigen. Ohnehin erstaunte es mich, wie viele Klarinetten simultan ein und dieselbe Melodie spielen können: 10 B-Klarinetten, Es-Sopran, Es-Alt… – 12 Klarinetteninstrumente unisono, dann noch forte, dann noch hoch – das hat einen Effekt, um den zu beschreiben, braucht man Begriffe aus der Psychopathologie. (Obwohl – “Einlauf” ist wohl kaum eine explizit psychopathologische Vokabel.)

Liebe Grüße (bis zum nächsten “Beyer” in Bayern, ääh, Franken),
Stefan


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