Mittwoch, 27. Februar 2008

Aaachtung!

Militär ist so eine hierarchische Angelegenheit. Einer redet, fünfzehn andere lauschen: Dorfschule 1908 dürfte, rein her von Rollenverteilung und vom Umgang oben-unten, der niedersächsischen Provinzkaserne 2008 entsprechen. (Es schlich sich ein Jubiläum in mein Beispiel. Da gibt es heute ein weiteres: 75 Jahre Reichstagsbrand. Da ist aber kein Zusammenhang intendiert.)

Fünfzehn junge Bundeswehrsoldaten also, Männer wie Frauen, die traf ich vergangener Woche im Zeitgeschichtlichen Forum zu Leipzig an. Stramm und zweireihig, stabilen Stands, Füße schulterbreit gespreizt. (Trotz aller Symmetrie galt das aber sicher als „bequeme“ Formation.) Und der Hauptmann, General oder dergleichen (wer führt denn alltäglicher Weise die Bundeswehrdienstleistenden aus? Ich bin mit solchen Militärgraden nicht belesen…) erklärte, referierte und wirkte gar nicht unfreundlich: Lob des Frontalunterrichts (z.B. à la Feuerzangenbowle: „Junge Bäume die wachsen wollen muss man anbinden, damit sie gerade wachsen und nicht nach alle Seiten ausschlagen“). Angesichts meiner Studienverpflichtungen zu den Staatsprüfungen stehe ich pädagogisch psychologisch zur Stunde bestens im Stoffe. Daher würde ich von meinem Erlebnis sogar sagen: das war das Primat der Instruktion. Kognitivistischer Lehransatz: der didactic leader (didactic wohlgemerkt; wieder nicht intendiert) strukturiert das Wissen vor und bemüht sich um den möglichst unbeschadeten Transfer dieses Pakets in die Lernerköpfe. Die Lerner strukturieren nicht und sind auch sonst nicht kreativ oder selbstgesteuert; ihre Rolle ist passiv und rezeptiv. Das Primat der Instruktion gilt als Geheimtipp bei Lernschwierigen. Wobei gewarnt wird, allzu puristisch eingesetzt könnte dieser Lehransatz in Disziplinprobleme münden (die jungen Soldaten machten aber keine Anstände).

Fünfzehn Jungs und Mädels vis-à-vis ihrem didaktischem Führer, in dessen Rücken der Fahrstuhl. Dann ich vor dem Fahrstuhl. D.h. mir vis-à-vis fünfzehn Soldaten im Alter 16+. Ich Blickkontakt mit denen, die Blickkontakt mit mir – ich fühlte mich in der Rolle des Generals, … (s.o.) und stellte mir reflexartig die Frage: was würde ich denen sagen? Was sagt der denen? Vielleicht: „In Sachsen ab 2008 auch Rauchverbot in Museen, schreibt’s euch hinter die Ohren!“ oder: „Wer kritische Fragen stellt ist kommende Woche in Liechtenstein an vorderster Front!“ oder: „Stillgestanden! Hier wird Demokratie gelernt!“

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