Donnerstag, 23. August 2007

Bußunfertigkeit

Meine Hausarbeit über Adenauers resp. Hitlers Schergen macht mich schlau. Wieder ein neues Wort für weinselige Diskussionen über Staat und Vergangenheit: Bußunfertigkeit. Das Wort hat sich Ralph Giordano ausgedacht und will sowohl die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ selbst, die „Quelle des deutschen Revisionismus und Revanchismus“, als auch ihre Apologeten (NB: wieder ein neues Wort. Gleich erstmal nachschlagen…) anprangern.

Schön auch das Engagement der Deutschen Partei im September 1949 (d.h. noch vor Konstituierung des ersten Bundestags) für Straffreiheit den „von der Entnazifizierung Betroffenen“. Von der Entnazifizierung betroffen – Begriff des Jahres 1949! …Ein Täter plädiert vor Gericht für Freispruch, weil er sich als Opfer des Gesetzes sieht, das seine Tat als Strafbestand definiert. Sagen wir: ein Mörder plädiert für Freispruch, weil er Opfer sei jenes Paragraphen, der Mord unter Strafe stellt. Gut. Der Lösungsvorschlag der FDP im Fall Nazi-Verfolgung ein Jahr später: „Liquidation der Entnazifizierung“. Liquidation? Für mein Vergleich würde das bedeuten: „Ich plädiere, jenen Paragraphen, der Mord unter Strafe stellt, zu liquidieren!“ – Die Wortwahl macht’s irgendwie abstrus. Wenn nicht in aller Plötzlichkeit Guido in seinem –Mobil einem Unfall zum Opfer fallen sollte, könnte die FDP in drei Jahren feierlich „Von der ‚ÄöLiquidation’ bis Guido – 60 Jahre Erheiterndes bei den Freien Demokraten“ begehen.

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