Sonntag, 21. September 2008

Zurück in die Zukunft

„Pommern“, „Ostpreußen“, „Sudetendeutschland“ – soundso Komma soundso viel „Millionen Vertriebene“: am Platz in Leipzig, wo sich Humboldt-, Gustav-Adolf- und Hinrichsenstraße treffen (benannt nach Henri Hinrichsen, deutsch-jüdischer Verleger aus Leipzig, geb. 1868, 1940 Enteignung seines Verlags C. F. Peters, ermordet 1942 in Auschwitz), sind an einem Laternenpfahl Mahntafeln an die Vertreibung von Deutschen 1945 anmontiert, in der Machart von Straßenschildern („Stadion 400 m“) aus Holzlatten und Computerausdrucken zusammen gebastelt.

Wäre ich nicht mit dem Freischützen beschäftigt, ich beteiligte mich gerne an guerillahaften Do-it-yourself-Gedenkumtrieben! Mein allererster Gedanke wäre, die in diverse Himmelsrichtungen zeigenden Schilder zu ergänzen durch Hinweise wie: „Frankreich 470.000“, „Polen 4,2 Millionen“, „Sowjetunion 7 Millionen“ (entgegen der Initiative zwar Zivilisten zählend, allerdings nicht solche, die ihre regionale Herkunft verloren, sondern vielmehr ihr Lebenslicht). Eine nicht mit gigantomanen Zahlen arbeitende, aber dennoch über deutsche Grenzen hinaus weisende Variante wäre die schlichte Bepfeilung gen geographische Orte allererster lebensraumerweiternder Maßnahmen 1939 (respektive Angriffskriege). Das Mindestmaß von Beschilderung wäre eine auf innerdeutsche Erinnerungsorte begrenzte: ein Pfeil nach Nürnberg, ein Pfeil nach Weimar/Buchenwald.

Meine nicht zu verwirklichenden Vorhaben sind hiermit dargelegt. Wer hingegen die, mit Kabelklemmen durchaus gekonnt installierten, vergangenheitsblinden nationalen Trauerorte anmahnte, bleibt am Laternenpfosten unkenntlich.

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