Sunday, 15. June 2008

Holladiooo

Politikverdrossenheit ist keine Frage des Alters. Wer gestern nach dem ??den 1:1 der Schweden nicht zeitig weggeschaltet hat aus der ARD, der schaute im Anschluss mit mir ‚ÄûMelodien der Berge‚Äú. Der fr?ºhe Samstagabend muss im ?ñffentlichrechtlichen f?ºr die Generation 70 plus reserviert sein, anders ist diese manische Verdr?§ngungsunterhaltung kaum erkl?§rbar. Meine These: Wenn die letzte Generation, die im Innersten wei?ü, dass nicht alles schlecht war beim F?ºhrer, dahin geschieden ist, werden mangels Nachfrage Mross und Kollegen von den Bildschirmen verschwinden!

Friday, 6. June 2008

Nachtrag

Zwei Erg?§nzungen zu den vergangenen Tagen. 1) ?úber dem Text: ein Video vom Gro?üereignis Posaunentag im Zentralstadion, 16.000 Bl?§ser in action! (Au?üerdem Fremdmaterial: Mittendrin, statt nur dabei; “Ohrenblickmal” bei Harald Schmidt, Nov. 2007; Weitere 40 Videos bei Youtube.) Unter dem Text: Foto von den Krimi-Dreharbeiten gestern vor der Luther-Kirche am Johannapark – man nehme den umgekippten LVB-Bus zur Kenntnis!

Tuesday, 3. June 2008

M?§dchen, werd‚Äô selbstst?§ndig!

Keine Literaturgattung ist so unsexy wie die Fach-erziehungswissenschaftliche. Abgesehen von inhaltlichen Ungereimtheiten, von um sich selbst kreisenden Hohls?§tzen und von diesem unangenehmen Typus ‚ÄûStudienbuch‚Äú, das jede Form von Interessebildung vernichtet durch unabl?§ssige Unter?ºberschriften, Einf?§rbungen, Gedankenstriche, Zusammenfassungen, Lerntafeln, Grafiken, Pfeilen usf. (oft w?§re es so bereichernd, die Autoren oder das Genre insgesamt bem?§chtigten sich des differenzierten Deutschs und schrieben durchdachte Flie?ütexte. ‚Äì Es tauchen Grafiken und Verbildlichungen auf, die d?ºrfte es gar nicht geben!..), zeigen nicht zuletzt die Buchtitel auf, dass man es bei der Erziehungswissenschaft zu tun hat mit dem letzten, morbiden Arm akademischen Getues.
Da gibt es Buchtitel, die sind eher l?§nger, beispielhaft angef?ºhrt werden k??nnten das ‚ÄûHandbuch Kritische P?§dagogik. Eine Einf?ºhrung in die Erziehungs- und Bildungswissenschaft‚Äú oder das ‚ÄûStudienbuch P?§dagogik. Grund- und Pr?ºfungswissen‚Äú (von Arnim Kaiser ‚Äì gibt es den Vornamen ?ºberhaupt? Der Herr zu R??mers Zeiten hie?ü meines Wissen Arminius, nicht Arnimius); und es gibt Buchtitel, die sind eher kurz, stellvertretend seien genannt ‚ÄûPestalozzi. 1746-1797‚Äú und das ‚ÄûGrundwissen P?§dagogik‚Äú von Friedrich Kron bzw. ‚Äì quod erat demonstrandum ‚Äì ‚ÄûP?§dagogisches Grundwissen‚Äú von Herbert Gudjons.

Nun ist man als P?§dagogik Lernender in der Universit?§tsbibliothek Leipzig platziert im Regalbereich der philosophischen und ethischen F?§cher, konkret sitze ich neben der Medizinischen Ethik, und allein schon, was die Buchtitel angeht, wird bei englischen Publikationen eindeutig geklotzt und nicht gekleckert (zur Erinnerung: ‚ÄûErziehen mit Maria Montessori‚Äú). Hier lauten die zur?ºckhaltenderen Titel z.B.: ‚ÄûUseful Bodies‚Äú oder ‚ÄûMaking Babies‚Äú, eine Stufe klangvoller erg?§nzt um Pathos: ‚ÄûIn the Name of Science‚Äú, und die Toptitel sind dann einfach nur noch witzig: ‚ÄûTo Treat or Not to Treat‚Äú, ‚ÄûFlesh an Blood. The Human Story behind the Medicine‚Äú oder ‚ÄûKidney to Sell by Owner. Human Organs, Transplantation, and the Market‚Äú. Fachb?ºcher, wohlgemerkt.

Gut, wollen wir mit ?Ñu?üerlichkeiten, mit ‚ÄûAdolf Reichweins Reformp?§dagogik‚Äú leben. Aber Toleranz mit Buchtiteln tilgt nicht die M?§ngel am Inhalt. So bleibt bei der P?§dagogik-Vorbereitung ein zentraler Bonus: man lernt das selektive Lesen! W?§hle aus, oder stirb. Man lernt das, dann ist man etwas frustriert, aber um eine Erkenntnis reicher, oder man lernt das nicht, dann unterstreicht man wie vom Teufel getrieben mit verschiedenen Farben und exzerpiert Leerphrasen auf A5-K?§rtchen bis ins Nirvana.

Geschichtswissenschaft hat seine guten Seiten, wie ich erkenne. Und ein Lehramtsexamen ist echte Lebensschule.

Sunday, 1. June 2008

H?§tten Sie’s erkannt?

Mit Wumms ging der Deutsche Posaunentag 2008 im Leipziger Zentralstadion zu Ende: 16.000 Bl?§ser (‚Äûf?ºr ein Halleluja‚Äú, offizieller Wahlspruch) gaben vollklingend, was man in dem Milieu eben so gibt. Darunter am Ende des zweist?ºndigen Festgottesdienstes einen Choral von J.S. Bach. Bach im Stadion der Tausend: Das h?§tte sich 1750 weder der Thomaskantor tr?§umen lassen, noch 1968 Walter Ulbricht (der erst vor zwei Tagen wieder in Zusammenhang mit Leipziger Sakralbaupolitik unsch??n in den Schlagzeilen war).

Der Gottesdienst war ein Ereignis, Bl?§ser sind ein hochsympathisches Volk! Bischof Huber predigte dem Ereignis angemessen knapp, die Posaunenwarte dirigierten erwartet androgyn-d??rflich. Posaunenwarte und ihr kleiner Chor ‚Äì ?ºberhaupt so ein Thema. Wenn die am Ende noch was Festliches spielen wollen, w?§hrend sich l?§ngst die Massen ihrer Laune anarchisch hupend hingeben, dann wird zu deren Gunsten der Spa?ü abgew?ºrgt. Elit?§rer D?ºnkel. Aber in Leipzig ist das Volk: man pfiff die Warte aus. Gro?üe Klasse.

Abschlussgottesdienst in Stichpunkten:
- Skandal: Keine Bl?§ser mehr auf der Wiese. Deutete sich ja an; wir sind dort nicht mehr gefragt. Die TV-Kameras schon.
- Doof: Morgenmagazin-?Ñsthetik. Konnte der Mitteldeutsche Rundfunk das Urw?ºchsige ins Bild setzen? Ich zweifle.
- Oberpeinlich, und siehe 2): Pantomime w?§hrend heiliger Worte. Geht gar nicht!
- Lausig: der kleine Chor, bestehend aus den Landesposaunenwarten, hatte seinen Ansatz gestern Abend im Bierglas vergessen.
- Unfair: Mikrofoniert war nur der kleine Chor (30), nicht der gro?üe (16.000).
- Ungeschickt: Dirigenten mit unterschiedlichen Tempi.