Mittwoch, 29. August 2007

„Giovine Italia“ – Junges Italien, späte Hausarbeit

Wie niederschlagend: auf dem Fußweg in die Universitätsbibliothek treffe ich einen Musik-Kommilionen, ein Dirigent. Wohin des Weges? Ich zeige ihm die Bücher in meiner Hand: „Risorgimento. Thought & Action“, „Geschichte des Nationalismus in Europa“ und „Studies of modern Italian History“. Da lacht er herzlich auf mit seinem koreanischen Akzent: „Bist du Musiker?..“
Oh je, oh je!… Das schmerzt!

Donnerstag, 23. August 2007

Bußunfertigkeit

Meine Hausarbeit über Adenauers resp. Hitlers Schergen macht mich schlau. Wieder ein neues Wort für weinselige Diskussionen über Staat und Vergangenheit: Bußunfertigkeit. Das Wort hat sich Ralph Giordano ausgedacht und will sowohl die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ selbst, die „Quelle des deutschen Revisionismus und Revanchismus“, als auch ihre Apologeten (NB: wieder ein neues Wort. Gleich erstmal nachschlagen…) anprangern.

Schön auch das Engagement der Deutschen Partei im September 1949 (d.h. noch vor Konstituierung des ersten Bundestags) für Straffreiheit den „von der Entnazifizierung Betroffenen“. Von der Entnazifizierung betroffen – Begriff des Jahres 1949! …Ein Täter plädiert vor Gericht für Freispruch, weil er sich als Opfer des Gesetzes sieht, das seine Tat als Strafbestand definiert. Sagen wir: ein Mörder plädiert für Freispruch, weil er Opfer sei jenes Paragraphen, der Mord unter Strafe stellt. Gut. Der Lösungsvorschlag der FDP im Fall Nazi-Verfolgung ein Jahr später: „Liquidation der Entnazifizierung“. Liquidation? Für mein Vergleich würde das bedeuten: „Ich plädiere, jenen Paragraphen, der Mord unter Strafe stellt, zu liquidieren!“ – Die Wortwahl macht’s irgendwie abstrus. Wenn nicht in aller Plötzlichkeit Guido in seinem –Mobil einem Unfall zum Opfer fallen sollte, könnte die FDP in drei Jahren feierlich „Von der ‚Liquidation’ bis Guido – 60 Jahre Erheiterndes bei den Freien Demokraten“ begehen.

Dienstag, 21. August 2007

Siesta in der Albertina

Ein weiterer Tag in der Universitätsbibliothek in der Beethovenstraße. Es soll heute der letzte sein mit meiner Neueste Geschichte-Hausarbeit. Es ist 17 Uhr, und offenbar ist zweite Mittagspause angesagt. Die Uni-Bibliothek ist heute gut besucht, die Tische hier unten sind besetzt. Aber das Gros der Nutzer hat sich in den letzten 15 Minuten fort gemacht, rauchen, Kaffee trinken. Ist das der Rhythmus der regelmäßig hier Arbeitenden? Ich sehe zwei unbeaufsichtigt herumstehende Laptops im Standby; nur eine Kommilitonin kann ich ausmachen, sie sitzt mir mit dem Rücken zugewendet zwei Tische weiter – und hat den Kopf zum Nickerchen auf ihren Armen ausgeruht. Charmant-gemütlich hier! Franz Joseph Strauß, den es sich für meine Hausarbeit über mangelhafte Vergangenheitsbewältigung hinsichtlich des NS in der BRD häufig zu zitieren lohnt, hin oder her.

Sonntag, 19. August 2007

“Heil! Heil! Heil!”

“Oh! Herr, schick’ uns ein fünftes Reich, das vierte ist dem dritten gleich!”
Hausarbeiten haben den unstreitbaren Wert, dass man neue Bonmots kennen lernt. Dieses stammt aus einer Schrift des Publizisten Eugen Kogon kurz vor der Gründung der BRD. Eugen Kogon nannte Goebbels Mephisto und Hitler einen Regisseur und hielt weder von alliierter Denazifizierungspolitik noch von Kollektivschuld viel. Vielleicht war dies der Grund, weswegen man ihn gerne als Gründungstheoretiker der BRD 1949 sah. (Die Überschrift zitiert nicht Kogon, und gilt auch nicht Hitler, sondern Thüringens Fürsten. Gestern lief am Abend der “Tannhäuser” bei MDR Figaro, und nach ein paar Tagen Beschäftigung mit Schuld & Vergangenheitspoltik kann man nicht mal mehr ein zünftiges “Heil!” gelassen hören. Seufz.)

Freitag, 17. August 2007

Oje, Oje!

Der schlimmste Tag: soeben ging meine Kaffeemaschine kaputt! Der Kaffee tropft durch einen Riss in der Glaskanne, benutzbar ist das Gerät nun nur noch mit dem Preis, durch die austretende Flüssigkeit die Maschine selbst zu beschädigen. Hilfe! Meine Hausarbeiten sind verdammt! Dabei deutete sich heute Mittag der Tag als sehr glücklich gewendet an: mein Mensa-Mittagessen ging auf Kosten des Hauses. Ein Hoch aufs Studentenwerk. Der Koch nickte wohlwollend: “Nimm’ nur, nimm!”, und die Kassiererin winkte mich durch mit den Worten: “Sie Glückpilz!”

… Aber das hat sich ja nun mit der Maschine erledigt.

Freitag, 17. August 2007

Zurück in Deutschland

Es war eine schöne Zeit! – aber mein diesjähriger winzigkurzer Schwedenurlaub ist zu seinem Ende gekommen. Allerlei Examensvorbereitungen machten mir einen längeren Aufenthalt leider unmöglich. Aktuell sind es allerlei Hausarbeiten, welche zum Erreichen der Scheinfreiheit am Schreibtisch Sitzen erforderlich machen. (Der Satz liest sich irgendwie konfus. Kein Wunder, mein tipperisches Können bin ich gerade allein in meine Arbeit über „‚Amnestie und Amnesie’ in der BRD 1949-1954“ zu investieren gezwungen. Huch!, schon wieder so konfus.) Zwar ist mir dieser mühseligen Studienverpflichtungen wegen der Zeit nur wenig. Nichtsdestoweniger ist mir der Lust viel (genitivus partitivus? Who knows… Konfus, konfus.), auf dem Sprung zur Mensa zwei Worte in meinem Propagandatagebuch zu hinterlassen. Zur Kompensation des mangelhaften Ausdrucks und zur Vortäuschung von etwas, was ich in Schweden vielleicht gar nicht getan habe, was mir aus PR- und Karriezwecken aber nur allzu günstig scheint, füge ich diesem Eintrag die Fotografie einer Indoor-Idylle – ein Stillleben mit Kerzenschein und großformatigem Notenpapier (Dank sei dem edlen Spender, gratias agimus tibi) – zuvor. („Zuvorfügen“?)
Zur Kompensation des mangelhaften Inhalts gebe ich außerdem noch ein schwedisches Originalbackrezept hinzu; entnommen einem der populärsten schwedischen Backbücher, ein echter Sachbuch-Bestseller. Also, in aller Kürze (die Mensa schließt um 14 Uhr), hier der Grundteig: 150 g Butter schmelzen, mit 5 dl Milch verrühren und auf 37°C temperieren; einen Teil der Flüssigkeit mit 50 g (resp. einem Päckchen) gründlich zerfledderter frischer Hefe verrühren. Hinzuzugeben sind: ½ Teelöffel Salz; knapp 1,5 dl Zucker; 1,3 l Mehl (nach & nach). Mit kräftigem Holzlöffel zu einem geschmeidigen Teig, der sich vom Schüsselrand leicht löst, kneten. Soweit das offizielle Rezept. Mit der Mengenangabe des Mehls fehlt das schwedische Backbuch leider gewaltig. Im Gegensatz zum deutschen Volk von Mitläufern und Minderbelasteten, dem Eugen Kogon in der Gründungszeit der BRD ein „Recht auf politischen Irrtum“ einräumte, lässt frische Hefe bei Fehlern niemals Gnade walten: es sind mindestens 1,8 l Mehl, die benötigt werden. Mit Erfolg kann sonst nicht gerechnet werden.

Soviel zum Grundteig.

Mittwoch, 15. August 2007

Mafiamorde und Leipzig?

Spuren des Mafiamordes in Duisburg könnten nach Leipzig führen, sagt’s bei Deutschlandradio gerade. Holla. Der sächsische Verfassungsschutz meint, die Clanangehörigen betrieben hier Restaurants. Hmm – gibt es so viele Italiener in Leipzig? Ich kenne nur “Don Camillo” am Barfußgässchen, und der kann’s nicht sein – die Kellner sagen zwar immer bona sera, aber der sächsische Akzent ist nie zu verkennen.