Lieber Arm dran als Arm ab
Die WestLB-Zeile vom Samstags-Beitrag war der gestrigen FAZ entnommen. Ihr Feuilleton, zumal seine Strizz-Comics, ist oft lesenswert! Verzichtbar sind dagegen die pfundweisen Stellenangebote, der Wirtschaftsteil sowie der Kunst- und Finanzmarkt. Kunstmarkt… – ohne Worte. Nun denn. Seit es bei der FAZ bunte Bilder auf der ersten Seite gibt, lese ich die ja auch. Der Vorschlag des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, türkische Lehrer und Sozialarbeiter in deutsche Schulen („sogar in Gymnasien“) zu entsenden, sei, so Georg Paul Hefty neben dem bunten Bild („Hans im All“), vorgetragen worden „in einer von Selbstbewusstsein strotzenden Form auf deutschem Territorium“ – zu deutschterritorialen Fragen s.u. – „(nach vorausgegangenen Grobheiten)“. Hmmm, wie wohlig-warm, schöner Stil.
In anderem Zusammenhang bedauert Stefan Dietrich (jetzt geht’s ums deutsche Territorium), der Holocaust stelle „in seiner Monstrosität manches in den Schatten“ – als da wären der „Bombenterror der Alliierten, die Zerstückelung Deutschlands und das Schicksal der Vertriebenen“ (Ralph Giordano nennt das den „Verlust der humanen Orientierung“ und findet das glaube ich ziemlich typisch deutsch, vgl. Giordano, Die zweite Schuld …, Hamburg/Zürich 1987). Und attestiert jenen, die auf neuerliche nationale Identifikation und Sentimentalität keinen außerordentlichen Wert legen, nicht „normal“ zu sein. „Nur wenigen“ sei bewusst, „auch mehr als sechzig Jahre nach Kriegsende …, dass Hitlers Angriffskrieg“ – Hitlers? – „nicht nur an Sudetendeutschen oder Ostpreußen vergolten wurde, sondern am deutschen Volk als ganzem.“ Hört, hört, am Volk als ganzes und mehr als sechzig Jahre nach Kriegsende – das betrifft wohl auch mich, Jahrgang 1981, dürfte Herr Dietrich meinen. „Gerade jene, die sie (die Strafe) im Nachhinein sogar als ‚gerecht’ empfinden, spüren nicht einmal so etwas wie Phantomschmerz nach der Abtrennung des deutschen Ostens.“ Schmerz? Wegen einer Abtrennung des deutschen Ostens? „Normal“ sei „diese Unempfindlichkeit nicht. Wenn ein Mensch ein Bein verliert, stirbt das Bein, doch der Leidtragende ist der Mensch.“ Deutschland verlor ein Bein? Volkskörper?! „Du bist Deutschland“ – und Stefan Beyer spürt keine Phantomschmerzen? Come on!.. Spielten nicht ab und an Neue Musik & Wagner im Feuilleton eine Rolle, Herr Dietrich, und hätte die FAZ nicht bunte Bilder vorne drauf, man könnte die Zeitung für verzichtbar halten.


Kommentieren
<< zurück