Wurzel aus 549633
Die FAZ vom Tage stellt die Leipziger Weltmeisterschaften im Kopfrechnen, die im Rahmen des fulminanten Wissenschaftssommers stattfinden, prominent auf Seite 1. Darunter auch das von Mathematikommilitonen viel gerühmte so genannte Beutelspacher Sofa, oder heutige Veranstaltungen zum Thema Mathematik an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig (15.00 – 18.00 Uhr „Workshop zum Thema Musik & Mathematik“, 19.30 – 21.00 Uhr „Konzert mit Musik des 20. und 21. Jahrhunderts“).
„Der Spiegel“ von vorgestern hingegen lässt allerlei Herren in der Leserbriefspalte zu Wort kommen zum vorhergehenden Titelthema, das da lautete: „Fünfzig Jahre Emanzipation. Was vom Mann noch übrig ist“. Vor leerer Wand abgelichtet war da fürs Titelbild 26/2008 da ein nackter Adonis, ein blonder Arier, schamig die Hände über den Schritt formend, als bestünde Gefahr, „die Frau“ könnte ihm die testes abbeißen. So unsäglich sie ist, die Fragestellung, so sehr impliziert sie die Antwort: Nicht mehr viel ist übrig vom Mann. War aber vielleicht auch noch nie viel da, zumal in Deutschland. So werden in den Leserbriefen Pflichten eingefordert für die Frauen: Musterung und Wehrdienst für Sie (wo doch schon Er kaum mehr eingezogen wird). Hieße umgekehrt aber, den Herren Soundso aus Bayern aufzufordern, sich eine Gebärmutter implantieren zu lassen. Was für ein Gewinn!
In Schweden gibt es Wickeltische in öffentlichen Herrentoiletten; wie kastrierte halbe Portionen sehen mir die männlichen Landsleute dennoch nicht aus. Und Homosexuelle? Gegen deren Herausforderung, sich trotz gleichgeschlechtlicher Orientierung (ohne dass die so genannte „Natur“ – von mittelalterlicher Justiz („contra naturam“) bis Euthanasie gern gebrauchte Argumentationsinstanz – irgendein vermeintlich „schwaches“ oder „starkes“ Geschlecht prädeterminiert) Platz und Rolle zu erkämpfen, nimmt sich das vermeintliche Schicksal des durchschnittlichen Rasen mähenden und BWL studierenden Reihenhausheterosexuellen durchaus lächerlich aus.
Aber das Thema, und es muss ein populäres sein, denn nur solche landen vorne auf dem Magazin (Georg Mascolo et al.), zeigt auf, dass der durchschnittlich Beknackte deutscher Herkunft und männlichen Geschlechts mit seiner Existenz überfordert zu sein scheint. Als Ratschlag an Jene der Verweis auf die „dritte Sozialisationsphase“ (Friedrich Kron), welche besagt: Change is possible (Barack Obama), oder: Auch nach dem Erwerb der Geschlechtsreife („zweite soziale Fixierung“ – was für ein Begriff!, wieder Friedrich Kron) kann man seinen Platz in der Gesellschaft finden, einen neuen und ganz anderen als bisher.


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