Samstag, 19. April 2008

Na, det jibt’s nur im Kommunismus

„Alles in allem, wo liegen die Vorteile jetzt?“ – unwirklich-gespenstischer Videogruß aus dem Jahre 1988 bei Spiegel Online. Die Vorteile im Honecker-Ländle anno 1988? Puh, keine leichte Frage… Ein neues Wohnhaus für lau wirkt da eventuell zungelösend: „Und wat kost’ euch det janze Unternehmen heute?“ (1988). Einestages.spiegel.de grub, vorsichtig formuliert, suggestive Politfilmchen aus. Durchklicken lohnt sich: „moderne Wohnblocks“, antifaschistischer Schutzwall, Lob der Staatssicherheitsgenossen, durchsetzt mit Kindern, „blühendem Land“ (aha, damals wie heut’) und „immer wieder Blumen“ (1961). (Unweigerlich dankt man an Unvergleichliche wie Helga Müller oder Fritz Bachmann, die sich in Worten und Weisen kongenial am Gesamtkunstwerk der polymedialen Politpoesie beteiligten: „Habt ihr das Kraftwerk schon gesehn? Es steht am großen Fluss, wo jetzt das Wasser ohne Ruh Turbinen drehen muss.“ Oder: „Lieber Soldat, du trägst ein Gewehr, lieber Soldat, dich lieben wir sehr. Mit Panzer und Flugzeug bist du stets bereit für uns Kinder alle im Ehrenkleid“.) Schön auch der Film „Wer jetzt in redlicher Absicht…“ (1979), wobei der Sprecher verwegen hinweist, eingeladen in die DDR sei nur, „wer die in unserem Land geltenden Rechtsnormen achtet“. Dann schludert kurz sein Mundwerk stigmatistisch beim zungenbrecherischen Zentralterminus: antifaschistisch. Regionaler Dialekt, nehme ich an. Schon mal Erich Honecker „Deutsche Demokratische Republik“ sagen hören? Da holpert er immer, und verkürzt, mal mehr, mal weniger, die ersten beiden Wörter zu einem einzigen Spucklaut, der mit D beginnt, und mit kratisch aufhört (Youtube).

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