Ewig, das ist ewig. – Das sieht er ein.
Es ist 9.30 Uhr. Keine Komponistenuhrzeit. Keine Flötistenuhrzeit außerdem, nehme ich an. Aber die Studiokonzerte haben begonnen, und denen schlägt keine Stunde. Verbreitete Gattung dieses Jahr: Geister- und Beschwörungsmusik. Stimmungsvolle Längen, stimmungsvolle Pausen, rituell aufgeladene Klänge und Gesten. Uff. Was gestern um 17 Uhr in dieser Art begann, setzt sich heute um halb zehn fort. Eben schepperten sich Erik Jansons „Serzierte Nymphen“ (Flöte, Cello, Klavier) durch den frühen Morgen, dann verbreitete Ji Young Kang Tempelstimmung mit ostinaten heiltherapeutischen Trommelschlägen und nennt das den „Gesang der Ewigkeit“.

Klaus Huber steht den jungen Kollegen in Sachen großzügige Zeitbegrifflichkeit in nichts nach. Programmatisch titelte er 1972 „Ein Hauch von Unzeit“, das in einer Fassung für Kontrabass so gekonnt wie geduldig interpretiert wird. So sieht sich der fleißig alles Besuchende heute mit einem Tagesplan konfrontiert, der sukzessive Konzertereignisse zu folgenden Terminen vorsieht: 9.30, 10.30, 11.30, 14.00, 15.00, 16.00, 17.00 und 20.30 Uhr. Ein herrliches Überangebot, dem man sich leider selektiv entziehen muss, will man an den besuchten Aufführungen noch aufmerksame Freude haben. Highlight heute abend: Ensemble modern bringt Ferneyhough, Rihm und Tsangaris.


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