Samstag, 16. Juni 2007

Albert Speer in memoriam

Das Waldstraßenviertel hat als Wohnort auch so seine Mucken. Zum Beispiel war ich vor dem Gipfel in Heiligendamm gezählte drei Abende genötigt, Herbert Grönemeyer-Geräusche aus der Arena in meine Zimmer schwappen zu hören. Ähnlich ist das nun heute abend, da ist in dieser Ecke Proletentheater angesagt: Pyrotechnik-WM. Ich verspüre keine Motivation, Näheres zu recherchieren. Handelt es sich um eine WM, scheint schließlich klar, dass heute also Böllerexperten aus aller Herren Länder (Favoriten: Iran und Nordkorea. Dagegen erklärte Spaßbremsen des Abends: Vereinigte Staaten von Amerika. Überraschungskandidat: Russland, unter Nutzung der Technologie der Topol-M.) in Leipzig ihr Können demonstrieren. Klar ist auch, das kann ich sicher sagen: da findet derbe was statt!, es rummst, blitzt und knallt beständig. Und unter meinem Fenster staut sich auf der Gustav-Adolf-Straße eine Blechschlange; grölend und hupend drängeln sich die Kulturpilger. Ich möge nicht zu früh über das Spektakel urteilen, mahnte mich einer just am Telefon; geradezu choreographiert sei das Feuerwerk. Wobei man da unweigerlich an Homer Simpson und dessen Assoziation mit dem Begriff “Ballett” denkt. Mein Blick aus dem Fenster bestätigt: ja, choreographiert. Etwa so: erst laut und doll, dann etwas lauter und doller. Erst blinken, dann glitzern; erst rot, dann blau, dann vorwiegend grün. Zu ihren Höhepunkten bringt die Schau auch blinken und glitzern oder so in etwa ein rot-grün-blau-Gestreift zugleich (bzw. in nahezu synchroner Aufeinanderfolge – “auf einen Schlag” sozusagen). Dann 30 Sekunden ausschließlich Zischen, zum Schluss noch einmal Bumm. Aus der richtigen Perspektive sieht das ganze vielleicht symetrisch aus. Es leuchtet so feierlich, wie man den Himmel für gewöhnlich zu großen Ereignissen illuminiert, beispielsweise wenn man innerhalb von drei Wochen Polen überrennt. Dazu gesellt sich die auditive Attraktion wahlweise vor Berlin stehender Rotarmisten oder der WM kaputter Auspuffrohre. Man munkelt, sogar von jenen, die noch kürzlich in Heiligendamm den Regierungschefs mangelhafte Umweltpolitik vorwarfen, seien einige heute gen Bunt-und-glitzernd gezogen. Tzz.

1 Kommentar:

(Nr. 50) Franz am 18.6.2007 um 20.11 Uhr:

Hallo, lieber Stefan,
das ist mit Abstand der beste Blog, den ich von Dir bislang gelesen habe! Gratuliere und weiter so kreativ. Du machst Herrn Martenstein Konkurrenz!
LG


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