Monday, 21. July 2008

Geschichten aus dem Teutoburger Wald


Darmstadt est fini. Nach mehr als zwei Wochen schlafdefizit?§rer und erregter Ferienkurse schloss am Samstag 19. Juli 2008 die hessische Studienmassenveranstaltung mit einem Konzert des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg unter der Leitung Johannes Kalitzkes. Drei gewaltig besetzte Werke (Vykintas Baltakas, *1972: Poussla. Misato Mochizuki, *1969: Homeobox. Wolfgang Rihm, sakrosankt: IN-SCHRIFT) erf?ºllten gro?üklangig die vom Sonnenuntergang ins Rosarot getauchte Sporthalle am B??llenfalltor. Den drei St?ºcken folgte eine kurze Pause, um den Abend mit der Verleihung zahlloser F??rder- und Musikpreise an eine kleine Zahl w?ºrdig ged?ºnkter Studierender abzuschlie?üen.

Der erste Teil, das Konzert, lie?ü wundern. Baltakas zwar fasste das Orchester recht zart an, evozierte mit seiner unattraktiven Blockhaftigkeit und dem unausgelasteten obligaten Soloensemble beim H??rer Gleichm?ºtigkeit, und irritierte vollends, als gro?üe Gesten und Kl?§nge Wagners zu t??nen schienen. Unzufriedenheit. Reizvoll instrumentiert und ausgeh??rt wusste Mochizuki zwar Spa?ü zu machen, lie?ü die Sache aber durch Motorit?§t und einige alberne Passagen erlahmen. So kennzeichneten rhythmische bin?§re Unentwegtheiten und so ein vages Gef?ºhl einer ‚ÄûSacre‚Äú-Mottoparty besprochene erste beide Werke des Abends.

Dann kam Rihm.

Um die ?úberschrift dieses Eintrags zu explizieren, hole ich etwas aus. Johann Strau?ü minor n?§mlich walzte 1868 jenes sein Opus 325, kurzum seine zigste Orchestergelegenheit, ?ºber den Wienerwald. Dann tondichtete sein Namensvetter zweiten Grades, Richard Strauss, deutschnationaler Orchestermassierer und belegter Ma?üen Vertreter unentarteter Musik, 30 Jahre sp?§ter mit Wumms das (respektive sein) ‚ÄûHeldenleben‚Äú op. 40. Hier also kommt der Karlsruher Repr?§sentationskomponist Wolfgang Rihm (56) ins Spiel. In seiner Person vereinen sich die hohen Opuszahlen (und zeitgew??hnliche Werktitelierungen) Strau?üscher, und der ?ºberbordende, pathetische und krachige Charakter Straussscher Orchesterwerke, abget??nt durch eben jenes Ma?ü von Feierton und Langatmigkeit, das wie Richard Straussens o.g. Tonepos autobiografischen Gehalt herauszulesen zwingt.

Rihm ist als traditionaler Komponist nur zu begreifen.

Aber in medias res. IN-SCHRIFT (1995) von Rihm beginnt laut. ‚ÄûWie immer‚Äú, konstatiert entnervt ein Nebenmann und erfindet spontan, in Anlehnung an den Fachbegriff f?ºr einen speziellen, sehr lauten Trommelschlag, die Pseudovokabel ‚ÄûRihm-Shot‚Äú. So sehr ich Rihms gelegentlichen polyphonesken Zerfaserungen lieb habe, so wenig kann ich mit den Dauern und zeitlichen Entfaltungen seiner Werke Freundschaft schlie?üen. Und unabh?§ngig von Fragen der Zeit ist da bei Wolfgang Rihm auch mal wieder jener Punkt, bei dem auch in Sachen Gestus der Allumarmung keiner mehr wei?ü, was das soll. Das Orchester gl?ºht und treibt in Blocks?§tzen an. Im ‚ÄûHerr der Ringe‚Äú-Film k?§men solche Musiken, um zu illustrieren, dass es an den Fronten brennt und Heeresmassen auszuheben sind, oder wenn die gefallenen Eigenen betrauert werden. Und so denke ich, als zum N??rgeln erzogener Geschichtsp?§dagoge, dann unabwendbar im Laufe des St?ºcks, pl??tzlich schiene Vergangenheit wieder unbew?§ltigt.

Schon w?§hrend des Konzerts ahne ich jedenfalls, was meine amerikanischen Kommilitonen (in diesen Dingen geradezu barometrischer Kompetenz gesegnet) denken werden. Ich w?ºrde Recht behalten. Die Kalifornier aus dem Westen scheinen zur Zeit n?§mlich in grunds?§tzlichem Widerspruch zu Musikauffassungen der Hyperurbanisten aus New York im Osten zu stehen. Kurzum: Den Menschen aus Brooklyn gefiel das Konzert; die jungen Kalifornier hingegen waren anschlie?üend am Ende ihrer Nerven.

Kurios.

So polarisierten die gespielten Werke. Angeblich buhten einmal auch Dozenten. Bei ihrer Juryarbeit, kolportieren Kommilitonen deren Unmut, w?ºrden sie gegen?ºber den Studentenleistungen so sehr zu Strenge angehalten. Warum also unkritische Solidarit?§t ?ºben, warum clementia collegae.

Bei den Preisverleihungen schlie?ülich kocht die Stimmung ?ºber. 191 Komponisten sind vor Ort, und Viele rechnen sich Chancen aus. Bei nur acht zu vergebenden F??rderstipendien und drei Kranichsteiner Musikpreisen ist mit Kompromissen zu rechnen und hitzige Atomsph?§re vorprogrammiert. Am Ende gibt es viel gro?üen Jubel, zugleich viel Unmut und Unverst?§ndnis. Einigen Kommilitonen ist nach der Veranstaltung zum Feiern keineswegs zu Mute; im Weblog der nmz.de kennt die Zerknirschtheit keine Grenzen mehr.

Das Abschlusskonzert war harmlos. Ob des Bierausschanks aber voll befriedigend.
Und ‚ÄûDarmstadt‚Äú war trotz aller M?§kelei ein gro?üer Spa?ü.

Friday, 18. July 2008

Ewig, das ist ewig. – Das sieht er ein.

Es ist 9.30 Uhr. Keine Komponistenuhrzeit. Keine Fl??tistenuhrzeit au?üerdem, nehme ich an. Aber die Studiokonzerte haben begonnen, und denen schl?§gt keine Stunde. Verbreitete Gattung dieses Jahr: Geister- und Beschw??rungsmusik. Stimmungsvolle L?§ngen, stimmungsvolle Pausen, rituell aufgeladene Kl?§nge und Gesten. Uff. Was gestern um 17 Uhr in dieser Art begann, setzt sich heute um halb zehn fort. Eben schepperten sich Erik Jansons ‚ÄûSerzierte Nymphen‚Äú (Fl??te, Cello, Klavier) durch den fr?ºhen Morgen, dann verbreitete Ji Young Kang Tempelstimmung mit ostinaten heiltherapeutischen Trommelschl?§gen und nennt das den ‚ÄûGesang der Ewigkeit‚Äú.

Klaus Huber steht den jungen Kollegen in Sachen gro?üz?ºgige Zeitbegrifflichkeit in nichts nach. Programmatisch titelte er 1972 ‚ÄûEin Hauch von Unzeit‚Äú, das in einer Fassung f?ºr Kontrabass so gekonnt wie geduldig interpretiert wird. So sieht sich der flei?üig alles Besuchende heute mit einem Tagesplan konfrontiert, der sukzessive Konzertereignisse zu folgenden Terminen vorsieht: 9.30, 10.30, 11.30, 14.00, 15.00, 16.00, 17.00 und 20.30 Uhr. Ein herrliches ?úberangebot, dem man sich leider selektiv entziehen muss, will man an den besuchten Auff?ºhrungen noch aufmerksame Freude haben. Highlight heute abend: Ensemble modern bringt Ferneyhough, Rihm und Tsangaris.

Thursday, 17. July 2008

“And He shall purify”

Die Tage zogen ins Land und hier im Onlinetageb?ºchlein war nichts Neues zu lesen. Darmstadt vorbei? Weit gefehlt. Im Gegenteil, die Konzertfrequenz nahm sogar zu. Allein, ob die Lectures sich ver?§nderten, vermag ich mangels regelm?§?üiger Teilnahme nicht qualifiziert zu beantworten. Alsdann, versuchen wir, die vergangene Zeit in Ausschnitten zu rekapitulieren.

Montag, 14. Juli, Sporthalle am B??llenfalltor. Ein Ort, dem erst k?ºrzlich bei einem Konzertereignis mit dem Ensemble ascolta nicht von sich Reden zu machen gelang. Am Montag schlie?ülich programmierte der Festivalplan ein ‚ÄûSchlagzeug Konzert‚Äú. Mal mehr, mal weniger Schlagwerker spielten drei, mal mehr, mal weniger laute, Werke. Eine australische Komponistin lie?ü sage und schreibe 12 (in Worten: zw??lf) Schlagwerker divers tirilieren und tremolieren, das gab ein gro?ües Hallo. Schlie?ülich meditierte noch Wolfgang Rihm mit dem Lautst?§rkepegel eines startenden D?ºsenflugzeugs ?ºber das Thema ‚ÄûKreuz‚Äú, z?§rtlich im Fortissimo liebkosen lie?ü er sein Sextett u.a. sechs Gro?üe Trommeln, ?ºber die schon Walter Piston, der personalunione Delling und Netzer in Sachen Orchestration, wusste: Wenn die Gro?üe Trommel nur ordentlich knallt, spielt es keine Rolle mehr, welcher Akkord im Sinfonieorchester erklingt (Piston lebte in einer Zeit und in einem Land von Moll und Dur. Heute spielt ohnehin oft keine Rolle mehr, welcher Akkord im Sinfonieorchester erklingt).

Tags drauf, am Dienstag, den 15. Juli, irritierte beim Dozentenkonzert II um 17 Uhr in der Orangerie Herr Jermias Schwarzer, Blockfl??ten-Dozent bei den Ferienkursen, mit einer paradoxen Bewertung der Ergebnisse vom Kompositionswettbewerb ‚Äûmodern recorder project‚Äú: 50 ‚Äûhigh quality‚Äú Kompositionen seien eingereicht worden, lobte er; anschlie?üend zeichnete er aber nur eine einzige davon mit Preis aus ‚Äì und zwar mit einem zweiten. High quality Blockfl??tenensemble im Anschluss.

Mittwoch, 16. Juli, Turnhalle um 14 Uhr. Brian Ferneyhough und Wolfgang Rihm lassen sich ein auf das vorgegebene Diskussionsthema: ‚ÄûKomposition unterrichtet?‚Äú Ein au?üerordentlich vers??hnliches Aufeinandertreffen zweier ‚ÄûDinosaurier‚Äú (Manos Tsangaris) findet statt. ‚ÄûSpeaking of Freiburg‚Äú, hebt Ferneyhough an, und beginnt zu berichten von einem legend?§ren Ort und seiner Unber?ºhrbarkeit, wei?ü aus alten Zeiten ?ºber ‚ÄûKlaus Hubers organisatorische F?§higkeiten‚Äú zu sagen, dass jene ‚Äûnicht besonders ausgepr?§gt waren‚Äú. Man schwelgt gemeinsam von ‚Äûder Mystik des leeren Blattes‚Äú, Zwist ist nicht in Sicht. Ferneyhough legt den Studierenden nahe, ?ºber ‚Äûdie richtigen Mittel … f?ºr eine bestimmte Situation‚Äú zu reflektieren, Rihm vergleicht seine Unterrichtsarbeit bildhaft mit der Unkrautzupferei eines G?§rtners (was, mit Verlaub, an die NS-affine ‚Äûjunge B?§ume muss man anbinden‚Äú-P?§dagogik aus dem Durchhaltemovie ‚ÄûFeuerzangenbowle‚Äú mit Heinz R?ºhmann erinnert). Rihm r?§t an: ‚ÄûReinige das, was du hier hast, von allem Zierrat. Das ist vielleicht etwas ?§rmer, aber es ist Deines.‚Äú

Donnerstag, 17 Juli um 14 Uhr, wird in der Turnhalle der Lichtenbergschule seitens einiger Teilnehmer der Ruf nach mehr ‚Äûcommunity‚Äú und nach ‚Äûalle zusammen‚Äú laut. Die Debatte ‚Äûmusicians discuss Darmstadt‚Äú verliert nicht erst an Pr?§zision, als sie ans Plenum weitergegeben wird. Ein Kommilitone fordert Zusammenarbeit mit Kinderg?§rten, ein anderer bringt die Vokabel ‚ÄûBringschuld‚Äú ins Spiel, ein italienischer Komponist beklagt die Einsparungen im Kultursektor seines Heimatlandes, pl??tzlich holt ein Musikwissenschaftler weit aus und spricht von der Illusion des postmodernen Pluralismus und m??chte die Zweite Moderne in Darmstadt diskutiert sehen. Kurz ?§u?üert sich noch, ohne bemerkenswert zur Kenntnis genommen zu werden, eine vor wenigen Tagen bei der Vergabe des Staubach-Preises nicht Bedachte, und ein Studierender wundert sich ?ºber das Motto der Veranstaltung, er selber habe, au contraire den marx??sen Discuss-Darmstadt-Thesen, mit seiner Individualit?§t n?§mlich kein Problem. Aber auch dar?ºber kann nicht weiter gesprochen werden, die 60 Minuten sind vorbei. … Die Diskussion darf als krepiert gelten und wird ohne Zweifel in die Annalen der Ferienkurse nicht eingehen

Selber Tag, 15 Uhr, immer wieder gerne Wolfgang Rihm im Gespr?§ch, heute: ‚ÄûGejagte Form(en) in der Musik‚Äú. Wer sich nicht am gewissen didaktischen und v?§terlichen Habitus Rihms Rede st??rt, darf sich ?ºber Anekdoten und heitere ?Ñu?üerungen freuen. In seinem Werk sei, keine Neuigkeit, ‚Äûalles instinktgeleitet‚Äú und Adorno sei ihm bekannt geworden als ‚Äûein kleiner, rundlicher Mann‚Äú. Aha, aha. Schlie?ülich richtet er sich, in Rekurs auf das etwas wundersam-kollektivierende Studentenzusammenkommen um 14 Uhr, an die Teilnehmerschaft und erkl?§rt im gro?üen Duktus eines Jugendpfarrers von der Zeit, als er selber Student in Darmstadt gewesen sei, nur 18 Jahre alt, und dass es ihm damals ging, ‚Äûso wie es vielen von euch geht. Allein gelassen, hilflos. Aber das ist vielleicht mein Kraftmoment … Da kann man auch Kraft draus ziehen, dass man eben anders ist.‚Äú Noch eine Frage, noch eine, noch eine, danke, danke, Dank auch dem Dolmetscher, Zeit vorbei.

Sunday, 13. July 2008

St. Ferneyhough

Das Arditti-Quartett in der Orangerie Darmstadt, 12. Juli 2008.Er ist offenbar wieder angekommen: Brian Ferneyhough, der Mann, der zu den studentischen Eigenpr?§sentationen des ‚ÄûYoung Composers Forum‚Äú in der Manier eines ‚ÄûIM Gregor‚Äú zu sto?üen pflegt, n?§mlich etwas versp?§tet und sich dramatisch aus dem Dunkel der unpr?§tenti??sen Turnhalle der Lichtenbergschule l??send, ist f?ºr die 191z?§hlige Kompositionsstudierendenschar eine feste Gr???üe und Autorit?§t. Kein Kompositionsdozent ist f?ºr Unterrichte gefragter als der vergangenen Jahres gener??s mit 200.000 Euro gek?ºrte Siemenspreistr?§ger, keines der bisherigen Konzerte beklatschter als seine famosen gestrigen in der Orangerie mit den Ardittis um 17 Uhr (Sonatas for String Quartet von 1967) und um 20.30 Uhr (Streichquartette zwei bis f?ºnf).

Nichts mehr ist zu merken von den Darmst?§dter Anekdoten des Aufbegehrens, wie man sie als Student im 21. Jahrhundert nur noch aus der Musikgeschichtevorlesung kennt. Keine ‚ÄûFerneyHOUGH ab!‚Äú-Tafelanschriebe, und auch ist allhier in den Konzerten nichts mehr zu h??ren von den einstigen gr?§flichen Attent?§tern.

Grandios musizierten schlie?ülich Lukas Fels, Ralf Ehlers, Ashot Sarkissjan und Irvine Arditti als das gleichnamige Streichquartett die ferneyhoughschen selbigen, nicht weniger souver?§n sang au?üerdem Claron McFadden (Sopran) im vierten Quartett. Ein einzigartiges Erlebnis, das die leidige Frage, ob die legend?§r rasant komplizierten Girlanden und Rhythmen akkurat umgesetzt wurden, obsolet werden lie?ü. Der relaxte, virtuosische und v??llig m?ºhelose Gestus der Ardittis erhielt im Programmheft seine schwarz auf wei?üe Erkl?§rung: ‚ÄûDrittes Streichquartett ‚Äì 99. Auff?ºhrung durch das Arditti-Quartett‚Äú.

Und nein, etwas anderes als v??llige Souver?§nit?§t l?§sst sich Irvini Arditti auch nicht anmerken. Zigarillos vor und nach dem Konzert und dazwischen. Und dann seine Spr?ºche. Als Ashot Sarkissjan, Jahrgang 1977, wegen der gro?üen Notendrucke des f?ºnften Streichquartetts f?ºr einen zus?§tzlichen Notenst?§nder aufzustehen gen??tigt ist, ?§u?üert Irvine seine Bef?ºrchtung, Sarkissjan wollte wohl keinen Ferneyhough mehr spielen. Als das ?ºberformatige Notenpapier nicht so recht auf die Ablage passen will, kommentiert er das j?ºngste Streichquartett Ferneyhoughs als ‚Äûnot very long, but very wide‚Äú.

Und schlie?ülich danke er ‚ÄûSolf‚Äú, also Solf Schaefer, der Direktor des Internationalen Musikinstituts Darmstadt, setzt er kurz vor Konzertbeginn an, dass sie den Darmst?§dter Ferienkursen diesen Abend einen kleinen Beitrag ‚Äûof light entertainment‚Äú beisteuern d?ºrften. Sie erwarteten allerdings f?ºr die kommenden Ferienkurse 2010 Ferneyhoughs sechstes Streichquartett: in Hoffnung auf eine ‚Äûreal challenge‚Äú.

Sunday, 13. July 2008

‚ÄûWie R?§uber am Wegesrand‚Äú

Bilden Sie ein Werkkonzept aus den W??rtern: Parabolspiegel, Toscanini, Amme, Beethoven, Steinbruch, Agent, Coriolan, (Walter) Benjamin. Mit dieser lustigen Begriffsverkettung konnte Anfang der Woche noch Robin Hoffmann die Entstehung seiner Orchesterkomposition ‚ÄûSchorf‚Äú erkl?§ren. Diese n?§mlich beginnt mit einem langen Ton c (respektive C) in allen Streichern und ‚Äì Peng! ‚Äì Akkord! Durchatmen, Pause, und noch einmal: … C, und ‚Äì Zack! ‚Äì Akkord! … Das ist aber eben nicht Hoffmann, sondern eins zu eins ein klassischer Orchester-Opener vom Ludwig van. Und warum Zitate? Gute Frage (sage ich). Sie helfen ihm (sagt er), ?ºber seine Musik zu sprechen. Dann hat Robin Hoffmann dazu noch ein Benjamin-Zitat auf Tasche, eines mit R?§ubern und eigener ?úberzeugung, das nicht so richtig verstanden wird, und von dem Hoffmann auch nicht ganz wei?ü, wo er es gelesen hat.

So eine Veranstaltung hei?üt Lecture. Eine Lecture bei den Ferienkursen erinnert in Ablauf und Attraktivit?§t oftmals an Studentenreferate am Historischen Institut der Uni Leipzig, sie dauert zwischen 45 und 90 Minuten, denen sich im Regelfalle zwei bis drei passioniert-leidenschaftslose Fragen anschlie?üen.

Da holte Brian Ferneyhough gestern fr?ºh, am Freitag um 9.30 Uhr im Basislager Turnhalle, deutlich weiter aus. 90 Minuten?.. ‚ÄûNoch Fragen?‚Äú hie?ü es da erst nach zweieinviertel Stunden Vortrags. Noch Fragen? Eine. Plus die obligatorische ?Ñu?üerung seitens der Moderation. Das k??nnte daran liegen, dass Ferneyhough in diesem Marathon mehr Gedanken ins Spiel zu bringen wusste, als der durchschnittlich schlafentzogene Student von dem harmlosen Vormittag wahrscheinlich erwartet hatte.

Er spricht ?ºber Bruckner, Motetten, Salome von Richard Strauss, und Jean Sibelius. Dann r?§umt er Mitverantwortung ein f?ºr die wackelige Urauff?ºhrung seines Orchesterwerks ‚ÄûPl??tzlichkeit‚Äú bei den Festtagen f?ºr Neue Musik in Donaueschingen 2006. Zwar sei da ein ‚Äûchange of the conductor‚Äú und ‚Äûmany other things‚Äú gewesen. Aber auch der ‚Äûlate delivery‚Äú des Auff?ºhrungsmaterials seinerseits. Er spricht ?ºber das Gitarrenkonzert in seiner Oper ‚ÄûShadowtime‚Äú (‚ÄûWhat does it do in an opera? It depends on what you think an opera is‚Äú) und seine Verwirrung (‚ÄûOh dear!‚Äú), als ein H??rer ihm damals sagte, nach der zweiten Auff?ºhrung h?§tte jener im B?ºhnenwerk einen Formzusammenhang erkannt (wo er doch so bem?ºht gewesen sei, ‚Äûto destroy the concept‚Äú). Dann r?§t er noch jungen Komponisten zum R?ºckw?§rts komponieren und zu Amnesie.

Ferneyhough ist ein Kuriosum. Sein Vokabular ‚Äì Ferneyhough referiert auf Englisch ‚Äì ist beeindruckend, es ist die Rede vom ‚Äûdouble ground‚Äú, ‚Äûfaked time‚Äú und ‚Äûconfused multiplicities‚Äú. Zugleich scheint er (lange lebte er schlie?ülich in Deutschland) ohne deutsche Begrifflichkeit nicht auszukommen, und so ist sein Flie?ütext gespickt mit ‚ÄûBlicken‚Äú, ‚ÄûUmfeld‚Äú, ‚ÄûSchadenfreude‚Äú, ‚ÄûDeutung‚Äú, ‚ÄûFr??mmigkeit‚Äú, ‚ÄûErhabenheit‚Äú. Und ‚Äì selbstverst?§ndlich ‚Äì ‚ÄûPl??tzlichkeit‚Äú.

Ein wunderbarer Tagesabschluss gestern das Konzert mit Werken Marco Stroppas in der Orangerie: ‚ÄûHommage ?† Gy??rgy K.‚Äú (2003-2004) f?ºr Klarinette, Viola und Klavier (ebenso zart und pr?§gnant, wie auch zeitgem?§?ü komponiert; vorz?ºglich interpretiert von Ernesto Molinari, Pi-Hsien Chen und Barbara Maurer) und ‚ÄûSpirali‚Äú (1987-1988) f?ºr Streichquartett und Elektronik (fraglos ?ºberzeugend dargeboten vom Arditti Quartett).

Ardittis auch wieder heute: ‚ÄûSonatas for String Quartet‚Äú von 1967 nachmittags um f?ºnf, die Streichquartette 2-5 in einer halben Stunde.

Thursday, 10. July 2008

Immer an der Wand lang

Darmstadt-Ferienkurse-Flur 2008Nach einem durchwachsenen Dozentenkonzert in der Orangerie am Dienstag (Klaus Lang: ‚Äûdrei fl?ºchtige ber?ºhrungen‚Äú f?ºr Blockfl??te und Koto. ?Ñu?üerst fl?ºchtige, muss ich sagen) folgte in Darmstadt gestern der bikonzertale Mittwoch: Zun?§chst um 17 Uhr musizierte das Ensemble ascolta Werke der Darmstadt-Preistr?§ger von 2006, die bei den Zuh??rern bald Ausbuhgef?ºhle evozierte, bald Schl?§frigkeit ausl??ste, bald Applaus verhinderte. Den Antih??hepunkt steuerte Nikolaus Brass bei mit ‚Äûabgewandt‚Äú f?ºr Kammerensemble, da gongte, trommelte und tamtamte es gewaltig im ‚ÄûEntrada‚Äú getitelten Anfangsabschnitt, den er gleichsam mit Pauken und Trompeten gestaltete, wie subtil und geschmackvoll, Herr Brass.

Um 20.30 Uhr, wieder in der Orangerie, war Kurt?°g-Themenabend angesagt: Seine Kafka-Fragmente op. 24 (d.h. das erste St?ºck bis zur Pause) dauerten f?ºr sich schon 90 Minuten. Das Werk spaltete die Zuh??rerschaft: Einerseits war der Saal gerammelt gef?ºllt, wie sonst nie; andererseits verloren nicht Wenige ihre Nerven w?§hrend dieser langwierigen Komposition f?ºr Violine und Sopran. Zwar boten die Solisten grandiose Leistungen, doch dem Gy??rgy Kurt?°g ist das Plakative heilige Pflicht, und so pr?§sentierten sich die Lieder als Aneinanderreihung der denkbar illustrativsten Textauslegungen. Das Ensemble interpretierte das Ihre im zweiten Teil recht heiter und theatralisch, und der Freude im Auditorium tat nichts keinen Abbruch: Gr???üter Applaus seit Er??ffnung der Ferienkurse!

Ist das nicht kurios? So sehr an den Texten klebend, so konservativ, so akademisch angestaubt empfunden: Warum wird da gejohlt und so gewaltig geklatscht?

Krise in Darmstadt?

Vieles deutet darauf hin. Nicht zuletzt Brian Ferneyhough, modernistisches Urgestein aus GB/Freiburg/USA, vermied heute zu einschl?§gigen Studentenfragen diese sich auspr?§gende Problematik bereffend klare Antwort.

Man wird ein Auge werfen m?ºssen auf das, was am Ende bleibt, was die Ferienkurse 2008 in den kommenden Tagen noch auszeichnen wird: Die Studiokonzerte (Werkstattauff?ºhrungen zahlreicher neuster Studentenwerke, von einer Dozentenjury programmiert) am 17. Juli ff., wie auch die Verleihung der F??rder- oder Anerkennungsauszeichnungen Staubach- und Kranichsteiner Preis. Schlie?ülich kommt den Ferienkursen keine geringe Bedeutung zu, die traditionale Besetzung ist massiv, die internationale Wahrnehmung ‚Äì ganz offensichtlich ‚Äì nicht gering.

Was wird eine Rolle spielen, welche Personen geraten in den Vordergrund, welche Gedanklichkeit wird dann par ordre de mufti rittergeschlagen?

Tuesday, 8. July 2008

Armin K??hler vs. Manos Tsangaris

Darmstadt, 14 Uhr: Zeit f?ºr die n?§chste Plauderrunde ‚ÄûOpen Space‚Äú. Zur letzten Ausgabe derselben Reihe vor zwei Tage m?§anderten sich Klaus Lang und Manos Tsangaris fortw?§hrend durch die Fragestellung ‚ÄûWer macht die Musik?‚Äú, ?ºbrigens stets bilingual brillant vermittelt durch den Dolmetscher, der im ganzen Programmheft nicht ein einziges Mal namentlich erw?§hnt wird, obwohl er in jeder Lecture, jedem Vortrag und jeder Diskussion doch der verbal, bisweilen auch geistig, regsamste Teilnehmer sein d?ºrfte.

Wer also macht die Musik? Klaus Lang konstatiert in der Branche eine ‚ÄûVermittelalterlichung‚Äú: Konzertveranstalter und Kuratoren agierten mit kuriosen Zusammenstellungen, Mottogebungen und thematischen Vorgaben wie im Mittelalter der Kunststifter oder der rege Kunstwerke bestellende Klerus. Der K?ºnstler als Handwerker im Dienste der Theologen damals respektive des Festivalbetriebs heute. Soweit diese Grundannahme. Manos Tsangaris erg?§nzt einen Erkl?§rungsversuch mit der Suche nach historischer Parallelit?§t: ‚ÄûSeit Kinder erstmals mit verru?ütem Gesicht aus den Gruben stiegen‚Äú, also zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Zuge der einsetzenden Industrialisierung, entwickelte sich in der Kunst und in der Musik das idyllische Naturbild. Nun die Analogie zur Neuen Musik: Seit die Musik ‚Äûzu verschwinden droht‚Äú, nehme der konzeptuelle Gedanke bei der Konzertorganisation zu, griffen die Auftraggeber und Intendanten in die Entstehungsbedingungen von Kompositionen substantiell ein. Zuspitzend vergleicht Tsangaris schlie?ülich die Konzertveranstalter mit DJs, die hier bestellen, dort bestellen, beliebig mischen.

Festivalkuratoren als DJs? Da steht ein Herr einige Pl?§tze links von mir auf: Armin K??hler, Intendant der Festtage zu Donaueschingen: ‚ÄûIhr doch auch!‚Äú Ihr, die Komponisten, meint er. ‚Äì Manos Tsangaris interessiert das wenig, verkreuzt die Arme und murmelt etwas vor sich hin. ?úberhaupt erscheint er als eine souver?§ne, strahlende, sonor artikulierende und lebhaft schauspielende Gestalt (Klaus Lang bleibt hingegen in Erinnerung durch dessen h?§ufigen Verweise auf die ‚ÄûAbh?§ngigkeit‚Äú der Komponisten).

Ansonsten wird man sich einigen, dass heutzutage ‚Äì Postmoderne, ohee! ‚Äì das Individuum am meisten bedeute, wir seien doch alle ‚ÄûIndividualk??nige‚Äú, sagt Tsangaris, wo bliebe denn heute das Politisieren (Arno L?ºcker dazu in der nmz online), fr?ºher, da war die Jugend kritisch. Diese Generation habe auch heute, drei?üig, vierzig Jahre sp?§ter noch ‚ÄûAdorno im Blut, als Doping. Das hat so einen hormonellen Aspekt.‚Äú

Nun denn. Zu tun habe man es heute mit einer ‚Äûhistorisch schlaffen Situation‚Äú, ‚Äûdie Biografie ist, was heute am meisten z?§hlt‚Äú. Und bissig erfindet er ein typisches autobiografisches Statement: ‚ÄûMeine Eltern waren beide taub, ich bin im Keller aufgewachsen, mit 21 war ich ein genialischer Komponist und habe mein erstes Orchesterst?ºck geschrieben.‚Äú Jeder ahnt, wer gemeint ist.

Armin K??hler interessiert das wenig, verkreuzt die Arme und murmelt etwas vor sich hin.

Monday, 7. July 2008

Tsangaris ?ºber Tsangaris

Darmstadt, 9.30 – 11.30. ‚ÄûMDR Artour‚Äú, latentkulturelle Fernsehsendung respektive television?§res ‚Äûmdr Figaro‚Äú-Radio-?Ñquivalent, berichtete k?ºrzlich: Mitarbeit einer Leipziger Arbeitsagentur-Filiale sangen Arbeiterlieder Hanns Eislers f?ºr ihre Klienten, ?§hm, also Arbeitssuchende. Musik und Alltag? Welchen Zusammenhang hat das?

Manos Tsangaris, heiterer Komponist, sucht f?ºr eigene Werke ?§hnlich unorthodoxe Lokationen, aber begr?ºndet das so: Aus Musikereignissen an Pl?§tzen wie dem Turm des K??lner Doms oder dem gro?üen U-Bahnhof in Bielefeld (am Stadion der Arminia) ergebe sich keine Verbindung mit Alltagsorten, als dass vielmehr eine neue Distanz zum allt?§glichen Umfeld, eine physiologische Abgrenzung erw?ºchse. Deutlich macht das Manos Tsangaris in dieser Lecture um halb zehn per DVD (mit der er noch gestern Nacht zwecks ihrer Laufbarmachung badete, ‚Äûthat‚Äôs not a smart thing to do‚Äú, O-Ton Dolmetscher) anhand seines Musiktheaters ‚ÄûOrpheus ‚Äì Zwischenspiele‚Äú, aufgef?ºhrt in besagtem Bielefelder Bahnhof. Darin f?§hrt in zwei Bielefelder U-Bahnen auch das Publikum in die Unterwelt, Dionysos, mit Bart und Frauenbr?ºsten, sitzt dabei in Proletenpose auf den R?ºcksitzen. Und ‚ÄûSisyphos auf der Rolltreppe, klar‚Äú (Tsangaris).

Erste wertende Einsch?§tzung des Komponisten selbst: ‚ÄûDas ist sehr primitiv gemacht. Aber wie Sie sehen: es klappt!‚Äú

Sunday, 6. July 2008

Bitte in Fahrtrichtung rechts aussteigen. Der Zug endet hier

Endlich: Darmstadt! Einige Versp?§tungen, einige verpasste Anschl?ºsse und eine Gro?üst??rung des S-Bahn-Verkehrs in Frankfurt Main. Aber trotzdem angekommen! Das Er??ffnungskonzert prunkte mit Gr?º?üen des B?ºrgermeisters und des hessischen Ministeriums, schlie?ülich folgten drei Urauff?ºhrungen (Robin Hoffmann, James Clarke, Isabel Mundry) und “Joachaeis” (1977) vom 2002 verstorbenen Iannis Xenakis (Kommentar Solf Schaefer heute fr?ºh: Xenakis sei mit der gestrigen Interpretation ?§u?üerst zufrieden gewesen). 10 Minuten versp?§tet trafen wir im Theater ein. M?ºdigkeit und Hoffmann strapazierten meine schwachen abendlichen Kapazit?§ten. Aber als Zusp?§tkommer war ich immerhin mit einem prominenten Sitzplatz in Reihe 1 an der Seite Gy??rgy Kurt?°gs samt Begleitung geehrt.

Weiter geht’s in der “school sport hall”. Sehr bundesrepublikanisch, hier alles.

Friday, 4. July 2008

Ferienkurse in Darmstadt 2008

Es geht los: Ferienkursbesuch im Hessischen. Die Internationalen Ferienkurse f?ºr Neue Musik in Darmstadt begleite ich per MacBook im Blog. Warten wir’s ab. Auch online mittendrin: Arno L?ºcker f?ºr nmz.de.

Thursday, 3. July 2008

Kultur mit Katharina Wagner

Katharina Wagner, Figur des ??ffentlichen Lebens und Tr?§gerin des selben Nachnamens wie Opernkomponist Richard (1813-83), plant im ‚ÄûKulturSpiegel‚Äú ihren Monat Juli. Ihre Veranstaltungstipps: Das Open-Air-Picknick der N?ºrnberger Philharmoniker im Luitpold Hain (‚Äû‚ÄöWoodstock‚Äô der klassischen Musik‚Äú, O-Ton der Veranstalter, h?ºstel) sowie Ballett im Park, ‚ÄûDornr??schen‚Äú, in Stuttgart.

Sonst genie?üe sie, wenn sie mal nicht Dornr??schen erlebt oder sonst bei Konzertsaisonabschl?ºssen zum Arien-Best-Of auf Bierb?§nken klatscht und schunkelt, Shakira (‚Äûfinde ich richtig erotisch‚Äú) oder Rammstein (‚ÄûTexte, Videos ‚Äì alles Kunst‚Äú).

Ihre hei?üeste Empfehlung allerdings f?ºr den Juli: Madame Tussauds‚Äô neue Filiale in Berlin. Das Wachfigurenkabinett (volles Programm: Hitler, Honecker, Kohl, Einstein mit w?ºster Frisur usw.) ??ffnet dieser Tage, und allzu gerne wollte Frau Wagner dorthin. ‚ÄûDie Figuren haben mich schon in London unglaublich beeindruckt. Die sehen wahnsinnig echt aus!‚Äú Das sind mal Kriterien! ‚ÄûAuch, wenn ich da pers??nlich nicht unbedingt ausgestellt werden m??chte.‚Äú Die Gefahr, Frau Wagner, besteht sicher nicht.

Wednesday, 2. July 2008

Wurzel aus 549633

Die FAZ vom Tage stellt die Leipziger Weltmeisterschaften im Kopfrechnen, die im Rahmen des fulminanten Wissenschaftssommers stattfinden, prominent auf Seite 1. Darunter auch das von Mathematikommilitonen viel ger?ºhmte so genannte Beutelspacher Sofa, oder heutige Veranstaltungen zum Thema Mathematik an der Hochschule f?ºr Musik und Theater Leipzig (15.00 ‚Äì 18.00 Uhr ‚ÄûWorkshop zum Thema Musik & Mathematik‚Äú, 19.30 ‚Äì 21.00 Uhr ‚ÄûKonzert mit Musik des 20. und 21. Jahrhunderts‚Äú).

‚ÄûDer Spiegel‚Äú von vorgestern hingegen l?§sst allerlei Herren in der Leserbriefspalte zu Wort kommen zum vorhergehenden Titelthema, das da lautete: ‚ÄûF?ºnfzig Jahre Emanzipation. Was vom Mann noch ?ºbrig ist‚Äú. Vor leerer Wand abgelichtet war da f?ºrs Titelbild 26/2008 da ein nackter Adonis, ein blonder Arier, schamig die H?§nde ?ºber den Schritt formend, als best?ºnde Gefahr, ‚Äûdie Frau‚Äú k??nnte ihm die testes abbei?üen. So uns?§glich sie ist, die Fragestellung, so sehr impliziert sie die Antwort: Nicht mehr viel ist ?ºbrig vom Mann. War aber vielleicht auch noch nie viel da, zumal in Deutschland. So werden in den Leserbriefen Pflichten eingefordert f?ºr die Frauen: Musterung und Wehrdienst f?ºr Sie (wo doch schon Er kaum mehr eingezogen wird). Hie?üe umgekehrt aber, den Herren Soundso aus Bayern aufzufordern, sich eine Geb?§rmutter implantieren zu lassen. Was f?ºr ein Gewinn!

In Schweden gibt es Wickeltische in ??ffentlichen Herrentoiletten; wie kastrierte halbe Portionen sehen mir die m?§nnlichen Landsleute dennoch nicht aus. Und Homosexuelle? Gegen deren Herausforderung, sich trotz gleichgeschlechtlicher Orientierung (ohne dass die so genannte ‚ÄûNatur‚Äú ‚Äì von mittelalterlicher Justiz (‚Äûcontra naturam‚Äú) bis Euthanasie gern gebrauchte Argumentationsinstanz ‚Äì irgendein vermeintlich ‚Äûschwaches‚Äú oder ‚Äûstarkes‚Äú Geschlecht pr?§determiniert) Platz und Rolle zu erk?§mpfen, nimmt sich das vermeintliche Schicksal des durchschnittlichen Rasen m?§henden und BWL studierenden Reihenhausheterosexuellen durchaus l?§cherlich aus.

Aber das Thema, und es muss ein popul?§res sein, denn nur solche landen vorne auf dem Magazin (Georg Mascolo et al.), zeigt auf, dass der durchschnittlich Beknackte deutscher Herkunft und m?§nnlichen Geschlechts mit seiner Existenz ?ºberfordert zu sein scheint. Als Ratschlag an Jene der Verweis auf die ‚Äûdritte Sozialisationsphase‚Äú (Friedrich Kron), welche besagt: Change is possible (Barack Obama), oder: Auch nach dem Erwerb der Geschlechtsreife (‚Äûzweite soziale Fixierung‚Äú ‚Äì was f?ºr ein Begriff!, wieder Friedrich Kron) kann man seinen Platz in der Gesellschaft finden, einen neuen und ganz anderen als bisher.