wie muss ich dich lieben, wie muss ich f?ºr dich schw?§rmen, w?§re es nur, weil auf deinem Boden der ‚ÄöFreisch?ºtz‚Äô entstand! … Ach, du liebensw?ºrdige deutsche Tr?§umerei! Du Schw?§rmerei vom Walde‚Äú. So charismatisch, wie heute angeblich zuallervorderst Oskar Lafontaine, sprach’s: Richard Wagner am 20. Juni 1841 in der Dresdner Abendzeitung ?ºber die Pariser Auff?ºhrung des ‚ÄûLe Freischutz‚Äú.
Nun ja, die Examensvorbereitungen in Sachen Musikgeschichte gedeihen pr?§chtig. Das Thema lautet: ‚ÄûFreisch?ºtz‚Äú. Das Libretto an sich ist bitterlich dr??ge. Unterhaltsam und spannend an der Oper ist ihre Rezeption:
Harry Goldschmidt (1988, Ost) zum Beispiel bem?ºht sich auf Teufel komm raus, der Wolfsschlucht-Szene Note f?ºr Note, sei sie gesungen oder vom Kontrabass gezupft, die Silben der zwei W??rter ‚ÄûKyrie eleison‚Äú zu unterlegen um die Beweisf?ºhrung f?ºr eine ‚Äûschwarze Messe‚Äú anzutreten und schlussfolgert, der Komponist Carl Maria von Weber und sein Librettist Friedrich Kind entschleierten mit der Oper ‚Äûdie zunehmend entheiligten urspr?ºnglichen Verh?§ltnisse durch das durchschaute kapitalistische Warengesetz‚Äú. Weber, der Marxist.
Karl Dietrich Gr?§we (1981, West) betont dagegen Maxens starke Individualit?§t, sein Widerstreben gegen die ‚Äûtabuisierte Bauern- und J?§gerwelt‚Äú und ?ºberkommenes Brauchtum, sein ‚ÄûAusmessen des Bewusstseinsabgrunds‚Äú. Vor dem affirmativen guten Ende der Oper in C-Dur gelobt erst noch Max heiliges Pflichtbewusstsein in H-Dur. Wenn dabei ‚ÄûAgathe und die anderen‚Äú dem (tonartlichen) Au?üenseiter ‚Äûin einen utopischen Klangraum‚Äú (na ja, utopisch ‚Äì gemeint ist das H-Dur) folgen, dann, so Gr?§we, in einen, ‚Äûder nicht der ihre ist‚Äú. Max, der Individualist wider das b?§uerliche Kollektiv. (Heute angeblich vergleichbar mit Oskar Lafontaine, dem vorgestern CSU-Politiker Peter Gauweiler zum 65. Geburtstag verbriefte, jener sei ‚Äûwie der junge Faust‚Äú.)
Das Finale, das etwas rau hintan ged?ºbelt wirkende, was schon Weber-Sohn Max dergestalt betrachtete (‚Äûmit einer Tendenz zur Verk?ºhlung, die seine, im Verh?§ltnis zum Sturmesgang der anderen Theile der Oper etwas z??gernde L?§nge erzeugte‚Äú) und auch in den E. T. A. Hoffmann zugeschriebenen Kritiken bezeichnet wird als ‚Äûentsetzlich breit und zu lang‚Äú oder als: ‚Äûder durchaus hinkend schleppende Schluss, wo der Knoten, und nicht einmal geschickt, zerhauen wird‚Äú, dieses Finale also wird von Peter Konwitschny (Ost) in seiner Hamburger Inszenierung (West) hingegen unpr?§tenti??s gel??st: der Vorhang schlie?üt, bevor der Eremit auftreten kann. Der Geistliche ist hier der wohlbezwirnte Zuschauer aus dem Parkett, der noch vor der ersten Arie das Libretto kennt, also mehr wei?ü, als die Figuren auf der B?ºhne, der nach gefallenem Vorhang ein aufpoliertes Happy End einfordert, sich einen eigenen Ausgang der Oper auszudenken scheint und dem Inspizienten widersprechend das Geschehen ver?§ndert weiter lenkt (womit Konwitschny den ulkigen Bew?§hrungmodus eines ‚ÄûProbejahres‚Äú und diese bald l?§cherliche Pointe als Machwerk des r?ºhrseligen und dilettierenden Opernliebhabers legitimiert).
Dann w?§re da noch Th. W. Adorno, der in Sachen ‚ÄöFreisch?ºtz‚Äô beispielsweise denkt an die ‚ÄûZeit, da der Mann als J?§ger der Geliebten Nahrung bringen‚Äú musste, oder an die ‚ÄûChristianisierung der Handlung‚Äú (1937) und f?ºnfzehn Jahre sp?§ter, in R?ºckgriff auf Elias Canetti, beim ‚Äûdeutschen Wald‚Äú an ein ‚ÄûMassensymbol der Deutschen‚Äú, an den ‚Äûmarschierenden Wald‚Äú (1961/62). Der ‚Äûdeutsche Wald‚Äú, ja, ja: 1841 hatte sich Wagner noch an ‚Äûdie Pariser‚Äú gewendet: ‚ÄûAber, versteht ihr wohl, was ihr singt? ‚Äì Ich bezweifle es sehr. … fast w?ºrde ich glauben, wieder beim ‚ÄöWald‚Äô anfangen zu m?ºssen, den ihr aber eben nicht kennt.‚Äú
Schluss damit. Kennen Sie den schon?
Heinrich Heine, Berliner Briefe:
‚ÄûHaben Sie noch nicht Maria von Webers ‚ÄöFreisch?ºtz‚Äô geh??rt? Nein? Ungl?ºcklicher Mann! Aber haben Sie nicht wenigstens aus dieser Oper ‚Äödas Lied der Brautjungfern‚Äô oder ‚Äöden Jungfernkranz‚Äô geh??rt? Nein? Gl?ºcklicher Mann!‚Äú …
‚ÄûBin ich mit noch so guter Laune des Morgens aufgestanden, so wird doch gleich alle meine Heiterkeit fortge?§rgert, wenn schon fr?ºh die Schuljugend, den ‚ÄöJungfernkranz‚Äô zwitschernd, meinem Fenster vorbeizieht. Es dauert keine Stunde, und die Tochter meiner Wirtin steht auf mit ihrem ‚ÄöJungfernkranz‚Äô. Ich h??re meinen Barbier ‚Äöden Jungfernkranz‚Äô die Treppe heraufsingen. Die kleine W?§scherin kommt mit ‚ÄöLavendel, Myrt und Thymian‚Äô. So gehts fort. Mein Kopf dr??hnt. Ich kanns nicht aushalten, eile aus dem Hause und werfe mich mit meinem ?Ñrger in eine Droschke. Gut, da?ü ich durch das R?§dergerassel nicht singen h??re.‚Äú …
„‚Sie singen wie ein Engel!’ ruf ich mit krampfhafter Freundlichkeit.
‚ÄöIch will noch einmal von vorne anfangen‚Äô, lispelt die G?ºtige, und sie windet wieder ihren Jungfernkranz, und windet, und windet, und windet, bis ich selbst vor uns?§glichen Qualen wie ein Wurm mich winde, bis ich vor Seelenangst ausrufe: ‚ÄöHilf, Samiel!‚Äô … es wurde hier Mode, in komischer Bedr?§ngnis diesen Ausruf zu gebrauchen, und Boucher hat einst sogar im Konzerte, als ihm eine Violinsaite sprang, laut ausgerufen: ‚ÄöHilf, Samiel!‚Äô‚Äú …
‚ÄûUnd nun den ganzen Tag verl?§sst mich nicht das vermaledeite Lied. Die sch??nsten Momente verbittert es mir. Sogar wenn ich bei Tisch sitze, wird es mir vom S?§nger Heinsius als Dessert vorgeduldelt. Den ganzen Nachmittag werde ich mit ‚Äöveilchenblauer Seide‚Äô gew?ºrgt. Dort wird der Jungfernkranz von einem Lahmen abgeorgelt, hier wird er von einem Blinden heruntergefiedelt. Am Abend geht der Spuk erst recht los. Das ist ein Fl??ten, und ein Gr??hlen, und ein Fistulieren, und ein Gurgeln, und immer die alte Melodie. Das Kasparlied und der J?§gerchor wird wohl dann und wann von einem illuminierten Studenten oder F?§hnrich, zur Abwechslung, in das Gesumme hineingebr?ºllt, aber der Jungfernkranz ist permanent‚Äú.