„So, wie wir heute leben, haben wir nie gearbeitet.“
Die Abwandlung einer Redewendung stammt von Edgar Most. Den lud auf der Leipziger Buchmesse Deutschlandradio Kultur auf „das blaue sofa“ (die Rundfunkübertragung geschah in diesem Augenblick), um ihn anlässlich seiner Veröffentlichung: „Fünfzig Jahre im Auftrag des Kapitals. Gibt es einen dritten Weg?“ zu befragen. Darin erzählt er die schöne Zirkusgeschichte, wie er nach der Wende von der Vizepräsidentschaft der DDR-Staatsbank in die Spitze der Deutschen Bank wechselte. Das ganze Ost-West-Geseiere, das ihm seine skurrile Lebensgeschichte vorlegt, lässt er sich offenbar nicht entgehen und erinnert sich zurück, als man in den (Bank-)Geschäften immer nur die eine Frage stellte: Was nützt es dem Staat? Das Ende der DDR jedenfalls habe keinen wirtschaftlichen Hintergrund gehabt. Die Gründe seien, so paraphrasiert er den entscheidenden Kratzer im Staatslack, „menschlich-moralischer“ Natur gewesen.
Das langwierige Gerede um die Verstaatlichungen verstünde er nicht. Hätte er das sagen, die Hypo Real Estate Holding sei schon vor einem halben Jahr in Staatshand genommen worden, „hätt’ ich gar nicht lange gefragt“.
Und selbst wenn er gefragt hätte – denn der „Nutzen für den Staat“ respektive den Sozialismus war schon in der DDR ein wenig glückbringendes Abstraktum. Der Kunst, der Demokratie, dem Individuum, der (Reise-, Presse-, Rede-, …)Freiheit – oder der körperlichen Unversehrtheit des Ausreisewilligen aber Ausreiseverbetenen im Bereich des Mauerstreifens – jedenfalls kam jene Frage nicht zugute.


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