Samstag, 30. Juni 2007

Shipping a corpse

Wie fühlt es sich an, Leichenteile unauffällig verschwinden zu lassen? Ich versuchte mich heute in der Früh’ an dieser Erfahrung, als ich mein Stagepiano für seinen Postversand präparierte. Die Angelegenheit hat eine etwas umständliche Vorgeschichte: die eigentliche Idee war, den nahezu 30-kg-schweren Koloss (rund 160 cm hoch) in einem passenden Riesenkarton mittels Schaumstoff-Elementen zu stabilisieren, und das Instrument auf diese Weise allereinfachst vom Postmann an der Tür abholen zu lassen. (Das ist übrigens ein Thema für sich. Denn egal, wie das Klavier verpackt sein wird: der Herr vom Versanddienst wird wegen der vier Etagen an dem unhandlichen Gerät gut zu tragen haben!) Klappte jedenfalls nicht, denn in Leipzig war dergleichen Kartonage weder bei Verpackungsgroßhändlern, noch beim Klavierspediteur, geschweige denn in Baumärkten zu finden. Auf diesem Wege in Schwulitäten geraten, half mir jedoch der Rat eines erfahrenen Klavier-Verschickers weiter: das Case sei einfach in Wellpappe einzurollen und festzugurten. „Einrollen“ – haha. Das klingt nach einer Weinflasche, die man schnell noch eben in Geschenkpapier dreht. Aber 154×28x12 cm bei besagtem Gewicht bedeuten ein ausgesprochen umständliches Unterfangen. Letztendlich klappte es natürlich – dem Kompositör ist nichts zu schwör (haha… auweia!…). Der Mann von HERMES jedenfalls wird sich bei meinem Paket (Tarif „XXL“) nicht sicher sein können, ob er ein Elektrogerät in Empfang nimmt, oder im Begriff ist, bei der Entsorgung meines einer Überdosis Spülmaschinen-Tabs erlegenen siebenjährigen Stiefkindes (NB: innere Verletzungen durch scharfe Reinigungsmittel sind in Sachsen und Brandenburg eine nicht selten diagnostizierte Kinderkrankheit) zu helfen.

Ich vergesse, das obige Foto zu erklären: im „Leipziger Osten“ (O-Ton Leipziger Osten über sich selbst), also auf dem Rückweg vom Baumarkt (eine Rolle Wellpappe zu EUR 24,95 auf Lenker und Sattel balancierend. Ich wurde zweifelsfrei irritierter beobachtet als es jener total-verhüllten Iranerin, welche für die AG Integration der Interessengruppe „Lebensraum Leipziger Osten“ auf in jenem Viertel allüberall aufgehängten Plakaten posiert, jemals widerfahren könnte.) passierte ich allerlei kuriose Schaufenster („Wir sind umgezogen. Jetzt 100 m weiter recht’s!“). Nur 100 m weiter link’s stieß ich also auf den unbestrittenen Höhepunkt meines cursus Lipsiensis, nämlich jenes (insolvente) Bestattungsinstitut, welches den Muster-Grabstein im Schaufenster präsentiert, und weiterhin mit folgenden Worten – molto con pietà – an der Scheibe Kunden zu werben sucht:

Bis hierher!.. – das wird wieder alles so lang, und meine Besucher-Analysen der Google-/CIA-Webmaster-Software zeigen, dass umständliche oder lange Beiträge nur in zwei von 100 Aufrufen bis zum Ende gelesen werden. Als Schlusssatz also („Nun zu etwas ganz anderem!“) ein junger Gedanke von mir: 2013 wird ein wahrlich teutonisches Jubeljahr. Nicht nur Wagners Geburtstag und die durchschlagene Niederwerfung der Franzosen vor den Stadtmauern Leipzigs (jährt sich dann beides zum 200. Mal) stehen an, sondern auch die Geburtstage von Werner Höfer und Hans Filbinger, beide Jahrgang 1913. (Und beide kraft personeller Kontinuität nach den unseligen Jahren 1933 ff. in der Regierungszeit Adenauers f. gesegneter Funktionen ausgestattet. „Typisch BRD“, so vor 50 Jahren glasklar bewiesen vom damals mit dem Auftrag für derlei Investigationen dem Guten und Richtigen ausgestatteten unabhängigen Aufklärungsinstitut der DDR, nämlich das Sekretariat für Agitation und Propaganda; unbestritten hingegen die „Rolle der KPD als der stärksten und führenden Kraft im Kampf gegen das verbrecherische Naziregime“. „Ja, die Regierung des Bundeskanzlers Adenauer deckt diesen Mann“ – aus: Die Wahrheit über Oberländer. Braunbuch über die verbrecherische faschistische Vergangenheit des Bonner Ministers, hg. vom Ausschuß für Deutsche Einheit, Berlin 1960.)

2 Kommentare:

(Nr. 55) Ruth am 1.7.2007 um 00.36 Uhr:

Ein weit gereistes Instrument mit einem passenden Karton im hohen Norden…


(Nr. 61) ml am 25.7.2007 um 21.26 Uhr:

Um deine Eingangsfrage zu klären: Leichenteile verschickt man nicht. Man versucht sie in 6 Teile zu schneiden und gibt sie zu den Schweinen. Snatch eben.

Hoffentlich bist du bei deinen corso (?) lipsia schon über Gunter Sack Bestattungen gestolpert; bei dieser Firma frage ich mich seit Jahren ob der Name nicht Programm ist?


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