Sonntag, 1. Juni 2008

Hätten Sie’s erkannt?

Mit Wumms ging der Deutsche Posaunentag 2008 im Leipziger Zentralstadion zu Ende: 16.000 Bläser („für ein Halleluja“, offizieller Wahlspruch) gaben vollklingend, was man in dem Milieu eben so gibt. Darunter am Ende des zweistündigen Festgottesdienstes einen Choral von J.S. Bach. Bach im Stadion der Tausend: Das hätte sich 1750 weder der Thomaskantor träumen lassen, noch 1968 Walter Ulbricht (der erst vor zwei Tagen wieder in Zusammenhang mit Leipziger Sakralbaupolitik unschön in den Schlagzeilen war).

Der Gottesdienst war ein Ereignis, Bläser sind ein hochsympathisches Volk! Bischof Huber predigte dem Ereignis angemessen knapp, die Posaunenwarte dirigierten erwartet androgyn-dörflich. Posaunenwarte und ihr kleiner Chor – überhaupt so ein Thema. Wenn die am Ende noch was Festliches spielen wollen, während sich längst die Massen ihrer Laune anarchisch hupend hingeben, dann wird zu deren Gunsten der Spaß abgewürgt. Elitärer Dünkel. Aber in Leipzig ist das Volk: man pfiff die Warte aus. Große Klasse.

Abschlussgottesdienst in Stichpunkten:
- Skandal: Keine Bläser mehr auf der Wiese. Deutete sich ja an; wir sind dort nicht mehr gefragt. Die TV-Kameras schon.
- Doof: Morgenmagazin-Ästhetik. Konnte der Mitteldeutsche Rundfunk das Urwüchsige ins Bild setzen? Ich zweifle.
- Oberpeinlich, und siehe 2): Pantomime während heiliger Worte. Geht gar nicht!
- Lausig: der kleine Chor, bestehend aus den Landesposaunenwarten, hatte seinen Ansatz gestern Abend im Bierglas vergessen.
- Unfair: Mikrofoniert war nur der kleine Chor (30), nicht der große (16.000).
- Ungeschickt: Dirigenten mit unterschiedlichen Tempi.

1 Kommentar:

(Nr. 93) Ludwig II. am 6.6.2008 um 11.00 Uhr:

Perfekte Rückschau.


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