Dienstag, 15. Mai 2007

Unerwünschte Druckerzeugnisse

Zwei äußerst skurrile Journaillen an nur einem Dienstag – das scheint mir eine knappe Besprechung wert! Aber nur knapp – der Abend ist spät; allein, auslassen mag ich die beiden Blätter nicht. Zunächst in der Kürze ein Klassiker: der legendäre “Wachtturm” (”…verkündigt Jehovas Königreich”) – lag heute in unserem Treppenhaus. Auf der Titelseite eine rollgekragte junge Frau, lesend, daneben der aktuelle Ausgabentitel: “Echte Freude durch die Bibel”. (Empfehlenswerte Passage: S. 10, “Die Wunder Elisas”, z.B.: “11. Gehasi wird mit Naamans Aussatz geschlagen”, oder: “16. Ein Toter lebt wieder”.) Tenor: “Nimm dich vor Satans ‘listigen Handlungen’ in Acht”! Nicht weniger skurril dieses: heute gab es in Leipzigs Interimskantine in der Katherinenstraße (gegenüber dem Museum für Bildende Künste) zur Mensakost einen Papierbeutel, gefüllt mit allerlei nutzlosem Werbekrams. Darin: “Uniking” – “das Unicum-Magazin für große Jungs” (Papierbeutel wurden geschlechtssortiert ausgegeben). Statt “King” gibt es also auch “Queen” (Titelthema: “Was zieh’ ich an?”). Ist Sexismus wieder so in? Auf jeden Fall ist er bunt und hoch glänzend. Geschlechterrollen scheinen absolut im Kommen, bei “Uniking” geht’s um eine heteronormative. Die Kerle sind unrasiert, die wenigen abgebildeten Frauen billig. Titelthema: “Gib Feuer, Junge! Uniking zeigt dir, wie du richtig grillst”. Die Zeitschrift bezeichnet sich als “spendables Angebot an Spaß und Hintersinn, allein für euch, die großen Jungs an der Uni”. Seite 4 eröffnet mit einem Studienfachranking: wieviele Frauen kommen auf einen Mann? (Oder, wie Uniking das nennt: “Verhältnis Männlein/Weiblein”. Es siegt: “Primärpädagogik – 6,48 Mädels auf einen Jungen” – “Viel Spaß!”.) Augenscheinlich ist das also die Sparte “Spaß”. Wozu gehört dann dieses? – Autor Oliver Haastert baggert, eindrucksvoll bebildert, in der Eifel mit großem Gerät im Dreck. Das ist dann wohl “Hintersinn”? Bleibt offen, wie die Artikel: “Fest gebunden – Crash-Kurs Krawatte” (S. 28) und der Manierenratgeber: “‘Benimm dich, Junge!’ – Renaissance der Regeln” (S. 24) einzuordnen sind. …Oder: wie die Zielgruppe einzuordnen sei. Irgendwie spießig und fraglos machistisch, o tempora. Das Heft war kostenlos – und in der Papiertüte fanden sich noch ein Probebeutel Instantcappuccino und ein Billy Boy-Kondom. Als Ausgleich akzeptiert!

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