Montag, 10. Dezember 2007

Deutsche Historikerspionage?

Warum etwas noch einmal formulieren, wenn diese Aufgabe doch bereits erledigt ist? Ich dachte, das tu’ nur ich. Weit gefehlt! Witzige Sache also, wenn man mehrere Bücher zum selben Thema zugleich liest: Nationaleinigung Italiens, um 1861… Da heißt es 1989 bei Gordon A. Craig (zunächst 1978 in New York erschienen, ausm Englischen von Marianne Hopmann):

„Nachdem die Neapolitaner ihren Widerstand bei Gaeta aufgegeben hatten, erlebte die Stadt Turin im Februar die Versammlung eines neuen italienischen Parlaments, das die gesamte Halbinsel mit Ausnahme Roms und Venetiens repräsentierte, …“

Manfred Görtemaker, Professor in Potsdam, braucht da 2002 in seiner „Geschichte Europas 1850-1918“ nicht lange für seine eigene Art, die Ereignisse in Worte zu fassen:

„Nach Parlamentswahlen im Januar 1861 erlebte Turin im Februar die erste Versammlung eines neuen italienischen Parlaments, das mit Ausnahme Roms und Venetiens die gesamte italienische Halbinsel repräsentierte.“

In Rekurs auf die beiden Großen werde ich die ulkige Formulierung, Turin habe ein neues Parlament „erlebt“, und das mit dem die gesamte Halbinsel Repräsentieren („…mit Ausnahme Roms und Venetiens“ – ich schreibe dann aber Venedig anstelle von Venetien, das ist die persönliche Note, wahrscheinlich auch die sachlich falsche, wird mir dann wieder jemand sagen…) natürlich wortwörtlich übernehmen. Das ist dann nicht stilistisch unsauber, sondern im Gegenteil besonders pfiffig. Hui!

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