Sonntag, 30. Dezember 2007

„Einer hier ist ein Ungläubiger, und das hat Taranis gar nicht gern‚Äù

„Es ist nicht leicht für eine Lehr-Lern-Gruppe, sich von Woche zu Woche und Jahr für Jahr immer wieder erfüllte Musikvollzüge zu ermöglichen. Dazu bedarf es der Abwechslung und oder Vertiefung: zum Beispiel zunehmender Komplexität, des Stil- oder Situationswandels.‚Äù

„?ñffne dich dafür, dass diese Worte heute für dich plötzlich lebendig werden können.“ (Volxbibel. Siehe unten.) Ich danke Herrn Professor Dr. Wallbaum für die wohligen Worte zum Anfang dieses Blogeintrags – schaut her: die Komplexität nimmt Einzug in die Musikdidaktik. (Aus dem Zusammenhang gerissen und falsch verstanden. Jajaja – kommt mir nicht so!) Ja, er kommt, der Friedefürst. Kriegt so was Geistliches. Nicht von ungefähr: unten im Hausflur hat wieder jemand Unerwünschtes Wachturm-Heftchen ausgelegt. A propos Sektiererei: die Volxbibel. Bravo, tolles Teil. Hat jemand beim Umzug bei mir in der Wohnung vergessen und legt ausdrücklich keinen Wert drauf, das Dingen nachgeschickt zu kriegen. Mann, Mann. Da lieste Buchdeckel und die Danksagungen und hast genug. Dachte, derlei Jugendschriften („radikale Aussagen“, Buchdeckel) mit Heiligkeitsanspruch gibt’s nur in Koranschulen – ich scherze, ich scherze!… Verblendungstendenzen, Wundertum und faseliges Deutsch – das kenne ich nur vom Kirchentag. „Danke Jesus, du bist mehr, als Worte beschreiben können.“ – Das auf Seite 2. Anspruch und Wirklichkeit: ein Widerspruch…

In diesem Sinne danke ich meiner Leserschaft (respektive Mutti, Tante, Onkel, Geschwister) für ihre Treue im Jahr 2007. „Ohne euch wäre es nicht gegangen! Echt jetzt! Jesus wird es zurückgeben, ganz sicher, tausendfach!“ Guten Rutsch! (Bei Aldi gibt es „Doppelbomben“, das Paket heißt „Raketen made in Germany“. Ich grüße auch die Leser in Dresden.)

Freitag, 28. Dezember 2007

“Is doch egaaal, nu greifense zuu!”

Zurück in Leipzig. Wessen Worte starteten meinen Tag? Roland Kochs, hessischer Regierungschef. Während ich in der Früh beim Wendl-Bäck (erzgebirgischer Wortbau) an die Reihe zu kommen, in der selbigen stehend, warte. “Erstmals” rede ein Politiker “Klartext”, und bei Koch, wen wundert’s, klingt’s halt so: mer habe zu viele junge kriminelle Ausländer in Deutschland. Das vorm Frühstück – solches Gerede und solche Visagen. Prost. Nur was wollmer mache mit all die junge kriminelle Ausländer? Ausschaffe? Wie im schweizer Wahlkampf thematisiert (“schwarze Schafe” – und von der NPD eins zu eins aufgegriffen. Weißte Bescheid, Schätzelein)? Na, reden wir nicht vom Roland Koch. Die Damen vom Wendl-Bäck brachte der nach mir Kaufende ungehörig durcheinander. “Drei Brötchen, egal was.” – “Äh.. Hmm.. Was mit Körnern?” – “Ist doch egal, nun greifen Sie zu!” Ja. Der Mann war mein Schlag Humor. Übrigens: wer beim Telefon- und Internetanbieter Tele2 für fünf Euro ein Länderpaket extra bucht telefoniert für null Cent nach Vatikanstadt. Klingt nachm Schnäppschen. (Manko Wortbildung: wollte schreiben “Schnäppchen” mit “sch”, jetzt liest es sich wie “Schnaps”, aber verniedlicht: “Schnäps-chen”. Na gut. Eigentlich sagt das doppelte P alles.) Noch eine Neuigkeit: H&M hat jetzt Printkataloge. Optisch IKEA-mäßsch (hier geht’s problemlos mit dem sch), bissle schlichter und einfacher gestaltet tät’sch (dito) sagen. Zumal die Models bissle verlebt wirken. Schaut alles ein wenig aus nach Tchibo-Moden. Aber 300 Seiten Broschüre wollen auch erstma finanziert sein, nech. Die Schrift ist schlicht und einfach und immer sehr groß, sehr gut bei meinen 4,5 Dioptrien. Andererseits haben diese großen Buchstaben immer so einen “brüllenden” Ausdruck – das stört. EIN PAAR AUSGEWÄHLTE ARTIKEL, DIE UNS UND VIELEN UNSERER KUNDEN BESONDERS GUT GEFALLEN. oder KAPUZENJACKEN 29,90. Und ab und an wird so eine schnörkelige Tintenfeder-Schriftart benutzt. Wie die Type vom Fürst von Metternich-Sekt. Damit wird dann im Katalog mal ein einziges Wort hervorgehoben, z.B. “Raffinierte Accessoires” oder “Funktioneller BH in Schwarz und in Weiß”.

Samstag, 22. Dezember 2007

Frauenfußball-Nationalmanschaft Platz 2

Das Damenteam kriegt Platz zwo beim Ranking Mannschaft des Jahres. Dabei gewannen sie doch stets ordentlich, 8:0 und sowas. Kennt man. Mein Schwesterherz ist zu Recht ungehalten. Die blubbernden ZDF-Moderatoren versuchen noch die Entscheidung als knapp zu erklären und bla. Dummes Zeuch. Zweimal Weltmeister hintereinander wird bei Damen nicht honoriert. Aber sie laufen im TV auf in Mannschaftsfeierrobe. Teamabendkleid. Grins. Übrigens sind die Damen bei StudiVZ und man Bilder von der WM in China gucken. Eben gesehen. Wahn-sinn!

Samstag, 15. Dezember 2007

Original und Fälschung

L’ensemble de la Gaule est divisé en trois parties (César ne comprend pas sous le nom de Gallia la partie de la Gaule déj?† soumise aux Romains.): l’une est habitée par les Belges, l’autre par les… So, bis hier & Schluss. Kleiner intellektualisierender Einstieg. Ich begrüße auch die Zuschauer aus ?ñsterreich, den alten Bundesländern und der Schweiz. Gott, ich will ja nicht kleinkariert wirken. Aber nun schau’ man sich nur dieses an: Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung. Da wird man nach Stunden Unibibliothek ganz wirr! Zuerst Heinrich Lutz:

„Im Gegensatz zum Krimkrieg war der italienische Krieg 1859/60 kein Kabinettskrieg alten Stiles mehr…“

Dann Michael Behnen aus Göttingen:

„Im Gegensatz zum Krimkrieg, einem reinen Kabinettskrieg, wurde der italienische Krieg des Jahres 1859…“

Jaja, das letzte Beispiel vorvorvorgestern war besser. Aber eine Wiederholung ist eine Wiederholung ist eine Wiederholung. …Manchmal denke ich, ich könnte Hausarbeiten flotter schreiben, wenn ich nicht dauernd über der Literatur heiter quizzte. (Quizzen – das Wort gibt es doch?)

Freitag, 14. Dezember 2007

Späht die Volksbank aus?

Was für zweifelhafte Werbe- und Geschäftsmaßnahmen… Wen wundert’s? Volksbank, was für ein Name allein schon. Verknüpft aus den Wörtern „Volk“ und „Bank“, beide zweifelsfrei in der Top 10 der gruseligst konotierten Begriffe. … Soviel der Präfatio.

Post aus Bad Harzburg, die Volksbank in der Herzog-Wilhelm-Straße bewirbt EasyCredit. Easy Schulden machen, kennt man ja, erfüllen Sie sich Ihre Wünsche, et cetera et cetera. Nur: woher kennt die Bad Harzburger Volksbank meine sechs Monate junge Leipziger Adresse!? Anruf heute vormittag. „Hier steht Bismarckstraße, Bad Harzburg.“ Ach? Warum die Post denn dann nach Leipzig ging? „Omm. ?ñöh.“ Man werde in die Wege leiten, dass ich keine Werbung mehr erhalte. „Und dass Sie sich nicht meine auswärtigen Adressen irgendwo besorgen.“ – „Omm. ?ñöh. Jaa… Schönen Tag.“ Harzburg. Kannste knicken.

Montag, 10. Dezember 2007

Deutsche Historikerspionage?

Warum etwas noch einmal formulieren, wenn diese Aufgabe doch bereits erledigt ist? Ich dachte, das tu’ nur ich. Weit gefehlt! Witzige Sache also, wenn man mehrere Bücher zum selben Thema zugleich liest: Nationaleinigung Italiens, um 1861… Da heißt es 1989 bei Gordon A. Craig (zunächst 1978 in New York erschienen, ausm Englischen von Marianne Hopmann):

„Nachdem die Neapolitaner ihren Widerstand bei Gaeta aufgegeben hatten, erlebte die Stadt Turin im Februar die Versammlung eines neuen italienischen Parlaments, das die gesamte Halbinsel mit Ausnahme Roms und Venetiens repräsentierte, …“

Manfred Görtemaker, Professor in Potsdam, braucht da 2002 in seiner „Geschichte Europas 1850-1918“ nicht lange für seine eigene Art, die Ereignisse in Worte zu fassen:

„Nach Parlamentswahlen im Januar 1861 erlebte Turin im Februar die erste Versammlung eines neuen italienischen Parlaments, das mit Ausnahme Roms und Venetiens die gesamte italienische Halbinsel repräsentierte.“

In Rekurs auf die beiden Großen werde ich die ulkige Formulierung, Turin habe ein neues Parlament „erlebt“, und das mit dem die gesamte Halbinsel Repräsentieren („…mit Ausnahme Roms und Venetiens“ – ich schreibe dann aber Venedig anstelle von Venetien, das ist die persönliche Note, wahrscheinlich auch die sachlich falsche, wird mir dann wieder jemand sagen…) natürlich wortwörtlich übernehmen. Das ist dann nicht stilistisch unsauber, sondern im Gegenteil besonders pfiffig. Hui!

Sonntag, 9. Dezember 2007

“…müsste seiner ganzen Art, Anlage, Entwicklung nach ein prädestinierter Nazi sein.”

Wieder Carl Zuckmayer geschmökert – herrliche Lektüre. Zweiter Advent – die Zeit bis Weihnachten fließt wieder einmal so dahin… Immerhin ist Sonntag, das wollen wir zum kurzen Innehalten nutzen, z.B. mit dem wunderbaren “Bäcker Kaffee” von Tchibo zum Sonderpreis von 3,79 Euro. Herber geht’s nimmer, au weh… Nutzen: ok, ok, heutzutage nutzt man alles. Auch den Sonntag, auch den ersten und vierten Advent; ich nehme mich da nicht aus. Aber den Adventssonntag zum Innehalten nutzen. Dem ist was Paradoxes. Ah schön. Endlich ein kritelnder Satz im Blogeintrag. Kein Blogeintrag ohne schlau. Weiter im Text, das eben war nur ein Einschub. Sonntag, also, Sonntag – d.h. heute muss dringend eine Frankfurter Sonntagszeitung ran, Todesmeldungen und Nachrufe lesen. Ich nehme an, dass man aus Kürten zum Samstag noch keine Anzeige in Auftrag zu geben schaffte. Das heißt, Momentchen!, … – der gute Karlheinz war meiner Erinnerung nach schon zwei Tage vor den Zeitungsmeldungen vom Schlage getroffen. Und da man in Kürten (Kürten liegt auf der Tastatur schlecht in der Hand. Upsi. Hätte fast Kürzen geschrieben anstelle von Kürten. Schon wieder!..) zweifelsohne mehr weiß als im Osten, mag’s schon sein, dass das schön pünktlich kam. Na, wir werden’s sehen! Das wird dann heute der zweite Anlauf sein, eine Frankfurter an einem Sonntag zu kaufen. Am ersten Advent bereits stand ich beim Paradiesbäcker in der Gottschedstraße, verlor der Überblick, weil eine FAZ rumlag, aber die von gestern, und fragte nach der Sonntagszeitung – und der drückt mit die BamS in die Hand. Danke. Pourquoi nous?

Freitag, 7. Dezember 2007

Stockhausen beim Posaunentag 2008 in Leipzig?

Kaum ist er tot, kommen mir Gerüchte zu Ohren, welche ich so verstehe, dass beim Deutschen Evangelischen Posaunentag 2008 in Leipzig ein Stockhausen-Werk zur Uraufführung käme. Ein Werk für 10.000 Bläser, was natürlich hinkommt – es kann nur der Posaunentag vom 30. Mai bis Anfang Juni gemeint sein. Huh. Insidernews?

Kein Musikantenmilieu hat eine höhere Affinität zur Neuen Musik. Und zu Mystischem. Und kein Ort ist musikmäßsch modernistischer! Keiner!! Perfekt also. Bin gespannt!..

Freitag, 7. Dezember 2007

Karlheinz Stockhausen ist tot

Guckst du. Karlheinz Stockhausen ist tot. 79 Jahre.
Komponist Karlheinz Stockhausen ist tot (Spiegel vom 7.12.2007)
Karlheinz Stockhausen gestorben (FAZ vom 7.12.2007)

Und auch bei Bild, zwischen “Preis für Superbenzin um sechs Cent gefallen” und “Heuschreckenschwärme fallen in Kenia ein” (bei Stern.de läuft das bei “Unterhaltung”): Komponist Karlheinz Stockhausen gestorben (Bild.T-Online.de vom 7.12.2007 – aber unspektakulär dünn, die Meldung.)

Dienstag, 4. Dezember 2007

Geeier gen Nordharz

Kurzer Abstecher nach Niedersachsen. Keine Freude, brauch ich nicht drüber sprechen, denn die Bahn macht aus der Pupsstrecke einen Abenteuerausflug mit vier Umstiegen. Die Bahn, die Bahn. Naja, eigenes Thema. Den Laden kannste knicken.
Das Fahrrad parkte ich zuvor in Leipzig direkt am Bahnhof: noch nie empfand ich mein „Teuto-Bike“ (kein Scherz, so heißt das gute Stück) derart gut gesichert. Kurzer Abstecher im kurzen Abstecher: Drogeriemarktbesuch im Hallenser Bahnhof. Beim „dm“ griff ich an der Kasse außerdem zum kostenlosen Werbejournal der Kette. Nun ja – für seine Gattung ein durchaus ungewöhnliches Machwerk würde ich nach schneller Durchsicht sagen. (Da erinnere ich mich nun plötzlich: veröffentlichte nicht der dm-Geschäftsführer kürzlich erst ein Buch zum Thema Sozialpolitik in der BRD?) Auf dem Cover ist ein Herr Muhammad Yunus abgebildet, Träger des Friedensnobelpreises 2006, in der Zeitung geht es um Grundeinkommen, Mikrokredite, es gibt ein langes Interview mit einem Steiner-Pädagogen und einen Vierseiter „Risikofaktoren zu einer Legasthenie“. So gute Menschen, die vom dm-Markt. Wahn-sinn!

Montag, 3. Dezember 2007

Haec sunt capitula

Unruhe in meinem Heime: man riet mir, angesichts anstehender Staatsexamensprüfungen die erforderlichen Leistungsbelege zentral zusammen zu schaffen. D.h.: aus Schränken und Regalen suchen und in einer einzigen Mappe zu konzentrieren. Leistungsbelege der Uni – das ist schon so’n Sonderthema. Fünfe braucht man als Historiker im Hauptstudium. Meistens steht keine Note auf dem Schein und keine Beurteilung auf der Hausarbeit. Und so ein Schein an sich, das ist nur eine mehr schlechte als rechte, mit einer Büroschere in der Mitte zerteilte, A4-Kopie. (Ausnahmen bestätigen &c., jajaja.) Das Glück, am Ende seiner Studienzeit alle erforderlichen beieinander zu haben ist in der Realität also ein ernüchterndes Erlebnis. Rein optisch meine ich. Gut, also jener Ratschlag. Und ich kam ins Schwitzen, denn: wo bitte sollen sie sein, all die Latinumszeugnisse, Zwischenprüfungsbelege und Hausarbeitsleistungen? Ich ziehe schließlich gerne und häufig um; zumal ich anno 2005 f. in Schweden weilte (und allerlei Kistenkrams interimistisch in Omamas Keller einlagerte. Das steigert den Durcheinanderfaktor). Au wei!… Die Suche kostete den Abend. Das Ziel ist erreicht; und der Weg war herrlich – auf was ich da stieß… Zum Beispiel belegt der Leistungsnachweis einer Frau Doktor Priv.-Doz. meiner Proseminarsarbeit im Fach „Historische Hilfswissenschaften/Archivwissenschaften“ die Gesamtnote „sehr gut“. Dass ich eine verborgene Liebe in mir trage zu Numismatik und Heraldik – war mir zwischenzeitlich entgangen. Aber hier steht es klipp & klar: „Der stud. phil. Stefan Beyer hat … mit Erfolg teilgenommen.“ Stud. phil. – Archivwissenschaften, allet klar!..

Aber die Bombe: meine schriftliche Arbeit im mediävistischen Hauptseminar zur „diözesanen Gesetzgebung zur Zeit Karls des Großen durch Captiula“. Hört, hört. Solche C. episcoporum entstanden zwischen 800 und 950. Länger währender als Arbeitsmarktreformen in der BRD, doch der für karolingische Verhältnisse eher kurze Zeitraum deutet hin auf einen Misserfolg der Gattung. Wie es sei. Kurioser Fund jedenfalls, meine Seminararbeiten, ex divinarum scripturarum scriptis, quae electi sacerdotes custodienda atque adimplenda censuerunt. Guckst du.