Montag, 30. Juli 2007

„Gottfried Seelenlos“ – Hörspiel auf Deutschlandradio Kultur

Am Sonntag letzter Woche (resp. vor acht Tagen) brachte die Kindersendung Kakadu auf Deutschlandradio Kultur ein herrliches Hörspiel! Zufällig nur kriegte ich es mit während ich mein Jugendbewegung-Referat vorbereitete. Eine lustige Geschichte, welche mir meine Quellentexte überstehen half. „Gottfried Seelenlos“ hieß das Hörspiel und war die Adaption aus einer großen Weimarer Märchensammlung. Guter, aber allein erziehender König verliert seine hübsche Tochter an den finsteren und ungeheueren Burgherren Seelenlos, der jenseits des Königreichs auf einem dunklen Berg haust. Zu ihrer Rettung macht sich als bald ein Musikant auf… „Zum Verzehr“ will Seelenlos die „minderjährige“ Prinzessin. Nix Jungfrau – unter 18 muss sie sein. Und „Verzehr“ meint Seelenlos wirklich im kulinarischen Sinne. Minderjährige zum Verzehr gesucht, das klang zu Anfang des Hörspiels dröge jugendfrei. Aber dann kamen mit der Zeit die subtilen Heiterkeiten! Umso komischer nämlich, wenn beim Ausruf des königlichen Herolds von Verzehr keine Rede mehr ist, sondern dieser verkündet, dem Retter der Prinzessin würde jene „zum eigenen Gebrauch“ versprochen. Eigener Gebrauch. Kicher, kicher.

In der Tat will Seelenlos die Prinzessin essen, das hat eine lange Vorgeschichte, mit dunklem Jäger, verkaufter Seele und so weiter. Seelenlos’ Küche ist seit dessen neusten Gelüsten auf junge Töchter bestens ausgestattet, bei der ersten Besichtigung staunt die Prinzessin sogar naiv: „so schöne Hackebeilchen“, fordert aber ein: „Bitte keine Klischees“, wie die Frau gehöre an den Herd – ebenfalls komisch. An anderer Stelle im Hörspiel suchen Musikant und Prinzessin nach des Burgherren versteckter Seele und machen sich auf, in die Burgbibliothek zu schleichen. Einen gelösten Umgang mit Alkohol weist hierbei der Musikant auf: „ Diesen Rosé nehmen wir zum besseren Nachdenken mit!“ Beim Stöbern finden sich in den Regalen kuriose Buchtitel wie: „Ein Gartengrill erzählt“ oder: „Wienerschnitzel XXL“. Mit der Rettung wird es eng und dringend: die Mast der Königstochter verläuft erfolgreich – was auch am Selbstwertgefühl des Mädchens rüttelt: „Tut mir leid, wenn ich etwas unkonzentriert erscheine. Aber vor dem 75. Kilo kann frau schon etwas wehmütig werden.“
Der Musikus, welcher es längst auf die Prinzessin abgesehen hat, bringt ständig doppeldeutige Anmerkungen bei. Der nun mehr dicklichen Prinzessin redet er gut zu: „Ihr seid appetitlich, so wie Ihr seid!“ Als er in letzter Minute Seelenlos hereinzulegen und in dessen Burg einzudringen versucht – der Prinzessin steht ihr Gang zur Küche kurz bevor – fragt er diesen an der Tür, gar nicht mal lügend, ob er wohl glaube der Einzige zu sein, „der Appetit auf zarte Prinzessin“ hat. Damit kann der Verkleidete überzeugen. (Der erste Versuch war gescheitert: „Ich bin Seelenlos, nicht hirnlos.“)

Die Geschichte geht gut und glücklich aus. Der Gedanke der dümmlichen Prinzessin allerdings wird im Drehbuch bis zum Ende weiter geführt. Der Musikant kündigt ihr die Hochzeit mit seiner Liebsten an, worauf sie zurück gibt: „Also du hast eine Liebste? Und mir machst du Komplimente und zweideutige Angebote?“ Höhö. Kakadu ist eine feine Sache!

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