Es ist Wahl II
Kommunalwahl im Städle. Hier im Waldstraßenviertel unpopulär zu sein scheint, gemessen am Modifikationsgrad der Wahlplakate, Ulrich Göbel, ein Kandidat der SPD, dessen Augen nämlich sind von den meisten Aushängen ab- und ausgerissen. Noch weniger populär sind hier wohl nur noch die Nationaldemokraten, deren gesamtes Wahlplakatdeputat für Leipzig Nord-West gründlich aus dem Stadtbild gelöst wurde. Hurra. (Angeblich vonseiten einer gemäßigt linken ?ñko-Partei, während diese ihre eigenen Plakate installierte. Zwei Fliegen und so weiter. Das Foto übrigens zeigt einen der wenigen Orte Leipzigs, wo die NPD-Plakate – wenn auch hoch und in illustrer Gesellschaft – noch hängen: neben dem Bruno-Plache-Stadion, wo unsere Liebsten, der FC Lok Leipzig, spielen. Von oben nach unten: NPD: „Damit Leipzig sicher wird!“, McDonals Wachau, CDU.) Die weitaus blödeste Kampagne fährt die CDU (Wunder was). Eine alte Dame ist abgebildet, eine typische Oma, die so alt und gebrechlich kaum sein dürfte, eher behäbig, streng und typisch, was natürlich nur weit aus dem Fenster lehnend behaupten darf, wer eine Oma hat, die geboren wurde, als es in Deutschland noch nicht mal eine Republik gab, weder eine Deutsche Demokratisch (hahaha) geheißene, nicht mal eine Weimarer. Die Oma schaut glückselig, ihr vis-?†-vis, dem Plakatbetrachter mit dem Rücken zu, ein Polizist. Über dem Foto prangt in großer Schrift (Sehbeschwerden!) „Sauber und sicher“. Das wäre an und für sich platt genug, schaute nicht der Polizeier so straff aus wie der VoPo aus dem DDR-Schinken „Kinderlexikon von A bis Z“. Zumal das Prädikat „sicher“ ebenso von den Nationalen benützt wird („Kinderschänder“!) und das hohle Doppel „sauber und sicher“ längst auch als Standardvokabular in der Damenbinden-Werbung rangiert.

