Samstag, 27. Juni 2009

Mensa am Park öffnet am Montag

Heute, am Tag der Architektur, durften bereits die Räumlichkeiten betreten werden, Küche eingeschlossen: Geschwader von Friteusen; eine Bratanlage, die Fleisch mittels Fließband durch zwei Quadratmeter heißes ?ñl ziehen kann; ein vollautomatischer Geschirrspüler, nein, vielmehr ein Geschirrspülraum, gewissermaßen eine Waschanlage für die Tabletts, von denen das Besteck durch Magneten entfernt wird… Und bei Stoßzeiten kann simultan an sechs Kassen bezahlt werden. – Fürs Leipziger Mensawesen ein Quantensprung. 890 Plätze, täglich Pommes, Pizza, Pasta – ich bin schon heute Fan!

Freitag, 26. Juni 2009

Damen dementsprechend

Wunderschönes GeraWenn ein philharmonisches Orchester auftritt, hängt sein Orchesterbüro zuvor Notizzettel ans Schwarze Brett, auf dem für die philharmonischen Herren die Bekleidungsfrage von Frack bis Sockenfarbe (!) penibel geklärt wird. Dahinter steht immer: „Damen dementsprechend“.

So etwas weiß ich nun, denn ich habe einige Tage an den Städtischen Bühnen Gera verbracht. Wunderschöne Ecken hat diese Stadt. Aus der gemütlichen Kantine („Frau Fritze bidde auf die Bühne“) mit den verglasten Wänden hat man einen tollen Blick auf den Park der Orangerie, die Küchengartenallee entlang, wo sich weiter hinten an der Weißen Elster der herrliche Stadtteil Untermhaus anschließt.

Juri Lebedev dirigierte gestern die Werkstatt-UA von „über Leichen gehen“ (2005) für Sinfonieorchester. Und man mag über laute Orchester nölen, was man will, aber es ändert nichts: Das Beste sind, waren und bleiben drei Posaunen plus Kontra-Oktave plus dreifaches Forte („fff“).

Mittwoch, 24. Juni 2009

„über Leichen gehen“ für Orchester in Gera

Am Donnerstag um 21 Uhr erklingt im Konzertsaal Gera die Uraufführung von „über Leichen gehen (quelle horrible mort!…)“, das ich 2005 und 2006 in Göteborg komponierte. Weiß Gott nicht der erste Ansatz, die Partitur aufzuführen, freue ich mich über das morgige Konzert in Thüringen umso mehr. Herzliche Einladung.

„Eine 10-minütige sinfonische Begehung recht unterschiedlicher Klangwelten und Erscheinungsformen des Orchesters. Im großen Panorama, das so schwer zu fassen ist zwischen aufgerauten Texturen und fast klassizistischen Orchesterfiguren, werden immer wieder neue Fenster geöffnet. Die dramaturgischen Funktionen der Streicher, Bläser, Schlagzeuger und einzelner Solisten wechseln beständig. Und immer scheint den Entwicklungen bald die Luft „abgewürgt“: Die Orchesterkomposition über Leichen gehen (2005/2006) setzt ein Fragezeichen hinter jede Äußerung, die erklingt. Nach einer Kulmination jedoch ist aus der Ferne ein Streichersatz von Edvard Grieg zu hören. Ist der Ruhe zu trauen? Die Komposition entstand in den Jahren 2005 und 2006 in Schweden. Ihr Untertitel („wie furchtbar, so zu sterben!“) zitiert aus der französischen Übersetzung eines Romans von Oscar Wilde.“
(Beyer über Beyer für den Programmzettel, wollte ich nicht vorenthalten.)
Ankündigung Ostthüringer Zeitung (23.6.2009)

Dienstag, 23. Juni 2009

Jüdische Lobby?

Liebesgrüße von Udo Voigt: Die NPD zu den Ereignissen in Teheran. Und vorgestern bye, bye Junimond: Ein Junger Nationaler in niedersächsischer Pampa scharwenzelt um einen Holzstoß.

Freitag, 19. Juni 2009

Ob’s denn recht wäre

Durch Deutschland tourte der Es-gibt-keinen-Gott-Bus, ein britischer roter Doppeldecker mit großer entsprechender Aufschrift. In seinem Gefolge: das christliche Gegenpostulat in Form eines beschrifteten Reisebusses. „Schon sehr dreist“ sei das gewesen, echauffiert sich bei Spiegel Online einer der Doppeldeckeratheisten mit dem wirren Missionsauftrag, ungefragt von den Christenmenschen auf Rädern verfolgt zu werden. Ein bizarres Paar auf Deutschlands Straßen und Plätzen. Apropos Mission: Kreuz versus Strichcode. (Danke, Fabian!)

Mittwoch, 17. Juni 2009

Treemonisha in Berlin

In Eile noch hingewiesen sei auf „Brass meets Musical“, das heute stattfindende Konzert im Joseph-Joachim-Saal der Universität der Künste in Berlin. Studierende der Studiengänge Musical und Blasinstrumente gestalten gemeinsam einen Musiktheaterabend, Beginn 19.30 Uhr. Darunter mein Arrangement dreier Stücke aus Scott Joplins Oper „Treemonisha“ von 1910. Die Oper wurde erst sehr spät, 1972, uraufgeführt, zu hören ist sie bis heute äußerst selten. Mein Arrangement enthält die Nummern 4, 27 und 18 und stellt den Solisten und dem Chor eine Bearbeitung für Blechbläserensemble zur Seite von 10-köpfiger Besetzung (4 Trompeten, 4 Posaunen, Horn, Tuba).

Brass meets Musical
Gordon Langford: London Miniatures
Jason Robert Brown: Songs for a New World
Chris Hazell: The Three Brass Cats
Songs aus Andrew Lloyd Webber: Cats und
Scott Joplin: Treemonisha
Blechbläserensemble der UdK Berlin
III. Jahrgang Musical/Show
Leitung: Konradin Groth und Michael Dixon
19.30 Uhr, UdK Berlin , Joseph-Joachim-Konzertsaal, Bundesallee 1-12, Berlin-Wilmersdorf
Eintritt: 6 Euro, erm. 4 Euro

UNI.T – das Theater der Universität der Künste Berlin

Montag, 15. Juni 2009

Tripelpedalton

In Spielbergs Verfilmung von „Krieg der Welten“ hupt es immer tief und bedrohlich, wenn die Aliens ins Bild treten. War das ein Synthesizer? Mitnichten. Beim Hübnerschen Workshop „Experimentelle Spieltechniken auf der Trompete“ ging mir das Licht auf, dass in dem Hollywood-Schinken es um ein Alphorn sich gehandelt haben muss, das fürs Sounddesign mit einen Fagott-Mundstück musiziert wird. – Das meine ich ernst.

Ein großes Konzerterlebnis tags zuvor im nordbayerischen (das gehört zu Franken) Ansbach. Unter der Leitung Ernst Oestreichers musizierte ein gigantisch besetztes Nordbayerisches Jugendblasorchester (6 Schlagzeuger! 10 Klarinetten in B!!) u.a. mein bescheidenes „Concerto Bavarese“ (2005), und zwar mit starkem Gestaltungswillen, beeindruckender Ernsthaftigkeit und Präzision und solcher Verve, dass es mir eine große Freude war! Eine Wunschinterpretations. Fein!

Es-Sopran-Klarinette, Es-Alt-Klarinette, 2 Bassklarinetten – das Orchester hatte alles. Wobei ich ehrlich sagen muss: Wenn so ein Klarinettengeschwader unisono in höchste Register schießt, klingt’s wie Einlauf in der Stationären. Wunderbar skurril!

Samstag, 13. Juni 2009

Gesunde Ernährung und Bewahrung der Schöpfung

„Das ist so’ne typische Berliner Betrachtungsweise“ – Markus Söder mogelt sich auf Deutschlandradio Kultur durch „tacheles“ . Er hat griffige Vokabeln mitgebracht („große Medizinheuschrecken“) und bestechende Bonmots: „Entscheidend [ist], in schwierigen Phasen einen Kompass zu haben“ (über zu Guttenberg) zum Beispiel oder: „Alles bleibt im Leben eine Einzelfallentscheidung“ (über zu Guttenberg).

Dann das wahlkampfnötige Die große Koalition schade – in diesem Falle der Gesundheitspolitik –, woraufhin ein Interviewer entgegnet: „Aber das macht doch die FDP mit Ihnen nicht mit! [...] Das gibt doch den ersten Streit.“ – Daraufhin kontert der CSU-Mann mit einer Trias goldener Weisheiten, die er jeweils mit „Wissen Sie“ einleitet, und die mich das Interview ein zweites Mal anhören machte:

1. Zur Gesundheitspolitik: „Wissen Sie, es geht doch letztlich um den Patienten. Ich mache mir immer Sorge, dass wir in der Gesundheitspolitik zu sehr theoretisieren. Am Ende geht es nur darum, ob es beim Patienten wirkt.“ (Aaha!) 2. Zu Horst Seehofer: „Und wissen Sie: Beliebtheit ist das eine, Stimmen für die Partei sind das andere und letztlich kommt es auf die Stimmen an!“ (Aaha!) Und 3. zur Politik an und für sich: „Wissen Sie, wenn sich Politik nur damit beschäftigen würde, was vor einem halben Jahr besser gewesen wäre. Da gibt es sicherlich Sendeformate bei Ihnen im Programm, die sind da bestens für geeignet, das noch mal alles philosophisch aufzuarbeiten. Aber Politik darf nicht nur malen, Politik muss machen, für die Zukunft machen.“ (Aaha!)

Donnerstag, 11. Juni 2009

Concerto bavarese in Oberbayern

Wie naheliegend. Hiermit gebe ich den Konzerthinweis auf einen Blasmusikabend des Nordbayerischen Jugendblasorchesters. An diesem Sonntag, d. 14. Juni, kommen in Ansbach um 18 Uhr Werke von Mendelssohn Bartholdy, Leonard Bernstein sowie eine kleine Komposition meiner Wenigkeit zur Aufführung, das vierminütige Concerto bavarese von 2005 (revidiert 2008). Eine Leipziger Abordnung fährt natürlich dorthin! Wir freuen uns auf ein ambitioniertes Konzert mit einschlägigem Programm!

Freitag, 5. Juni 2009

Your characterization of wild speculations are accurate

Obama besucht Dresden, die ARD überträgt live. Warum ist dem deutschen Fernsehen nicht auszutreiben, englische Wortbeiträge zu dolmetschen? Weder nuschelt der Präsident Familienslang im Wohnzimmer des Weißen Hauses noch bespricht er mit Fachleuten über juristische Expertisen zur Guantanamo-Schließung: Nein, er steht in Dresden und sagt, dass er gerne zu Besuch sei, sich ebenfalls freue, die Stadt in der Tat hohe Symbolkraft trage, und Deutschland ein starker Partner sein möge. Unterließe die ARD diese längst selbstverständlich gewordenen Live-Übersetzungen, der Zuschauer dürfte längst imstande sein, das Englisch selbst zu verstehen.

Update: Jetzt, kurz vor 11 Uhr, spricht Obama, auf Buchenwald angesprochen, von seinem familiären Bezug zu einer jener amerikanischer Einheiten, die Konzentrationslager befreiten. Dieser kurze Augenblick im TV hätte stark sein können – holperte und stotterte nicht der ARD-Dolmetscher beständig über den O-Ton.

Update: 11.23 Uhr, „Nun beugt sich der Präsident über etwas, das wir nicht sehen können“: Ein Moderatoren-Geschwader der ARD von drei Fachleuten, das sicher auch reingeschaltet würde, wenn mal wieder Prinzen und Prinzessinnen live im TV heiraten, per Split-Screen ins Bild gesetzt, kommentiert das Geschehen in der Frauenkirche. Sehr bereichernd. Etwas ab vom Schusse bewegt sich Sachsens Ministerpräser Stanislaw T., den Obama schon beim Eintreten in die Kirche behände übersah, so dass Tillich nichts blieb, als Frau Merkel jovial mit seinem Arm an Frau Kanzlerins Rücken den Eintritt zu weisen den Anschein zu geben.

Donnerstag, 4. Juni 2009

Es ist Wahl II

Kommunalwahl im Städle. Hier im Waldstraßenviertel unpopulär zu sein scheint, gemessen am Modifikationsgrad der Wahlplakate, Ulrich Göbel, ein Kandidat der SPD, dessen Augen nämlich sind von den meisten Aushängen ab- und ausgerissen. Noch weniger populär sind hier wohl nur noch die Nationaldemokraten, deren gesamtes Wahlplakatdeputat für Leipzig Nord-West gründlich aus dem Stadtbild gelöst wurde. Hurra. (Angeblich vonseiten einer gemäßigt linken ?ñko-Partei, während diese ihre eigenen Plakate installierte. Zwei Fliegen und so weiter. Das Foto übrigens zeigt einen der wenigen Orte Leipzigs, wo die NPD-Plakate – wenn auch hoch und in illustrer Gesellschaft – noch hängen: neben dem Bruno-Plache-Stadion, wo unsere Liebsten, der FC Lok Leipzig, spielen. Von oben nach unten: NPD: „Damit Leipzig sicher wird!“, McDonals Wachau, CDU.) Die weitaus blödeste Kampagne fährt die CDU (Wunder was). Eine alte Dame ist abgebildet, eine typische Oma, die so alt und gebrechlich kaum sein dürfte, eher behäbig, streng und typisch, was natürlich nur weit aus dem Fenster lehnend behaupten darf, wer eine Oma hat, die geboren wurde, als es in Deutschland noch nicht mal eine Republik gab, weder eine Deutsche Demokratisch (hahaha) geheißene, nicht mal eine Weimarer. Die Oma schaut glückselig, ihr vis-?†-vis, dem Plakatbetrachter mit dem Rücken zu, ein Polizist. Über dem Foto prangt in großer Schrift (Sehbeschwerden!) „Sauber und sicher“. Das wäre an und für sich platt genug, schaute nicht der Polizeier so straff aus wie der VoPo aus dem DDR-Schinken „Kinderlexikon von A bis Z“. Zumal das Prädikat „sicher“ ebenso von den Nationalen benützt wird („Kinderschänder“!) und das hohle Doppel „sauber und sicher“ längst auch als Standardvokabular in der Damenbinden-Werbung rangiert.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Da läuten die Glocken, da kalbt der Rhabarber

Wer mit Jackson Pollock etwas anfangen kann, dem sei wohl kaum mehr zu helfen. Und Wassily Kandinsky firmiere ohnehin unter ?ñlwechsel. Wie waren eigentlich eure Abiturnoten? Und wie oft habt ihr bei Jugend Musiziert teilgenommen? – Ja, ich war während und trotz der Eignungsprüfungswoche in der Musikhochschule. Stand vor dem Büro der Musiktheorie, um für ein Konzertprojekt 2010 große Partituren zu kopieren. Stand zwischen jungen Sängern und Pianisten, die fürs Wintersemester an der HMT sich beworben hatten und nun geduldig und berechtigtermaßen nervös warteten, dass jemand ihre Eignung in der Gehörbildung überprüfe. Eindrückliche Momente.