Inzestmonster versus Sollsedocharbeitengehen
Die BILD erstickt am Übermaß der guten Dinge, die ihr passieren konnten. Seit zum Thema Amoklauf nun alles gesagt ist und man wohl dazu übergehen muss, die Dinge gründlich und ihrer Komplexität angemessen zu überprüfen, den ersten eiligen Aktionismus noch einmal zu überdenken, die gesellschaftlichen und sozialen Fragen behutsam zu erörtern, kurzum, seit nach BILD-Maßstäben zu Winnenden und Tim K. samt Familie nichts Neues mehr zu berichten ist, da wurde der Fritzl aus St. Pölten zum enfant chéri des Boulevards – und bekommt nun heute plötzliche Schwierigkeiten in der Auslage. Dem Schicksal des kurzen Prozesses zur Lebenslänglichkeit Gerichteten, das die BILD mit Berichterstattung treu verfolgte zwischen blauen Aktenordnern und einer Tochter inkognito, kam heute der Gerichtsentscheid in die Quere, Müttern mit Kindern über soundso viel Jahren sei ihr Ex als Unterhaltszahler mitnichten per se verpflichtet. – Ein echtes BILD-Dilemma! In der Redaktion obsiegte das iudicatum alimentarum. Fritzls Abgang, als großes BILD-Infernal recht hübsch denkbar, reduziert sich zugunsten der ebenfalls hübsch denkbaren (das heißt so noch nicht geschehenen) Kampagne „werktags gehört Mutti mir!“ auf ein knappes Drittel des Aufmachers.

