Monday, 31. March 2008

Daa-daa-daa

So singt es der Chor. Beliebte Vokalise f?ºr beliebte Gattung, z.B. Musical oder Pop plus x, z.B. Pop-Symphonie, -Oper, … hier: -Oratorium. Also: Konzert- respektive Musiktheaterabend gestern und heute (d.h. Sonntag und Montag) in der Leipziger Musikhochschule. Die Fachrichtung Schulmusik gibt ‚ÄûLiebe ist…‚Äú, das j?ºngste B?ºhnenwerk des Schulmusikstudierenden Manuel Buch, der bereits 2007 mit einer bunten Agentenpersiflage singender und tanzender Erich Mielkes Aufmerksamkeit erregte. Doch wer zeichnet diesmal verantwortlich, die Fachrichtung Schulmusik? Weit gefehlt! Denn Buchs ‚Äûweltliches Oratorium‚Äú, so singen es die Spatzen von den D?§chern, gereichte den Fachrichtungsfunktion?§ren zum Dissens. Das erinnert an P?§pste und Kontrapunkt. Details sind aber unbekannt. Offensichtlich ist jedoch ein Bilderstreit: plakatiert wurde n?§mlich kaum bis gar nicht. Und Halter der fachrichtungseigenen Professuren konnten im Premierenpublikum nicht ausgemacht werden. Oha! – ein operettoides Spektakel als subversive Gefahr?

‚ÄûLiebe ist…‚Äú vor allem immenser Personalaufwand, die B?ºhne ist gef?ºllt mit ?ºber 30 Musikern unterschiedlicher Couleur, Sprechern, S?§ngern und T?§nzern. Es geht um Liebe. Oder was das Werk darunter versteht. Zwei Schauspielende (M?§nnlein und Weiblein) rezitierdarstellen unterschiedlichste das Sujet tangierende Texte aus der Weltgeschichte: Briefe Schumanns an Clara Wieck, Wiecks an Schumann, Mozarts an Konstanza. Angereichert mit Lyrik &c. Schillers, Wildes, Kunzes. Zum Schluss der Tophit kirchlicher Trauungen: das Hohe Lied Salomons. (Was fehlt? Briefe Brahms‚Äô an seine Mutter, Briefe Wildes‚Äô an seinen minderj?§hrigen Liebhaber.) Dazu Tanz und Halligalli und Musik im mediantischen Dunstkreis. Kurzum: kuschelig geht es zu, recht herzig, recht warm und manchmal recht infantil – ein performatives H??rbuch: Gedichtelesen als Ph?§nomen verliebter Sediertheit.

Nun denn, einige heitere Nummern sind durchaus einfallsreich und eing?§ngig. Aber recht warm ums Herz will es nicht werden. Denn die Penetranz des vermeintlich allumfassenden Themas (‚ÄûSie ist die Macht, die uns als klare Monarchie regiert‚Äú), die m?ºhlenartige Aneinanderreihung unreflektierter Texte und die tendenziell unexpressive Musik werden beim Zuh??ren zur Anstrengung. Zumal die Liedtexte des Komponisten selbst, welche dieser k?ºhn zwischen Kafka und Konsorten drapiert, einen etwas sperrigen und ungelenken Eindruck hinterlassen. ‚ÄûDenk an den Stern, verwahre ihn gut/ in deinem Herzen, in deinem Sonnenschein‚Äú: Gef?ºhlsso?üe behindert den wohl intendierten Tr?§nendr?ºseneffekt. Es hakt dort, wo das Werk von Liebe spricht. Ist Liebe gemeint? Oder Verliebtheit? Gewaltig hakt es au?üerdem an jenen Stellen, an denen Zusammensein allzu konservativ in Szene gesetzt ist, Pizzaessen mit der ersten Liebe beispielsweise als ‚Äûmein Mars, meine Venus‚Äú, das mythologisch ?ºberh??hte, letzten Endes eben doch klassische Gegensatzpaar aus Penetration versus Devotion und Kriegen versus Kochen.

So inszeniert der Abend die saubere Liebe zwischen Mann und Frau. Werk und Regie postulieren den Wert von im Bett liegen und Pudding essen, was derart verkl?§rt wirkt, dass die Ratschl?§ge eines Dr. Sommer vergleichsweise reif und weitsichtig erscheinen m?ºssen. Die Protagonisten ‚Äûtanzen durch den warmen Regen‚Äú (Libretto) und erfreuen sich des H?§ndchenhaltens (durchaus dem rezitierten Brief Mahlers an seine Alma entsprechend, hatte jene den gro?üen Komponisten doch dereinst in ihren Tagebuch-Suiten als halbe Portion in Liebesdingen desavouiert), nicht eine Rolle spielen jedoch Verliebtheit als beliebigsexuelle, ausschweifende und leidenschaftliche Eskapade eines Oscar Wilde, die j?ºngsten ?Ñu?üerungen zur k??rperlichen Liebe und ihrer Feuchtgebiete einer Charlotte Roche, noch die ?úberlegungen zum Thema Liebe als m?ºhseliges Unterfangen, das einem ‚Äûnicht in den Scho?ü f?§llt‚Äú eines Erich Fromm.

Aber es bleibt das Vergn?ºgen an einigen heiteren Refrains, beherzt und molto vibrato singenden Solisten und einem, seine gelegentlichen Unisoni stehend, Chor. Erhellend stellt sich ein, wie gen?ºgsam sich diese Gattung an vier Takten zu vier Z?§hlzeiten sowie an Drei- und Vierkl?§ngen aus dem Angebot siebener T??ne erfreuen kann.

Heute die letzte Vorstellung: 20 Uhr, Gro?üer Probensaal -1.33 in der Hochschule f?ºr Musik und Theater Leipzig, Dittrichring 21.

Monday, 24. March 2008

Und wie h?§ltst du es mit dem Gulasch? II

Im Intercity nach Leipzig. Der korpulente Musiker zu meiner rechten telefoniert unentwegt und gibt Auskunft, er wolle abnehmen. Mit den Pfunden rollte aber auch die Leistungspotenz, Stichwort Kohlenhydrate. Wer abnehmen will, kriegt Konzentrationsprobleme. Darum habe in Sachsen und ‚ÄìAnhalt das Essen bei den Musici Tradition, wegen der ‚Äûgeistiche Arbeit‚Äú. ‚ÄûDer Bach, und der H?§ndel‚Äú, auch die h?§tten einen dicken Bauch gehabt, ‚Äûdie ha‚Äôm ja alle gefresse‚Äô‚Äú. Kurzum: ich bin zur?ºck in der Stadt. Und auch die T?ºrsteher-Auseinandersetzung begr?º?üte mich unmittelbar vor meiner Haust?ºr, dort hat sich ein Polizei-Bus mit zwei wartenden, Zeitung lesenden Polizeiern quer vor der Einfahrt postiert. Tats?§chlich musterten und verfolgten sie mich mit ihren Augen bis ich im Haus verschwunden war. Leipziger Freiheit? Vielleicht sind sie auch gar nicht auf mich aus, sondern auf wen anders. Hoffen wir’s. Vielleicht haben sie aber auch Karmontag meine Wohnung verwanzt!… – das Knowhow jedenfalls ist regionale Spezialit?§t. … Nein, nein, wird schon seine Richtigkeit haben.

Friday, 21. March 2008

Und wie h?§ltst du es mit dem Gulasch?

Schon beim letzten Abendmahl, also dem gestern, fehlte es uns nicht an Nahrung & Wein. Gott sei’s gedankt, Martin verriet uns den entscheidenden TV-Ratschlag f?ºr die Nacht (drei Mankell-Verfilmungen hintereinander), so sch??n kann Gr?ºndonnerstag sein. Abendmahltechnisch ?§ndert sich heute nichts. Das f?ºnfte Kaffeetrinken ist just vor?ºber, und das Gulasch harrt seiner. Essung. Ullrich Fichtner von Spiegel Online findet das “teuflisch”, wir vor allem lecker. Hach; es ist ein Kreuz mit den christlichen Feiertagen.

Thursday, 20. March 2008

Wurstesser sind bessere Liebhaber

So postuliert’s ein Schild bei Metzgerei Leiste – eine der skurrilen Seiten Bad Harzburgs. Eine andere sind die Kurg?§ste, denen an der Pommesbude gegen?ºber zuzuh??ren keine Freude ist; was kann man nur f?ºr einen besoffenen Unfug reden. Deutsche im Urlaub sind Deutsche im Urlaub; Playa del Bad Harzburg, Mallorca light. Aktiv ist hier das Kulturleben, bei Brillen Kerll, die mir meine arg zerbogene Brille korrigierten, steckte ich die Brosch?ºre der diesj?§hrigen Harzburger Musiktage ein. Und da wird gegeben? Die ber?ºhmte Hummel-Symphonie Nr. 3 Eroica von Beethoven. Allet klar. Aber eine wunderbare ?úberraschung: Giuliano Sommerhalder, Solotrompeter im Gewandhausorchester Leipzig, k?ºrzlich astrein mit der Pikkolotrompete im zweiten Brandenburgischen Konzert unter Riccardo Chailly, wird auftreten. Allein, diese seine T?§tigkeit unterschl?§gt die Brosch?ºre. Na, lieber paar Ungereimtheiten im Heft als Justus Frantz im Programm. Frantz und der etwas abgehalfterte Kurort Harzburg mit seiner Bundesstra?üe 4 in der Innenstadt haben ?Ñhnlichkeiten. Deswegen konzertiert Maestro pers??nlicher Freund Bernsteins hier gerne. Kammermusikalisch am Klavier oder mit diesem oder jenem rum?§nischen Mukkenorchester. Bad Harzburg ist halt was f?ºr Liebhaber. F?ºr Wurstesser.

Thursday, 20. March 2008

Keep your judgment pure. Drink responsibly.

So lautet der Willkommensgru?ü der Firma Finlandia Vodka. Die Seite darf schlie?ülich nur betreten, wer aufwendig seine Muttersprache, seine Herkunft und sein exaktes Geburtsdatum angibt (oder nicht seines, die Maschine dr?ºckt bei Abweichungen ein Auge zu). Antiraucherkampagnen fallen mir ja als Nichtraucher kaum auf, Antialkoholkampagnen da schon mehr. Auf den Etiketten der Ur-Krostitzer-Produkte steht neuerdings auch ein Signet, am gr???üten darauf das Wort ‚ÄûBier‚Äú, dazu irgendein Satz wie ‚ÄûGib Bier keine Chance‚Äú. Die Herren vorm Lidl werden sich‚Äôs zum Anlass nehmen, noch einmal ihr feuchtes Gewissen zu befragen. Lustiger Aufdruck. Die Firma Lucky Strike bewies k?ºrzlich Einfallsreichtum, und drehte im wahrsten Sinne des Wortes den markanten Warndruck auf Zigarettenschachteln, Raucherkinder, ohnehin behindert und weniger h?ºbsch von Geburt an, st?ºrben bald an Krebs, um, wodurch die Schachtel iPod-Optik gewann, und die Werbung titelte selbstbewusst: ‚ÄûiSmoke.‚Äú Als selbstbewusst gelten d?ºrfte auch die hundertfache Werbung der Marke Absolut Vodka. Die ist bisweilen sogar selbstironisch: ‚ÄûAbsolut wrath‚Äú zeigt eine zerschlagene Wodkaflasche. ‚ÄûAbsolut drunk‚Äú oder ‚ÄûAbsolut criminal‚Äú habe ich derweil noch nicht entdeckt. Aber daf?ºr eine nackte Frau mit Schriftprojektion in Submission‚ÄìManier der Stockholmer Agentur BrittonBritton.

In irritierendem Gegensatz dazu steht ein Foto des amerikanischen Irakkrieges, welches ich heute bei Spiegel.de entdeckte (‚ÄûDie Bilder der Irak-Katastrophe. Panorama des Perversen, 20. M?§rz 2008‚Äú), zu sehen der Kanonenlauf eines US-Panzers, darauf der Schriftzug ‚ÄûAbsolut Krieg‚Äú. ?Ñhm.

Thursday, 20. March 2008

Mit dem gr???üten W?ºrstchen aller Zeiten in flagranti

Die Deutschen. Haben eine Macke. Weil sie einem H?ºtchenspieler aufsa?üen. Henryk M. Broder: ‚ÄûAlles Adolf‚Äú (aus dem aktuellen Spiegel-Magazin). Weiter zum TV. Ist Kulturnacht. Eben Bruce Darnell bei Zimmer Frei im WDR; jetzt der Fall Vera Br?ºhne auf ARTE. Es geht um Leichen, T?ºbingen und bayerischen Dialekt. Waffenh?§ndler tot, Weib auch – wer war’s? Bisher langweilt’s, aber der Wei?üwein ist prima. Es geht um juristische Lehrst?ºcke. Fein, fein. Was anderes: Kebabgest?§ndnis bei der ZEIT: schon geh??rt? Von sich aus habe er noch ‚Äûkeinen D??ner bestellt‚Äú, der Helmut Schmidt. Gibt er bei einer Zigarette Auskunft.

Ein Traum ?ºbrigens: Arte+7, dort bringt Arte online seine Sendungen noch sieben Tage nach Ausstrahlung komplett zum nach-Sehen. Prima, prima! Hier gibt es noch einige Tage die Doku “Die Spielw?ºtigen” von 2004, eine Langzeitdoku ?ºber Schauspielstudenten der Schule Ernst Busch Berlin. ‚ÄûMein Sohn muss seine Tr?§ume zu Erf?ºllung bringen‚Äú sagt ein Papa, polnischer Vater, b?§rige Statur, verschr?§nkte Arme, echter Patriarch. Immerhin verst?§ndnisvoll. Im Gegensatz zur b?ºrgerlichspie?üigen Familie (‚Äû…wenn du deinen Lebensweg planen willst…‚Äú) der Stephanie Stemler, die der Tochter Larifaristudieng?§nge nahelegt (‚Äûdann hast du immer…‚Äú). (Eltern. Lehrer wahrscheinlich. Wer die Mitte erreicht hat, f?ºrchtet abzust?ºrzen. Come on.) Und ihre Tochter herabw?ºrdigt (‚Äû…das muss ja auch ein gut investiertes Geld sein, das da hineingesteckt wird…‚Äú) und die 18- oder 19-J?§hrige n??tigt zu S?§tzen wie: ‚Äûich wollte immer K?ºnstlerin werden‚Äú. Darauf die spitze Mama: ‚ÄûGut, das kann sein, dass der Traum in Erf?ºllung geht, aber wenn man Pech hat, halt nicht, ja, und dann fragt man sich so, so, was ist gewesen, was habe ich gemacht…‚Äú – jedenfalls nicht Lehramt studiert, du Henne; ‚Äû…wie sieht jetzt meine Zukunft aus…‚Äú – weniger verbohrt als deine; ‚Äû…und dann auch die Frage, wie das finanziert wird‚Äú. Investieren tut man in Aktien. Nicht in T??chter. Mannomann. Entwicklungspsychologisch betrachtet vertritt die Mutter die sogenannte Modelling-These: sie erzieht, wie sie selbst erzogen wurde. F?§llt mir gerade ein. TV-Tipp also.

Tuesday, 18. March 2008

Wir lassen Sie nie alleine werden wir Sie lassen

Frau Merkel k?ºmmert sich um Israel, gut so, weiter so, historische Verantwortung &c. Wobei man das mit “nie alleine lassen” wohl auch aus profaneren Kontexten kennt. Ich erlebe auch gerade gro?üe Momente. Ich putze die Frit??se und h??re derweil H?§ndel-Ouvert?ºren unter Trevor Pinnock (wohlgemerkt Ouvert?ºren, nicht Overt?ºren, nicht wahr, Maestro B?ºlow? (Ouvert?ºren beenden nicht, sie beginnen; alte Kapellmeisterweisheit.)) Wer bitte hat unsere Katze verzogen? Fr?ºher a?ü sie Lidl-Rind aus der Dose, und das schmeckte ihr und war ihr genehm und f?ºrwahr, es schadete ihr nicht!; jetzt isst sie nur noch Whiskas. F?ºr meine Erweichung war sie bereit, zwei Tage zu hungern. Und sie legt sich f?ºr besseres Futter enorm ins Zeug und schnurrt was geht. Prostitutive Kreatur, nobel geht die Welt zugrunde.

Monday, 17. March 2008

Verbotene Liebe und Prodomo

Was l?§uft soviel Tr?ºbes im ?ñffentlichrechtlichen? Gestern abend schon, Tatort Peinlich. Die Folge sah allen ernstes das Wort “Heuschrecke” im Titel vor. Schwachsinnige Dialoge, strohlangweiliger Plot, fahrige Szenen. Und st?§ndig sozialelnd: Kommissar Vater plus Sohn; Kommissar Alleinstehend plus alte Liebe; geschmierter Betriebsratvorsitzender plus Familie – st??hn. Aber aufs Styling achtete die ARD so au?üordentlich, dass es eine Zumutung war. Absonderliche Gebrauchs?§sthetik: permagestylte Haare (der Polizisten beim Nachteinsatz; des Sohnemanns um 23 Uhr am Abendbrottisch…), Homestory-bereite Wohnungen (vielleicht mietete die ARD ja f?ºr den Zeitraum zwischen Ladenschluss und Laden??ffnung, also nachts, das IKEA-Einrichtungshaus M?ºnchen-Brunnthal). So ein Murks. Meinen Abend kr??ne ich jetzt: “Du hast die Babymilch vergiftet!” – Verbotene Liebe. Gut, zu Hause zu sein. Kultur aufholen.

Sunday, 16. March 2008

„Hier regiert der FCB“

FCB Lokomotive. FCB k??nnte ja alles und jeden Verein meinen. Gleich dazu mehr. Zun?§chst: die Wohnung zu putzen versprach mehr Freude, als ich noch f?ºr die Pr?ºfungen lernte. Aber ich motivierte mich alsbald pr?§chtig mit der Absicht, gegen Nachmittag dem Zentralstadion einen Besuch abzustatten (Sachsen Leipzig vs. Lok Leipzig. Siehe BILD von gestern: ‚Äûdas gef?§hrlichste Wochenende seit Jahren‚Äú). Die Sache erledigte sich dieser Minuten: der Mob zog, m?§chtig von Polizisten eskortiert, an meiner Stra?üe entlang. Ich konnte nicht anders, als dem Schauspiel vom B?ºrgersteig aus (der Begriff kriegt einen ganz neuen Sinn, denn die Fans marschierten auf der Stra?üe) live beizuwohnen. Und ich muss aufr?§umen mit einem Vorurteil, nur junge M?§nner ohne Haare z??gen zu den Lok-Spielen – jeder Soundsovielte bringt n?§mlich auch Frau und Kind mit. Das ist wahre Leipziger Tradition, schallte doch schon weiland in der 1. bis (gesch?§tzt) 85. Schule der alte Schlager: ‚ÄûMuss es gleich der Mutti sagen: Bald werde ich das blaue Halstuch tragen!‚Äú (Worte: Gabriele Sander, Weise: Lutz Steiner) Naja. Blaugelb.

Thursday, 13. March 2008

Wilder Westen auf der Gottschedstra?üe


Die Folgen des “T?ºrsteherkriegs” (Spiegel Online), nun f?ºr den gemeinen abends Ausgehenden live zu erleben, mitten in der City auf der Gottschedstra?üe. Diverse Polizeibusse, ?ºber deren Pr?§senz man entweder r?§tselt (“Hast du keinen Fernseher?”, O-Ton Polizei), oder den gejeansten verdeckten Ermittler fragt. Der antwortet zwar permanent im Konjunktiv und mit Verben der Spekulation, gibt aber eigentlich pr?§zise Auskunft. Aber dessen Beistand bedurfte es kaum. Schon auf dem Weg gen Innenstadt versperrte ein querstehender Polizei-Bus auf der Gottschedstra?üe einem PKW die Durchfahrt, zwei kahlrasierte, kr?§ftige Herren standen wartend neben dem Wagen und mehrere Polizisten mit Schusswesten und Strumpfmasken pr?ºften routinem?§?üig den Perso. Is’ klar. Auf dem R?ºckweg aus der Innenstadt (den Umweg ?ºber die Gottschedstra?üe mochten wir uns kaum sparen) das selbe Prozedere. Allein: mehr Polizeibusse. Wieder einen PKW, ein BWM-Bolide, in der Mangel. Aber diesmal die Polizisten mit Schnellfeuerger?§t, Maschinenpistolen?§hnlichem ger?ºstet. War das inszeniert f?ºr Spiegel-TV? Wir nehmen an, es war echt. “K??nnte mit dem Wochenende zusammenh?§ngen” (O-Ton ungeouteter verdeckter Ermittler; …der mein Geknippste bekopfsch?ºttelte und offensichtlich f?ºr unangemessen hielt).

Das Foto ist kraft (oder schw?§che) meines Motorolahandys unzureichend. Man erkennt jedoch den schwarzen BWM-Gel?§ndewagen und umstehende Polizisten. MPs verwaschen. Mea culpa. Die Undeutlichkeit wird durch Aktualit?§t aufgewogen: das Foto ist kaum 45 Minuten alt.

Nachtrag 14.21 Uhr: die Leipziger Volkszeitung berichtet heute vom “SEK-Einsatz an Kneipenmeile” vergangene Nacht.

Wednesday, 12. March 2008

Staatspr?ºfungen II und III

Another job well done. What a week. Welche Auswirkungen hatte die Franz??sische Revolution auf das Alte Reich? Auf das Alte wohlgemerkt. Nicht das alte. Neither die Alte. So kurz kann eine Staatspr?ºfungsaufgabe lauten. Und meine knackige Antwort: gewaltig seien sie gewesen, die Auswirkungen. Hundert Punkte, sch?§tze ich mal! Doch man hie?üe mich nicht eine Pr?ºfungssau wenn ich nur eine einzige schriftliche Klausur geleistet h?§tte. Indeed, so war es nicht; es verhielt sich im Gegenteil wie folgt. Schon am Mittwoch, d. 27.2. reihte ich mich ein, meine Qualifikation in den lernp?§dagogischpsychologischen Disziplinen zu bezeugen; am darauf folgenden, respektive vergangenen, Mittwoch, d. 5.3. leistete ich meine zweite schriftliche Klausur zum Verh?§ltnis Friedrichs II. zu den P?§psten; heute, d.12.3., wie oben beschrieben. Ein klassischer Dreier, Hattrick, Mittwoch-Mittwoch-Mittwoch eben. Eben – sch??nes Affirmationsadverb eigentlich.

‚ÄûNach dem sp?§tabsolutistischen ?ñsterreich, nach dem feudal gepr?§gten alten Reich war auch der Modellstaat des aufgekl?§rten Absolutismus, die j?ºngste, modernste und dynamischste Gro?ümacht im europ?§ischen 19. Jahrhundert, der st?§rkste deutsche Milit?§rstaat, Preu?üen eben, dem Schlag des Vollenders und B?§ndigers der Revolution, dem Schlag Napoleons erlegen.‚Äú (Thomas Nipperdey)

Tja. Nipperdey, Mein liebstzitierter Geschichtemacher. Adverb entdeckt? Beziehung zwischen P?§psten und Friedrich II. zu benennen (benennen, niemals hei?üt es benennen. Es hei?üt: problemorientiert diskutieren. NB) ist eine heikle Sache. Erstens begibt man sich auf d?ºnnes Eis, wenn man als Historiker ?ºber die Verh?§ltnisse Paulus ihm seiner Nachfolger zu M?§nnern spricht. Zweitens gibt’s der Friedrichs zahllose, der neue Brockhaus widmet Fried – Fried den gesamten siebzehnten Band. Im Staatsexamen gemeint war Friedrich II., der vorvorletzte Staufer, und seine zwist??sen Beziehungen zu den P?§psten Innozent III.- IV.; gemeint war, trotz anz?ºglichen und missverstehbaren Hinweises auf die kurialen M?§nnerbeziehungen, eben nicht jener f?ºr homoerotische Historiografietendenzen pr?§destinierte Friedrich II., jener im Spannungsfeld von Frauenvermeidung und Asexualit?§t libidinisierende Freund der Fl??te, Friedrich II. der Gro?üe. Der war nicht gemeint. Aber von dieser Herkunft gibt’s viele. Noch des Gro?üen Enkel hei?üt Friedrich und von Preu?üen. Und in Deutschland gr???ütem Onlinesozialnetzwerk f?ºhren zumindest 15 Studis ein von Preu?üen als Nachname. Preu?üen eben.