Ein Mittwoch in Leipzig
Einfach mal durch die Stadt flanieren, ei, was einem da begegnet. Vier Airlebnisse unter Leipzigs freiem Himmel in nur drei Stunden. Ein sächsisches Brauhaus beispielsweise verschenkte promotionhalber am helligten Nachmittag vorm Haus der Geschichte 0,33-l-Flaschen mit Brause versetzten Biers. Kühl und kostenlos, dafür nimmt man auch das Schauderprädikat: „Lemon“ in Kauf sowie die etwas dünne Drehzahl von 2,5 Teilen Alkohol zu sage und schreibe 97,5 Teilen Limo-Getreide-Zubereitung. Von jüngeren Spaziergehern ließ man sich zwar das erreichte 16. Lebensjahr versichern, öffnete die Flasche aber simultan: eine schöne Variante, junge Leute ganz ungezwungen und zwischendurch um halb drei anzuregen, selbst verantwortungsvoll zu sein, sich selbst zu begrenzen, anstatt den Personalausweis Maßstab aller Kleinigkeiten sein zu lassen.
Das Gewandhaus, kann man auf Plakaten in der City lesen, wiedereröffnet seinen Konzertbetrieb am 6. September auf dem Augustusplatz bei freiem Eintritt. Und nennt das – auweia: „Klassik airleben“. Was für ein „rhetorisches Sauerkraut“ (Zitat FAZ, allerdings zu einem anderen Thema). Obwohl am Hause Herr Steffen Schleiermacher beschäftigt ist, der erst kürzlich in seinem musica nova-Flyer übers Dasein als „Titelier“ elaborierte, tut das Gewandhaus selten Glücksgriffe, wenn’s Namen für Konzerte, Aktionen und Reihen zu finden gilt: „Jugendorchester_Zyklus“ (der Unterstrich kommt meines Wissens aus der Counterstrike-Tradition, weil die Software bei Spielernamen keinen Leerzeichen gestattet; im Unterschied zum Gewandhaus heißt man dort aber vielmehr: Bin_Laden, FUCK_Bush, King_of_Massacre oder *NS*_Adolf. Ob man sich der Implikationen bewusst war?), „Soundcheck“ oder gar: „natur|musik: schaurig“. Seufz. Cool sein ist schwierig. So viel Angst vor sinnigen Namen? Airheiternd.
Das Mendelssohn Kammerorchester Leipzig, kann man auf Plakaten an etwas abseits gelegenen Mauern und Baustellenzäunen lesen, steht in musikpädagogischen Dingen dem Gewandhaus in nichts nach. Dort verkauft man ein Solokonzert Schumanns in a-Moll und Mendelssohns Hebriden-Ouvertüre als „Konzert für Neugierige“ (7. September). Als Garanten für qualitätsvolle Neugier und Spannung fungieren dabei Ursula von der Leyen (Schirmherrschaft – …frauschaft. Hehehe) und Peter Korfmacher (Moderation).
Echtes Leipziger Finale auf dem Rückweg nach Hause: die Polizei aus Stadt und Umland bringt sich in Position fürs Fußballspiel heute Abend. Bremen schickt sich an, Lok vom Felde zu pusten. Die Polizei schickt sich an, den hiesigen Fans nach Spielausgang mit Rat und Tat – eher wohl mit Tat – zur Seite zu stehen.


4 Kommentare:
ist das Bild im Header zufällig am 19.8. entstanden? Da war ich gerade in Halle und bekam eine ebensolche Götterdämmerung (mit Kulisse von halle-neustadt) geliefert…
Ich habe das Datum einmal nachgeprüft und du wirst lachen: es ist vom 19.8.!
wusst ichs doch…die Wolke links oben kam mir so vertraut vor ;)
is ja irre! die götterdämmerung vom 19.8. reichte sogar bis runter nach naumburg. nur die wolken waren da anders irgendwie ;)
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