Montag, 7. Juli 2008

Tsangaris über Tsangaris

Darmstadt, 9.30 – 11.30. „MDR Artour“, latentkulturelle Fernsehsendung respektive televisionäres „mdr Figaro“-Radio-Äquivalent, berichtete kürzlich: Mitarbeit einer Leipziger Arbeitsagentur-Filiale sangen Arbeiterlieder Hanns Eislers für ihre Klienten, ähm, also Arbeitssuchende. Musik und Alltag? Welchen Zusammenhang hat das?

Manos Tsangaris, heiterer Komponist, sucht für eigene Werke ähnlich unorthodoxe Lokationen, aber begründet das so: Aus Musikereignissen an Plätzen wie dem Turm des Kölner Doms oder dem großen U-Bahnhof in Bielefeld (am Stadion der Arminia) ergebe sich keine Verbindung mit Alltagsorten, als dass vielmehr eine neue Distanz zum alltäglichen Umfeld, eine physiologische Abgrenzung erwüchse. Deutlich macht das Manos Tsangaris in dieser Lecture um halb zehn per DVD (mit der er noch gestern Nacht zwecks ihrer Laufbarmachung badete, „that’s not a smart thing to do“, O-Ton Dolmetscher) anhand seines Musiktheaters „Orpheus – Zwischenspiele“, aufgeführt in besagtem Bielefelder Bahnhof. Darin fährt in zwei Bielefelder U-Bahnen auch das Publikum in die Unterwelt, Dionysos, mit Bart und Frauenbrüsten, sitzt dabei in Proletenpose auf den Rücksitzen. Und „Sisyphos auf der Rolltreppe, klar“ (Tsangaris).

Erste wertende Einschätzung des Komponisten selbst: „Das ist sehr primitiv gemacht. Aber wie Sie sehen: es klappt!“

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