Keine Literaturgattung ist so unsexy wie die Fach-erziehungswissenschaftliche. Abgesehen von inhaltlichen Ungereimtheiten, von um sich selbst kreisenden Hohls?§tzen und von diesem unangenehmen Typus ‚ÄûStudienbuch‚Äú, das jede Form von Interessebildung vernichtet durch unabl?§ssige Unter?ºberschriften, Einf?§rbungen, Gedankenstriche, Zusammenfassungen, Lerntafeln, Grafiken, Pfeilen usf. (oft w?§re es so bereichernd, die Autoren oder das Genre insgesamt bem?§chtigten sich des differenzierten Deutschs und schrieben durchdachte Flie?ütexte. ‚Äì Es tauchen Grafiken und Verbildlichungen auf, die d?ºrfte es gar nicht geben!..), zeigen nicht zuletzt die Buchtitel auf, dass man es bei der Erziehungswissenschaft zu tun hat mit dem letzten, morbiden Arm akademischen Getues.
Da gibt es Buchtitel, die sind eher l?§nger, beispielhaft angef?ºhrt werden k??nnten das ‚ÄûHandbuch Kritische P?§dagogik. Eine Einf?ºhrung in die Erziehungs- und Bildungswissenschaft‚Äú oder das ‚ÄûStudienbuch P?§dagogik. Grund- und Pr?ºfungswissen‚Äú (von Arnim Kaiser ‚Äì gibt es den Vornamen ?ºberhaupt? Der Herr zu R??mers Zeiten hie?ü meines Wissen Arminius, nicht Arnimius); und es gibt Buchtitel, die sind eher kurz, stellvertretend seien genannt ‚ÄûPestalozzi. 1746-1797‚Äú und das ‚ÄûGrundwissen P?§dagogik‚Äú von Friedrich Kron bzw. ‚Äì quod erat demonstrandum ‚Äì ‚ÄûP?§dagogisches Grundwissen‚Äú von Herbert Gudjons.
Nun ist man als P?§dagogik Lernender in der Universit?§tsbibliothek Leipzig platziert im Regalbereich der philosophischen und ethischen F?§cher, konkret sitze ich neben der Medizinischen Ethik, und allein schon, was die Buchtitel angeht, wird bei englischen Publikationen eindeutig geklotzt und nicht gekleckert (zur Erinnerung: ‚ÄûErziehen mit Maria Montessori‚Äú). Hier lauten die zur?ºckhaltenderen Titel z.B.: ‚ÄûUseful Bodies‚Äú oder ‚ÄûMaking Babies‚Äú, eine Stufe klangvoller erg?§nzt um Pathos: ‚ÄûIn the Name of Science‚Äú, und die Toptitel sind dann einfach nur noch witzig: ‚ÄûTo Treat or Not to Treat‚Äú, ‚ÄûFlesh an Blood. The Human Story behind the Medicine‚Äú oder ‚ÄûKidney to Sell by Owner. Human Organs, Transplantation, and the Market‚Äú. Fachb?ºcher, wohlgemerkt.
Gut, wollen wir mit ?Ñu?üerlichkeiten, mit ‚ÄûAdolf Reichweins Reformp?§dagogik‚Äú leben. Aber Toleranz mit Buchtiteln tilgt nicht die M?§ngel am Inhalt. So bleibt bei der P?§dagogik-Vorbereitung ein zentraler Bonus: man lernt das selektive Lesen! W?§hle aus, oder stirb. Man lernt das, dann ist man etwas frustriert, aber um eine Erkenntnis reicher, oder man lernt das nicht, dann unterstreicht man wie vom Teufel getrieben mit verschiedenen Farben und exzerpiert Leerphrasen auf A5-K?§rtchen bis ins Nirvana.
Geschichtswissenschaft hat seine guten Seiten, wie ich erkenne. Und ein Lehramtsexamen ist echte Lebensschule.