Horsti – oder: Gelassen-amüsierten Charme alten Adels aufs Auge drücken
Ein bei der Behörde für die Stasi-Unterlagen neu erschienenes Video über die aufwändigen Arbeitsweisen der Staatssicherheit: Ein dichtender DDR-Bürger möchte in Berlin (Ost, wohlgemerkt) einen Redaktionsvertreter des Stern treffen. Doch im Haupteingang haben, verkleidet als Handwerker, zwei IM zu tun. Die Haustür klemme. Aber man begleite ihn gerne persönlich zum Hintereingang. Auf dem Weg dorthin steht ein Wagen mit laufendem Motor und eine Handvoll Polizeier bereit, derweil kein Zweifel mehr bleibt, dass der Handwerker nie ein solcher war und an keiner Haustür, die nie klemmte, nie arbeitete. Nun ist der Hintergrund dieser Filmhandlung in politischer Hinsicht natürlich empörend, in menschlicher Hinsicht ohnehin tragisch. Aber darüber hinaus wirkt diese paranoide Stasti-Aktion, wie sie für die Staatssicherheits-Arbeitsweise der DDR an und für sich beispielhaft sein dürfte, nur noch grotesk. Der dröge Lehrer-Tonfall des Sprechers, der billige die-Tür-ist-defekt-Trick aus der letzten Ecke der Klamottenkiste, der unglaubliche Umstand, dass für so grotesken Unfug sowohl IM aufgetrieben als auch dem anno 1984 wirtschaftlich bereits völlig maroden Staat noch derlei Personalaufwand abgeschwatzt werden konnte. Die DVD jedenfalls muss ich haben! (In diesem Zusammen übrigens recht interessant zu lesen: Willi Opitzens Trauerrede anlässlich Mielkes Ableben im Jahr des Drachen, also 2000, über die schwierige Zeit für die MfS-Helden nach 1989, über die durch „Rache und Siegerjustiz geprägten Verurteilungen, entwürdigende Haftbedingungen, Aberkennung der ihm zustehenden VVN-Rente und Rentenstrafrecht, Einzug seines von ihm redlich erworbenen Vermögens und damit auch schwerwiegende Eingriffe in die soziale Sicherheit seiner Frau und Familie“. Die Zeiten waren schwer.)
Kein Tag ohne Guttenberch. Auch der legendäre FAZ-Comic, Volker Reiches Strizz, der einstmals täglich erschien, jetzt samstags, widmet sich heute nämlich dem pomadisierten Neuen im Kabinett. Herr Paul, der Kater, imitiert die Guttenbergsche Mimik („Und vor allem: Keine Sekunde einen Hauch von Leidenschaft zeigen!“) und träumt sich selbst „von und zu Katzenstein der Soundsovielte“, derweil Rafael seine jüngsten Geschwister anhält, für die Handykamera den Wirtschaftsminister zu machen: „Los! Du bist Karl-Theo! Sag: Tatkraft und Leidenschaft sind gefragt!“. Die Tante zeigt sich mit Rafaels Unkereien unzufrieden: „Du kannst doch nicht Guttenbergs Sturz prophezeien, bevor er richtig angefangen hat. Das gehört sich einfach nicht.“ – „Gehört es sich, dass Horsti uns einen Wirtschaftsminister aufs Auge drückt, der erst vor fünf Minuten seine Leidenschaft für Wirtschaftspolitik entdeckt hat?“

