Himmler am Herd
Deutschvölkische Haushaltstipps für die „moderne Hausfrau“ landen in meiner Email-Inbox. Absender: pressedienst@neues-volk.net. Was hat es auf sich mit den penetranten Newslettern der rechtsextremen Website neues-volk.net? Ihr Name jedenfalls rekurriert auf eine historische Vorlage des Nationalsozialismus: „Neues Volk – Die Monatshefte des rassenpolitischen Amtes der NSDAP“. Via Google lässt sich eine Sammlung auftun, die einschlägige historische Titelblätter des Propaganda-Blatts präsentiert. (Wobei sich zwischen den „Neues Volk“-Titelseiten eine Werbeanzeige findet, deren durch „Google Ads“ automatisierte thematische Platzierung völlig verfehlt, nämlich handelt es sich um Werbung für Isreal-Tourismus: „Jüdische Festspiele/ Jüdische Feste in Israel genießen/ Tolle Deals. Jetzt buchen & sparen!/ www.goisrael.de“. Dabei schienen der Werbe-Engine von Google die englischen Signalworte „jewish“ und „anti-Semitism“ zu genügen, um den Anzeigentext „www.goisrael.de“ an diesem Platz zu schalten. Von oben und von unten eingerahmt durch die „Neues Volk“-Ausgaben vom Mai 1939 [„Frauen, die nicht Mutter werden dürfen“] und vom Juni 1949 [„Mischehen“]. Kurios.)
Die Dummschwätzerei von „neues-volk.net“ treibt nun aber skurrile Blüten. Gestern in der Mailbox landete „Schmackhaft und Gesund Kochen mit Bärlauch“, wobei gesund hier nicht die Nürnberger Auslegungen von 1935 meint, sondern in moderndem Ton die „Vitamine A, B1, B2 und C“. Vielmehr verweist die Email auf eine geradezu historische Dimension einer Legende: „Meinen Namen verdanke ich den alten Germanen: Der Bär – so glaubte man – verleihe seine Kraft auch bestimmten Pflanzen, durch deren Verzehr sich der Mensch Bärenkräfte einverleiben kann.“ (Was sagt’s uns? Offenbar waren sie dumm, die alten Germanen. Und die neuen Germanen? Die pflegen, in der ersten Person über Lauchgewächse zu berichten: „Könnte der Bärlauch sprechen, so könnte die interessierte Hausfrau folgendes von ihm erfahren“. Die interessierte Hausfrau? – Frei-nationaler Bärlauch, erklär’ uns die Welt!)
Email-Adresse des Absenders: pressedienst@neues-volk.net, Name des Absenders: „NS-Kochstudio“. NS? Soll der Name ernstlich lauten: Nationalsozialistisches Kochstudio? Eine weniger bekannte Auflösung des Kürzels könnte auch die eigenwillige sexuelle Vorliebe für „Natursekt“ – our beloved Wiki erspart weiter gehende Ausführungen – meinen. Neonazis und ihre Sexualität – unweigerlich denke ich an Olivia Jones’ legendäre Gespräche mit außen und/oder innen Kahlrasierten bei einer NPD-Parteiveranstaltung: „Was ich ja komisch finde bei der NPD: Hier sind ja gar keine Frauen, oder? Nicht, dass das doch ein schwuler Verein ist?“
Alldieweil gewinnt der Projektname der nationalfrontösen Suppenkasper in den Suchmaschinen kaum Bekanntheit. Beim Stichwort „NS-Kochstudio“ vermag Google nur weiterzuhelfen mit „Kochen per Touchscreen“, einer Nintendo-Software, und „Die deutsche Kochschau“, einer Satire-Sendung vom ORF.


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