Daa-daa-daa
So singt es der Chor. Beliebte Vokalise f?ºr beliebte Gattung, z.B. Musical oder Pop plus x, z.B. Pop-Symphonie, -Oper, … hier: -Oratorium. Also: Konzert- respektive Musiktheaterabend gestern und heute (d.h. Sonntag und Montag) in der Leipziger Musikhochschule. Die Fachrichtung Schulmusik gibt ‚ÄûLiebe ist…‚Äú, das j?ºngste B?ºhnenwerk des Schulmusikstudierenden Manuel Buch, der bereits 2007 mit einer bunten Agentenpersiflage singender und tanzender Erich Mielkes Aufmerksamkeit erregte. Doch wer zeichnet diesmal verantwortlich, die Fachrichtung Schulmusik? Weit gefehlt! Denn Buchs ‚Äûweltliches Oratorium‚Äú, so singen es die Spatzen von den D?§chern, gereichte den Fachrichtungsfunktion?§ren zum Dissens. Das erinnert an P?§pste und Kontrapunkt. Details sind aber unbekannt. Offensichtlich ist jedoch ein Bilderstreit: plakatiert wurde n?§mlich kaum bis gar nicht. Und Halter der fachrichtungseigenen Professuren konnten im Premierenpublikum nicht ausgemacht werden. Oha! – ein operettoides Spektakel als subversive Gefahr?
‚ÄûLiebe ist…‚Äú vor allem immenser Personalaufwand, die B?ºhne ist gef?ºllt mit ?ºber 30 Musikern unterschiedlicher Couleur, Sprechern, S?§ngern und T?§nzern. Es geht um Liebe. Oder was das Werk darunter versteht. Zwei Schauspielende (M?§nnlein und Weiblein) rezitierdarstellen unterschiedlichste das Sujet tangierende Texte aus der Weltgeschichte: Briefe Schumanns an Clara Wieck, Wiecks an Schumann, Mozarts an Konstanza. Angereichert mit Lyrik &c. Schillers, Wildes, Kunzes. Zum Schluss der Tophit kirchlicher Trauungen: das Hohe Lied Salomons. (Was fehlt? Briefe Brahms‚Äô an seine Mutter, Briefe Wildes‚Äô an seinen minderj?§hrigen Liebhaber.) Dazu Tanz und Halligalli und Musik im mediantischen Dunstkreis. Kurzum: kuschelig geht es zu, recht herzig, recht warm und manchmal recht infantil – ein performatives H??rbuch: Gedichtelesen als Ph?§nomen verliebter Sediertheit.
Nun denn, einige heitere Nummern sind durchaus einfallsreich und eing?§ngig. Aber recht warm ums Herz will es nicht werden. Denn die Penetranz des vermeintlich allumfassenden Themas (‚ÄûSie ist die Macht, die uns als klare Monarchie regiert‚Äú), die m?ºhlenartige Aneinanderreihung unreflektierter Texte und die tendenziell unexpressive Musik werden beim Zuh??ren zur Anstrengung. Zumal die Liedtexte des Komponisten selbst, welche dieser k?ºhn zwischen Kafka und Konsorten drapiert, einen etwas sperrigen und ungelenken Eindruck hinterlassen. ‚ÄûDenk an den Stern, verwahre ihn gut/ in deinem Herzen, in deinem Sonnenschein‚Äú: Gef?ºhlsso?üe behindert den wohl intendierten Tr?§nendr?ºseneffekt. Es hakt dort, wo das Werk von Liebe spricht. Ist Liebe gemeint? Oder Verliebtheit? Gewaltig hakt es au?üerdem an jenen Stellen, an denen Zusammensein allzu konservativ in Szene gesetzt ist, Pizzaessen mit der ersten Liebe beispielsweise als ‚Äûmein Mars, meine Venus‚Äú, das mythologisch ?ºberh??hte, letzten Endes eben doch klassische Gegensatzpaar aus Penetration versus Devotion und Kriegen versus Kochen.
So inszeniert der Abend die saubere Liebe zwischen Mann und Frau. Werk und Regie postulieren den Wert von im Bett liegen und Pudding essen, was derart verkl?§rt wirkt, dass die Ratschl?§ge eines Dr. Sommer vergleichsweise reif und weitsichtig erscheinen m?ºssen. Die Protagonisten ‚Äûtanzen durch den warmen Regen‚Äú (Libretto) und erfreuen sich des H?§ndchenhaltens (durchaus dem rezitierten Brief Mahlers an seine Alma entsprechend, hatte jene den gro?üen Komponisten doch dereinst in ihren Tagebuch-Suiten als halbe Portion in Liebesdingen desavouiert), nicht eine Rolle spielen jedoch Verliebtheit als beliebigsexuelle, ausschweifende und leidenschaftliche Eskapade eines Oscar Wilde, die j?ºngsten ?Ñu?üerungen zur k??rperlichen Liebe und ihrer Feuchtgebiete einer Charlotte Roche, noch die ?úberlegungen zum Thema Liebe als m?ºhseliges Unterfangen, das einem ‚Äûnicht in den Scho?ü f?§llt‚Äú eines Erich Fromm.
Aber es bleibt das Vergn?ºgen an einigen heiteren Refrains, beherzt und molto vibrato singenden Solisten und einem, seine gelegentlichen Unisoni stehend, Chor. Erhellend stellt sich ein, wie gen?ºgsam sich diese Gattung an vier Takten zu vier Z?§hlzeiten sowie an Drei- und Vierkl?§ngen aus dem Angebot siebener T??ne erfreuen kann.
Heute die letzte Vorstellung: 20 Uhr, Gro?üer Probensaal -1.33 in der Hochschule f?ºr Musik und Theater Leipzig, Dittrichring 21.
Schon beim letzten Abendmahl, also dem gestern, fehlte es uns nicht an Nahrung & Wein. Gott sei’s gedankt, Martin verriet uns den entscheidenden TV-Ratschlag f?ºr die Nacht (drei Mankell-Verfilmungen hintereinander), so sch??n kann Gr?ºndonnerstag sein. Abendmahltechnisch ?§ndert sich heute nichts. Das f?ºnfte Kaffeetrinken ist just vor?ºber, und das Gulasch harrt seiner. Essung.
So postuliert’s ein Schild bei Metzgerei Leiste – eine der skurrilen Seiten Bad Harzburgs. Eine andere sind die Kurg?§ste, denen an der Pommesbude gegen?ºber zuzuh??ren keine Freude ist; was kann man nur f?ºr einen besoffenen Unfug reden. Deutsche im Urlaub sind Deutsche im Urlaub; Playa del Bad Harzburg, Mallorca light. Aktiv ist hier das Kulturleben, bei Brillen Kerll, die mir meine arg zerbogene Brille korrigierten, steckte ich die Brosch?ºre der diesj?§hrigen Harzburger Musiktage ein. Und da wird gegeben? Die ber?ºhmte Hummel-Symphonie Nr. 3 Eroica von Beethoven. Allet klar. Aber eine wunderbare ?úberraschung: Giuliano Sommerhalder, Solotrompeter im Gewandhausorchester Leipzig, k?ºrzlich astrein mit der Pikkolotrompete im zweiten Brandenburgischen Konzert unter Riccardo Chailly, wird auftreten. Allein, diese seine T?§tigkeit unterschl?§gt die Brosch?ºre. Na, lieber paar Ungereimtheiten im Heft als Justus Frantz im Programm. Frantz und der etwas abgehalfterte Kurort Harzburg mit seiner Bundesstra?üe 4 in der Innenstadt haben ?Ñhnlichkeiten. Deswegen konzertiert Maestro pers??nlicher Freund Bernsteins hier gerne. Kammermusikalisch am Klavier oder mit diesem oder jenem rum?§nischen Mukkenorchester. Bad Harzburg ist halt was f?ºr Liebhaber. F?ºr Wurstesser.
So lautet der Willkommensgru?ü der Firma
In irritierendem Gegensatz dazu steht ein Foto des amerikanischen Irakkrieges, welches ich heute bei Spiegel.de entdeckte (

