Donnerstag, 17. April 2008

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Gegensätze liegen so nah beieinander. In den alliierten Spruchkammern der Entnazifizierung bis 1952 beispielsweise „äußerste Brutalität und äußerste Wehleidigkeit“ (Jörg Friedrich), selbst der in Leipzig studierte Ralph Giordano, als Sohn einer Jüdin Opfer der NS-Verfolgung, sah in den angeklagten sog. Belasteten „arme Würstchen“. Und so pflegt auch die FAZ Freud’ und Leid auf ein und dem selben Blatt abzudrucken: vorne z.B. „nimmt Abschied“, „nehmen Abschied“, „nehmen in Trauer Abschied“ (von den immerselben zwei, drei Personen); hinten z.B. die Angebote von „Deutschlands bekannteste(r) Partnervermittlerin für Reiche, Einflussreiche und Erfolgreiche“: SIE: gerade 40 /174 (Gerade 40 geworden? Gerade noch 40?)

Eine sehr attraktive, sportlich-elegante Erscheinung, mit jenem Stil & jener Klasse, die ihre Herkunft (weltbk. Familie) verrät …

Weltbk. ist nach sachlicher Betrachtung natürlich jede Familie, die Schmidt heißt. Stil & Klasse & 40 & keine Gewichtsangabe obendrein, klingt verheißungsvoll. Oder dieser – ebenfalls eher pragmatische, aber weniger bescheidene – Aufruf An eine außergewöhnliche Dame…

Topmanager eines Weltkonzerts i.R., 67/190, verw. Akademiker, äußerst attraktiv mit schlanker, männlicher Figur, sportlich (Tennis, Golf), humorvoll, Kosmopolit, mehrsprachig, hochvermögend, ein absoluter Weltklassemann mit Persönlichkeit, …

Die Liste setzt sich fort. Tennis und Golf dürften hier weniger Auskunft geben über Sportivität als hinweisen auf eine „Herkunft“, die von „jenem Stil & jener Klasse“ zeugt – die Andeutungen wollen gelesen sein. „Im Ruhestand“ z.B., heißt das: Zumwinkel? Die Liste hätte er sich sparen können, ab „hochvermögend“ dürften einige außergewöhnliche Damen den letzten langen Absatz bis zum Chiffre übersprungen haben. Fragt sich nur noch, was ich nachts um 23 Uhr Anzeigen aus dem Ressort „Ehewünsche“ studiere, zumal in der FAZ, zumal mit der „Gone with the wind“-Filmmusik, den aufschwingenden Oktaven und den lydischen Vorhaltsquarten der Subdominante, … Apropos vom Winde verwehte Liebschaften und hochvermögende Erbrechtsangelegenheiten (Friedrich, Jörg, Die kalte Amnestie, Frankfurt a.M. 1984):

In München lief ein Verfahren gegen den Gewerbeschulrat Otto Friedrich Braun, das den Nachlass seiner Tochter Eva und seines Schwiegersohnes Adolf klärte. Um Vermögensvorteile einzubeziehen, konnten auch Tote entnazifiziert werden, was in diesem Falle auch besser so war. Der Verteidiger Eva Brauns und ihres Gatten rechnete seine Klientin zu den Entlasteten. Den Führer allerdings schätzte er auf 10 Jahre Arbeitslager.

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