Donnerstag, 19. März 2009

Weltwissen als Monopol

Google scannt Bücher in Millionenmengen, digitalisiert sie, macht sie für Volltext-Suchen verfügbar und stellt sie schließlich frei verfügbar ins Internet („Google Buchsuche“). Wegen juristischer Fragen zum Urheberrecht werden dabei einzelne Seiten bei der Anzeige entfernt, sodass von einer vollständigen Verfügbarkeit eines Buches keine Rede sein könne. Das Angebot ist nicht unattraktiv. Schon für meine Examensarbeit über ein Werk des Komponisten Paul-Heinz Dittrich verriet mir die Google-Stichwortsuche einen Geheimtipp: Ein Buch, auf das ich im Rahmen der Recherchen nie gestoßen wäre, enthielt auf einer halben Seite Informationen zum Dirigenten Ernest Bour und dessen angebliche Verwicklungen in der NS-Zeit als Kollaborateur.

Doch die Schattenseite dieser „totalen Digitalisierung“ (Wortlaut FAZ.net) blüht nicht den Nutzern, sondern vielmehr den Autoren. An einen übergreifenden juristischen Vergleich nämlich, der in New York vereinbart würde, wären auch deutsche Urheber gebunden. Die so genannte Opt out-Klausel, die einen Ausstieg daraus ermöglicht, bedeute im übrigen keine Sicherheit, dass Google von einer Onlinepublikation des betroffenen Autors absähe. Um die Verhinderung der digitalen Veröffentlichung durchzusetzen, wäre, über die Berufung auf die Opt out-Klausel hinaus, eine Privatklage vonnöten. Über ebendieses Dilemma schreibt heute die FAZ.net („Die Google-Strategie. Das Teuflische an diesem Plan“, 19. März 2009). Eine Schriftstellerin äußert sich da, vielleicht resignierend, vielleicht dem revolutionären Potential dieser Entwicklung vertrauend: „Ich werde die ,Opt out’-Klausel nicht ziehen. Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Passiv, als Nutzerin von Google, profitiere ich bereits davon.“

Werden künftig Werke der Wissenschaft, der Literatur geschrieben, wenn sie sogleich Gemeingut im Internet sind? Was, wenn die neuen Geschäftsmodelle es Urhebern nicht mehr ermöglichen, von dieser Arbeit zu leben: Verschwinden dann ganze Berufszweige und machen den Selbstausstellern Platz? Wenn das Weltwissen Monopol einer Firma geworden ist, wird diese die Antworten geben. Früher hätte man nach der Politik gerufen und ihr erklärt, dass Wissen systemwichtig sei. Doch die Politik scheint sich für all das nicht zu interessieren. (Hannes Hintermeier, FAZ.net)

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