Samstag, 16. Juni 2007

“Herr Moltke, wie stellen Sie sich das vor?”

Aushungern schlug nämlich Herr Moltke vor, damit sei die Belagerung von Paris zum Erfolg zu bringen. Beschießung mit Krupp-Granaten, schlug ihm Bismarck vor, damit sei die Belagerung zackig zu beenden. Bismarck setzte sich durch — voller Erfolg: damit endete heute mein Krimkrieg-et-cetera-Seminarmarathon der vergangenen Tage. Die lange Dauer der Veranstaltung forderte ihren Preis: auf einmal war die Rede von territorialen “Ausdänungen” beim Schleswig-Holstein-Konflikt. Im Interimunterrichtsraum (die Uni liegt in Schutt und Asche – Seminare finden zur Zeit in allerlei geborgten Locations in der City statt) der Dresdner Bank am zentralen Stadtring bot mir der gestrige Seminarstage Frontalblick auf die Thomaskirche, und zwar umfassend, von frühmorgens bis zur Abendbrotzeit. In diesen vielen Stunden förderte die Innenstadtlage (Bankgebäude als auch Seminarraum haben verglaste Wände vom Boden bis zur Decke) allerlei Zerstreuendes zu Tage. Immer wieder machten sich Feuerwehr-LKW-Kolonnen auf zu Einsätzen über den Stadtring; streunten mit Regelmäßigkeit frohsinnige Tölzer Chorknaben (es ist Bachfest!) am Seminargebäude vorbei; zogen (in akkurater Matrosenmontur) Thomaner zum Motettendienst – erst hin, später dann wieder zurück. Als ich, längst war es vigilae nocis causa Feierabendzeit, viel später nocheinmal am Ort des Geschehns vorbei lief, stand die Feuerwehr staunend mit großem Gerät am an der Bank entlangschleichenden Pleißen-Kanälchen. Eine Leiche in der Pleiße?

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