Donnerstag, 30. April 2009

16384/10125 doppelt verminderte Septime

DHL-Austräger: 'Das Haus gibt es nicht mehr'.Das abgerissene Haus („Haus gibt es nicht mehr“) bleibt abgerissen. Eine Lösung zur Paketübergabe, gewissermaßen eine manuelle anstelle einer postalischen, ward gefunden. Und der DHL-Mann klingelte bereits heute erneut an der Türe – nun bin ich stolzer Besitzer sowohl von digitalem Stimmgerät als auch einem speziellen Tonabnehmer-Mikrofon, das direkt am Korpus von Instrumenten befestigt werden kann. Dank der präzisen Sensoren kann das in der herkömmlichen 12-tönigen Oktavteilung kleinste Intervall, der Halbton, 20-fach (d.h. in einer Rundung auf Einzelschritte von 5 sog. Cent) unterteilt werden. Beglückend!

Mittwoch, 29. April 2009

Kann das Fagott eigentlich überblasen?

Gute Frage. Aber jetzt zu etwas völlig anderem: 12 Blatt Papier A4 mal 52 Spieler = 3.400 g, 33 cm L, 23 cm B, 12 cm H, so unprätentiös sieht ein Orchesterstück in der Realität aus. Ab die Post! – Und heute wieder zurück: Die Empfängeradresse sei nicht zu ermitteln gewesen, sagte der DHL-Bote an der Wohnungstür, besagtes Haus in Erfurt stehe (!) nicht mehr. Abriss: „Haus gibt es nicht mehr“ kritzelte auf den Aua-da-ging-was-schief-Aufkleber der Bote der DHL.

Sonntag, 26. April 2009

Weg und Ziel und so weiter

Reich an Fruchtsaft rühmt sich und schmeckt auch das Capri-Eis, das ich an der Saale hellem Strande beziehungsweise am Bahnhof von Halle an der Saale gerade genoss, derweil die Tür vom Regionalexpress sich nicht öffnete, weil die Dame vor mir nicht den Knopf, der zur Türöffnung vorgesehen, sondern stattdessen das Signet, also den Aufkleber, der auf den Knopf, der zum Türöffnen vorgesehen ist – und als solcher seinen Zweck durchaus erfüllt –, verweist, drückte. Alldieweil sitze ich rückwärts zur Fahrtrichtung im HaHa-RE (Hannover-Halle respektive umgekehrt), was weniger gut schmeckt (gar nicht schmeckt) als das Reich-Eis und weniger lustig ist als die Frau mit dem Türknopf, sondern im Gegenteil mich flau in der Magengegend fühlen macht. Gott sei es gedankt fiel die Neigetechnik aus. Das kostete der Reise zwar 9 Minuten, ließ mich bei Ankunft aber passabel zu Mute sein.

Mittwoch, 22. April 2009

Himmler am Herd

Deutschvölkische Haushaltstipps für die „moderne Hausfrau“ landen in meiner Email-Inbox. Absender: pressedienst@neues-volk.net. Was hat es auf sich mit den penetranten Newslettern der rechtsextremen Website neues-volk.net? Ihr Name jedenfalls rekurriert auf eine historische Vorlage des Nationalsozialismus: „Neues Volk – Die Monatshefte des rassenpolitischen Amtes der NSDAP“. Via Google lässt sich eine Sammlung auftun, die einschlägige historische Titelblätter des Propaganda-Blatts präsentiert. (Wobei sich zwischen den „Neues Volk“-Titelseiten eine Werbeanzeige findet, deren durch „Google Ads“ automatisierte thematische Platzierung völlig verfehlt, nämlich handelt es sich um Werbung für Isreal-Tourismus: „Jüdische Festspiele/ Jüdische Feste in Israel genießen/ Tolle Deals. Jetzt buchen & sparen!/ www.goisrael.de“. Dabei schienen der Werbe-Engine von Google die englischen Signalworte „jewish“ und „anti-Semitism“ zu genügen, um den Anzeigentext „www.goisrael.de“ an diesem Platz zu schalten. Von oben und von unten eingerahmt durch die „Neues Volk“-Ausgaben vom Mai 1939 [„Frauen, die nicht Mutter werden dürfen“] und vom Juni 1949 [„Mischehen“]. Kurios.)

Die Dummschwätzerei von „neues-volk.net“ treibt nun aber skurrile Blüten. Gestern in der Mailbox landete „Schmackhaft und Gesund Kochen mit Bärlauch“, wobei gesund hier nicht die Nürnberger Auslegungen von 1935 meint, sondern in moderndem Ton die „Vitamine A, B1, B2 und C“. Vielmehr verweist die Email auf eine geradezu historische Dimension einer Legende: „Meinen Namen verdanke ich den alten Germanen: Der Bär – so glaubte man – verleihe seine Kraft auch bestimmten Pflanzen, durch deren Verzehr sich der Mensch Bärenkräfte einverleiben kann.“ (Was sagt’s uns? Offenbar waren sie dumm, die alten Germanen. Und die neuen Germanen? Die pflegen, in der ersten Person über Lauchgewächse zu berichten: „Könnte der Bärlauch sprechen, so könnte die interessierte Hausfrau folgendes von ihm erfahren“. Die interessierte Hausfrau? – Frei-nationaler Bärlauch, erklär’ uns die Welt!)

Email-Adresse des Absenders: pressedienst@neues-volk.net, Name des Absenders: „NS-Kochstudio“. NS? Soll der Name ernstlich lauten: Nationalsozialistisches Kochstudio? Eine weniger bekannte Auflösung des Kürzels könnte auch die eigenwillige sexuelle Vorliebe für „Natursekt“ – our beloved Wiki erspart weiter gehende Ausführungen – meinen. Neonazis und ihre Sexualität – unweigerlich denke ich an Olivia Jones’ legendäre Gespräche mit außen und/oder innen Kahlrasierten bei einer NPD-Parteiveranstaltung: „Was ich ja komisch finde bei der NPD: Hier sind ja gar keine Frauen, oder? Nicht, dass das doch ein schwuler Verein ist?“

Alldieweil gewinnt der Projektname der nationalfrontösen Suppenkasper in den Suchmaschinen kaum Bekanntheit. Beim Stichwort „NS-Kochstudio“ vermag Google nur weiterzuhelfen mit „Kochen per Touchscreen“, einer Nintendo-Software, und „Die deutsche Kochschau“, einer Satire-Sendung vom ORF.

Donnerstag, 16. April 2009

Zweifel beseitigen

Sich im Leben langsam, still und beschaulich einzurichten, ohne merken zu müssen, dass man sich gerade langsam, still und beschaulich im Leben einrichtet: Selbstfindung, ohne groß was finden zu wollen. Lecker Identität mit dem stern.

Wer sich zu jung fühlte, um schon alt zu sein, oder zu alt, um noch jung zu sein, aber ganz, ganz, gaanz bestimmt nicht spießig war und sich in dieser Wahrnehmung versichert und bestätigt fühlen wollte, was natürlich besonders spießig ist, dem begann das Magazin stern vor geraumer Zeit die Monatslektüre NEON zur Seite zu stellen. Das Pendant für Eltern ist nun ebenfalls im Angebot, das gute Stück heißt Nido, wie ich bei SpOn lese. Nun weiß man nicht, wo alt und jung beginnen und enden; aber sollte die wuschelige Jugendlichkeit der NEON-Leser den 6 Jahren seit Magazingründung anheim gefallen sein? Wer mit den typischen „Wie…“-Anreißern („Wie familienfreundlich deutsche Firmen wirklich sind“) und einer intellektuellen Fallhöhe ähnlich dem redaktionellen Teil kostenloser Email-Anbieter leben kann (Nido-Titel: „Guter Sex trotz kleiner Kinder“), dem sei das Heft beim nächsten Wartezimmerwarten nicht kategorisch ausgeredet.