Donnerstag, 22. Mai 2008

Musikalische Pionierarbeit des MDR

Danke, Rundfunk! Das Sinfonieorchester des MDR unter Jun Märkl leistet die längst nötige Grobarbeit in der Kulturwüste Leipzig und gräbt musikalische Raritäten aus, die hier in der Stadt allzu kurz kommen: Bach und Mendelssohn Bartholdy. Heureka! Werke, die in Zukunft hoffentlich nicht ungehört bleiben werden. Wer also Lust hat und Mut auf das Aufregende, Un-Erhörte und Unbekannte, der lasse sich die Matineevorstellung am 15. Juni keinesfalls entgehen. Gewandhausorchester, Barockorchester, Nikolai- und Thomaskirche, Thomanerchor – keiner schert sich mehr um die beiden Meister. Lieber MDR, gut das Leipzig euch hat; ihr macht euch zunehmend unverzichtbar.

Großes Theater (bzw. Lichtspieltheater) beim Universitätsorchester in Leipzig. Am Freitag hat eine Dokumentation in den Passagekinos Premiere über das junge Sinfonieorchester, das sich längst einen Namen gemacht hat als studentischer Kulturbotschafter für bürgerlichen Schmelz und zeitgenössisch Altbackenes, und diese trägt den Titel: „Bis zum letzten Moment“, wobei man sich fragt, ob feierlich gemeint ist: bis zum letzten Moment des Konzerts (musizieren) oder ironisch: bis zum letzten Moment vor dem Konzert (proben). Die Doppeldeutigkeit mag intendiert sein.

Der Untertitel indes gibt sich sachlich: „100 Musiker. 3 Monate. Ein Ziel.“ Ui, in der numerischen Reduktion steckt Dramatik. Auch denkbar: „20.000 Mastferkel. 18 Monate. Ein Ziel.“ Sieht man allerdings ab von der spaßigen, postmodernen Holterdipolterinterpunktion (wie „Einfach. Gut. Essen.“ vom Bäcker Drescher), deutet die alle-an-einem-Strang-Rhetorik triefiges Pathos an. Das mag aber Genrepraxis sein, was zu bestätigen weiß, wer „Rhythm is it!“ mit Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern gesehen hat oder die Vorschau von „Trip to Asia“.

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